Alain Uyttenhoven im Interview: "Es gibt eine gewisse Frustration"

Alain Uyttenhoven im Interview: "Es gibt eine gewisse Frustration"

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Alain Uyttenhoven, Deutschland-Chef von Toyota

Für den neuen Deutschland-Chef von Toyota, Alain Uyttenhoven, ist 2008 ein sehr schwieriges Jahr. Er hofft auf die geplante Produktoffensive 2009.

WirtschaftsWoche: Herr Uyttenhoven, für Toyota sieht es in Deutschland nicht gut aus. Während Ihre Konkurrenten hier im ersten Quartal zum Teil stark zugelegt haben, liegen Sie beim Absatz 21 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Uyttenhoven: Wir wussten, dass 2008 kein besonderes Jahr wird. Wir haben für dieses Jahr einfach keine neuen Produkte. Was die Lage noch verschärft hat: Wir haben, wie viele Wettbewerber auch, damit gerechnet, dass der Autoabsatz in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2007 kräftig anzieht. Das ist aber nicht passiert. Entsprechend haben viele unserer Händler zum Jahreswechsel und zu Beginn dieses Jahres noch viele sogenannten Kurz- und Tageszulassungen auf den Höfen gehabt. Und ich habe gesagt: Ich will, dass dieser Bestand erst einmal abgebaut wird. Die Händler müssen sich in der zweiten Jahreshälfte voll auf die Einführung der neuen Modelle vorbereiten können, und dafür brauchen sie auch Platz in den Schauräumen.

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Haben Sie 2008 schon abgeschrieben?

Natürlich kämpfen wir. Diese Bereinigungsphase wird aber noch zwei, drei Monate dauern. Wir hatten im letzten Jahr 4,2 Prozent Marktanteil, im ersten Quartal 2008 waren es 3,6 Prozent. Und wir werden wahrscheinlich in diesem Jahr zum Jahresende näher an den 3,6 Prozent als an den 4,2 Prozent liegen. Die einen nennen es Überbrückungsjahr, ich nenne es lieber Vorbereitungsjahr. Wir haben 2009 eine gewaltige Produktoffensive vor uns. Wir führen sechs neue Modelle ein und zusätzlich neun Maßnahmen zur Modellpflege wie ein Automatikgetriebe in Verbindung mit einem Dieselmotor, was es bisher bei uns nicht gab.

Ihren Händlern wäre eine geschicktere Verteilung der Premieren sicher lieber.

Klar wäre es mir auch lieber gewesen, wenn wir einen Teil dieser Neuheiten schon 2008 einführen könnten. Aber so ist das in einem globalen Konzern. Man kann es nicht immer jedem Markt recht machen. Die Neuheiten, die für uns wichtig sind, wie der Kleinwagen IQ, die nächste Generation unserer Mittelklasse-Limousine Avensis oder der komplett neue Prius, kommen nun einmal erst 2009. Im Januar geht es mit dem Avensis los.

Wann machen Sie die Verluste Ihrer Marktanteile wieder wett?

Ich will noch nicht genau prognostizieren, wo wir rauskommen, aber über 4,2 Prozent sollten wir uns schon vornehmen. Wir wollen wieder deutlich wachsen.

Das scheint auch nötig. Ihre Händler klagen über stark gesunkene Profitabilität.

Man muss wissen, dass die Händlerprofitabilität von Toyota mit durchschnittlich 1,7 bis 1,8 Prozent über Jahre im Branchenvergleich außerordentlich hoch war. Letztes Jahr ist die Profitabilität auf 0,5 Prozent gesunken. Es ist jetzt nicht so, dass wir deswegen schon Händler verloren hätten. Aber ich muss sagen: Es gibt schon eine gewisse Frustration darüber, dass das fast schon traditionelle Rentabilitätsniveau von fast zwei Prozent im Augenblick nicht mehr erreicht wird.

Ist Abhilfe in Sicht?

Im kommenden Jahr hoffen wir, mit den neuen Modellen wieder in die früheren Profitabilitätsregionen zurückzukommen. Es ist wichtig, dass unsere Händler gute Profite machen. Das ist die Grundlage für weitere Investitionen.

Eigentlich müssten Sie in Deutschland doch von der aktuellen CO2-Diskussion profitieren. Aber von Ihrem Hybridauto Prius haben Sie im April nur 244 Stück verkauft.

Sicherlich haben wir das Potenzial des Prius nicht ausgeschöpft. Aber Sie müssen auch sehen: Der Prius ist am Ende seines Lebenszyklus. Nächstes Jahr kommt ein komplett neues Modell mit weiter verbesserter Technik, und das spricht sich auch bei vielen Kunden herum, die sich für so ein Auto interessieren. Grundsätzlich kommt das Thema Hybrid bei den Kunden immer stärker an. Wir werden deshalb in der Zukunft auch unter der Marke Toyota mehr Hybridmodelle anbieten und nicht mehr nur den Prius.

Ihre Konkurrenten arbeiten an Modellen mit reinem Batterieantrieb. Ist der Hybrid, also eine Kombination aus Benzin- und Elektroantrieb, da nicht überholt?

Das glaube ich nicht. Wir werden den Prius ab 2010 auch in einer sogenannten Plug-in-Variante in den Markt bringen. Dieses Auto können Sie an der Steckdose aufladen und beispielsweise den täglichen Weg zur Arbeit – bis zu 30 Kilometer – rein elektrisch fahren. Sie können mithilfe des Verbrennungsmotors aber auch am Wochenende Freunde besuchen, die 500 Kilometer weg wohnen. Das werden Sie mit reinen Batterieautos so schnell nicht können. Umweltverträglichkeit ist für uns aber nicht nur ein Hybridthema. Kleine Fahrzeuge spielen hier eine wichtige Rolle. Der Kleinwagen IQ beispielsweise ist kaum länger als ein Smart, hat aber Sitzplätze für drei Erwachsene und ein Kind.

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