Alan Hippe im Interview: "Ein Risiko gibt’s immer"

Alan Hippe im Interview: "Ein Risiko gibt’s immer"

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Alan Hippe, Finanzchef bei Continental

Der Finanzvorstand des Dax-Siegers Continental, Alan Hippe, über böse Gerüchte, zufriedene Investoren und die Folgen der Finanzkrise.

WirtschaftsWoche: Herr Hippe, wo steht die Conti-Aktie gerade?

Hippe: Lassen Sie mich mal auf meinen Rechner schauen – bei 81,55 Euro!

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Test bestanden. Wie viel Prozent Ihrer Zeit verwenden Sie auf Investor-Relations-Arbeit?

Etwa 10 bis 20 Prozent. Wenn wir irgendwo eine schwierige Situation zu erklären haben, zum Beispiel nach der Übernahme von VDO, sind es eher 20 Prozent.

Welche Fehler kann IR machen?

Das Schlimmste ist, wenn Sie Zusagen nicht einhalten. Und Sie dürfen nicht überreagieren. Wenn Sie jeden Tag in den Markt rennen mit: „Großes Risiko!“ oder „Große Chance!“, nehmen Sie Stabilität und Kontinuität aus der Entwicklung.

Wie macht man es besser?

Investoren erwarten, dass Unternehmen bestimmte Entwicklungen wahrnehmen und kompetent beurteilen: Veröffentliche ich diese spezifische Information jetzt oder nicht? Angesichts von Corporate-Governance-Regeln und Wertpapierhandelsgesetz sind manche Kollegen eventuell versucht, Investoren sicherheitshalber einfach mal alles auf den Tisch zu knallen. Auch wir halten uns an rechtliche Regelungen. Aber zum Job des Finanzvorstands gehört auch, die Informationen mit einer gewissen Struktur und Kontinuität zu versehen.

Geben Sie uns doch bitte mal ein Beispiel.

Als unser Kurs auf 51,50 Euro fiel, nachdem jemand sehr, sehr konsequent Gerüchte gestreut hatte, haben wir uns gefragt: Wo kommen die Gerüchte eigentlich her? Wir haben das dann herausgefunden, sehr genau adressiert und anschließend der gesamten Finanzgemeinde gesagt, was wir von der Sache halten. Anschließend hat sich der Markt wieder beruhigt.

Wollten Hedgefonds den Kurs drücken?

Der Gedanke liegt nahe, aber es waren letztlich Analysten.

Zuletzt ist der Kurs bei hohen Umsätzen stark gestiegen. Wird Conti übernommen?

Das fragen wir uns bei solchen Entwicklungen routinemäßig. Und zu diesem Thema sind aktuell wieder Gerüchte im Markt, und wir haben erneut geprüft, ob irgendetwas dahintersteckt. Aber alle unsere Analysen deuten nicht darauf hin, auch wenn ein gewisses Restrisiko natürlich immer vorhanden ist.

Woran könnten Sie denn überhaupt erkennen, dass Sie übernommen werden?

Es gibt verschiedene Instrumente. Zum Beispiel haben wir einen Defence-Berater, den wir in so einem Fall anrufen. Der schaut sich die Handelsumsätze in der Aktie genauer an, geht über seine Drähte in den Markt und fragt, was los ist.

Das heißt, Ihnen war zwischenzeitlich wegen der Kursschwankungen auch nicht ganz wohl?

Naja, die Aktie hat sich auffällig bewegt. Und es gab enorme Short-Positionen...

... von Anlegern, die auf fallende Kurse setzen...

...und mit unseren vernünftigen Ergebnissen für das erste Quartal ist natürlich im Gegenzug enormer Druck auf diese Short-Positionen gekommen. Als die dann aufgelöst wurden, die Shortseller also Aktien kaufen mussten, ist der Aktienkurs überproportional gestiegen. Ich gehe im Übrigen weiter davon aus, dass es noch starke Short-Positionen gibt.

Rechnen Sie wegen der Finanzkrise mit höheren Finanzierungskosten?

Was Siemens VDO betrifft, ist die Antwort ein klares Nein. Bei künftigen Akquisitionen muss man aber damit rechen, dass die Finanzierungskosten steigen, denn die Inflationstendenzen sind eindeutig da.

Wie stark trifft Sie die konjunkturelle Abschwächung auf dem US-Markt?

Wir sind ja durchaus ein wichtiger Player in den USA. 25 Prozent unseres Umsatzes machen wir in der nordamerikanischen Freihandelszone. Aber wir haben auch immer ganz gut prognostiziert, wie sich der Markt in den USA entwickeln würde, und sehr vorausschauend unsere Kosten in der Region angepasst. Deshalb haben Sie bei uns bisher auch keine Schleifspuren gesehen. Unser Reifengeschäft hat sich trotz der schwierigen ökonomischen Situation der USA sogar enorm verbessert und verbessert sich auch 2008 weiter. Die USA sind für uns ein Wachstumsmarkt, weil zum Beispiel der Gesetzgeber unseren elektronischen Schleuderschutz ESC für alle Neufahrzeuge vorschreibt.

Die Finanzkrise und eine schwache US-Konjunktur werden Sie nicht hindern, Ihre Ziele zu erreichen?

Da bin ich einigermaßen zuversichtlich. Was uns schon sehr beeindrucken würde, wäre allerdings, wenn eine Rezession nach Europa käme. Aber bisher scheint sich die wirkliche Krise auf die USA zu beschränken – und das macht uns keine unlösbaren Probleme.

Sehen Sie Conti noch als Übernahmeziel?

Ein Risiko gibt’s immer. Aber der Unternehmenswert von Continental liegt jetzt – ohne Prämie, die ein Käufer bezahlen müsste – bei 25 Milliarden Euro. Die hohe Summe schränkt den Kreis der potenziellen Übernehmer zumindest kräftig ein.

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