Albträume für Erwachsene: Zyanid im Bonbon

Albträume für Erwachsene: Zyanid im Bonbon

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Filmszene aus Psycho (mit Anthony Perkins, rechts)

Der Regisseur Guillermo del Toro über seine Albträume und böse Fantasien im Film.

Es war einmal ein kleiner Junge in Mexiko, der hatte böse Fantasien. Er liebte Monster über alles – eines davon sah er sogar jeden Abend leibhaftig. Es lebte im Kleiderschrank seiner Großmutter, aus dem es Punkt Mitternacht hervorkam. Der Kleine fing vor lauter Panik an zu schreien, obwohl ihm das Ungeheuer nie etwas tat. Dieser Junge bin natürlich ich. Seit ich mich erinnern kann, gilt meine Leidenschaft der Welt der Märchen und Monster. Deshalb gehören auch die Filme, die sich für immer in meiner Vorstellung eingeprägt haben, in dieses Genre.

Es begann mit den Fantasystreifen von Ray Harryhausen wie „Jason und die Argonauten“ oder „Sindbads Siebte Reise“ mit ihren Stop-Motion-Aufnahmen von Drachen, Zyklopen und Skeletten. Noch heute suche ich diese kindliche Begeisterung im Kino. Am ehesten finde ich sie in den Animationsfilmen des Unternehmen Pixar wieder. Bestes Beispiel: Die Monster AG, die Geschichte einer Gesellschaft aus Ungeheuern, die Kindern Angst einjagt und aus deren Schreien Energie gewinnt. Auch Disney hat Filme gemacht, die mir dieses Gefühl von Kindheit wiedergeben. Das gilt besonders für die Produktionen aus den frühen Neunzigerjahren wie Arielle die Meerjungfrau oder Die Schöne und das Biest, die in der Ära von Animationschef Jeffrey Katzenberg entstanden. Gelegentlich transportieren mich Realfilme an diesen Ort meiner Seele zurück – etwa der erste und zweite Spiderman oder Der Herr der Ringe – Die Gefährten .

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Obwohl in Hollywood das Marketing eine immer größere Rolle als das Märchenerzählen zu spielen droht, so hat es eben doch Filme voller Magie hervorgebracht. Unheimliche Begegnung der Dritten Art ist ein weiteres Beispiel, ebenso wie Der Zauberer von Oz oder Terry Gilliams „König der Fischer“, wo die Gralslegende bei der Bewältigung persönlicher Traumata hilft.

Wir brauchen weiterhin solche Märchen für Erwachsene – damit meine ich aber nicht harmlose, naive Geschichten. Von manchen meiner liebsten Film-Märchen habe ich über Jahre immer wiederkehrende Albträume bekommen. Nach „Der weiße Hai“ von Steven Spielberg träumte ich davon, wie mich Haie durchs Wasser jagen. George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ verdanke ich es, dass ich ganze Nächte lang von Zombies gehetzt wurde. Erst vor wenigen Tagen hatte ich diesen Traum wieder. Aber es geht ja dabei nicht darum, angenehme Gefühle zu erzeugen. Diese Filme zeigen, dass unsere Imagination und unser Geist mächtiger sind als die Realität.

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