Airport-Studie: Flughäfen Frankfurt und München mit großem Aufholbedarf

Airport-Studie: Flughäfen Frankfurt und München mit großem Aufholbedarf

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Luftaufnahme des Flughafens in Frankfurt am Main

Neue Reisegewohnheiten, steigende Kosten und wachsende Konkurrenz aus Asien zwingen Europas Flughäfen, sich neu zu erfinden. Eine Exklusivstudie zeigt: Die deutschen Drehkreuze Frankfurt und München müssen den Service verbessern, effizienter arbeiten und ihr Geschäft erweitern.

Zum Ende der sommerlichen Hauptreisezeit im August wollte Mike Brown seinen Kunden eine künstlerische Kostbarkeit bieten. Der Chef des Flughafens London Heathrow verpflichtete den Schweizer Schriftsteller Alain de Botton für eine Woche als Hauspoeten. Der Literat, so Browns Idee, verbringt an seinem Schreibtisch eine Woche an verschiedenen Orten des Terminals und veröffentlicht seine Eindrücke später in einem Buch. Das würde dann ein wenig künstlerischen Glanz auf Europas größtes Drehkreuz werfen – und ablenken von all den schlechten Eindrücken durch die verkorkste Eröffnung des Terminals 5 im vorigen Jahr, dem schlechten Service und der oft schäbigen Atmosphäre.

„Flughäfen sind Plätze der Extreme und der Dramen“, beschrieb de Botton seine Vorfreude auf das literarische Projekt. Doch bevor er zum Schreiben kam, musste er profanere Arbeit leisten. „Ich wurde von Reisenden gefragt, wo die Toiletten sind oder wo man sich mal ungestört hinsetzen kann.“ So half der 40-jährige Künstler, die Schwächen des Flughafens wettzumachen, wie eine schlechte Beschilderung oder das geringe Angebot an Stühlen außerhalb der Imbissbuden.

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Europas Flughäfen sind nicht besonders kundenfreundlich

Aufwendige Technik, gute Zahlen – aber häufig leider am Kunden vorbei geplant: Ähnliches hätte der Literat auch an anderen europäischen Drehkreuzen, wie die großen Umsteigeflughäfen in der Flugbranche heißen, erleben können. „Europas Großflughäfen gelten zwar weltweit als Vorbilder in Sachen Geldverdienen und Funktionalität“, sagt Stefan Höffinger, Flughafenexperte der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL). „Doch in Sachen Kundenfreundlichkeit gehören die meisten nicht zur Weltspitze.“

Dies ist die wichtigste Lektion einer Exklusivstudie von ADL über Europas Drehkreuze. Gemeinsam mit der WirtschaftsWoche haben Höffinger und ein mehrköpfiges Team die Flughafengesellschaften von Amsterdam, Frankfurt, London Heathrow, München und Paris Charles de Gaulle durchgecheckt.

Die Studie bewertet die Marktführer in 37 Kriterien von den Finanzen über den Service bis zur Zukunftsfähigkeit nach Schulnoten von Eins bis Fünf. Das Ergebnis ist aus deutscher Sicht ernüchternd: Amsterdam ist Europas bester und zukunftsfähigster Flughafen. Dahinter folgen zwar Frankfurt und München. Doch Paris liegt praktisch gleichauf – und könnte die deutschen Wettbewerber schon bald überholen.

Der Grund ist einfach: Frankfurt und München müssen den Service weiter verbessern, effizienter arbeiten und ihr Geschäft erweitern, so die Botschaft der Studie. „Sonst werden sie weniger stark wachsen als andere“, sagt Höffinger, „und am Ende möglicherweise Kunden an die Konkurrenz in Europa oder die rasch wachsenden Airports in den Arabischen Emiraten verlieren.“

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