Alexander Otto im Interview: „Wir sind keine Totengräber“

Alexander Otto im Interview: „Wir sind keine Totengräber“

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ECE-Chef Alexander Otto

Der Chef des Einkaufscenter-Betreibers ECE über den Niedergang der Kaufhäuser und den Aufstieg der Shoppingmalls.

WirtschaftsWoche: Wehmeyer, Hertie und SinnLeffers stehen vor dem Aus. Fühlen Sie sich schuldig?

Otto: Warum sollte ich?

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Viele Verbraucher geben ihr Geld lieber in Einkaufscentern aus, statt in Warenhäusern und Modeläden zu shoppen. Und ECE ist Europas größter Center-Betreiber.

Aber deshalb sind wird doch noch lange keine Totengräber der Warenhäuser oder kleinen Geschäfte. In der Regel ist das Gegenteil der Fall: Wir bringen die Frequenz und damit die Kaufkraft, von der auch die umliegenden Geschäfte profitieren.

Warum stecken die Warenhäuser dann in der Krise?

Das Grundproblem ist wahrscheinlich, dass viele Kunden nicht mehr wissen, warum sie unbedingt in ein Kaufhaus gehen sollten. Die meisten Produkte gibt es in einer größeren Auswahl bei den Fachhändlern, es fehlt das Unverwechselbare.

Das Gleiche kann man über Ihre Center sagen. Standardläden, Standarddesign – alles ist austauschbar.

Von tristen Einheitsformaten haben wir uns längst verabschiedet. Sicherlich setzen wir immer auf eine Reihe von Kundenmagneten und großen Ketten, die das Publikum anziehen. Aber daneben finden Sie bei uns auch eine Vielzahl lokaler Händler und Exoten, die für eine bunte Mischung sorgen.

Einige SinnLeffers-Filialen liegen in ECE-Centern. Werden Sie die Mieten für die marode Kette senken?

SinnLeffers ist in sieben ECE-Centern vertreten und zahlt sehr moderate Mieten, die zum Teil auch an den Umsatz gekoppelt sind. Ich sehe es daher kritisch, die Mieten zu senken, zumal es viele Interessenten für die Objekte gibt. Aber wir werden sicherlich konstruktive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter führen.

Haben Kaufhäuser überhaupt noch eine Überlebenschance?

Es gibt sehr erfolgreiche Modelle wie das KaDeWe in Berlin. Problematisch wird es für die kleineren Häuser. Mit wenig Verkaufsfläche können sie heute kaum noch gegen hoch spezialisierte Filialisten wie H&M oder Thalia bestehen.

Werden Sie in Zukunft noch mehr Center eröffnen?

Wir planen in den kommenden drei Jahren sieben neue Standorte in Deutschland.

Die Energie- und Lebensmittelpreise steigen, die Konjunktur stockt. Haben Sie keine Angst, dass die deutschen Verbraucher die Lust am Einkaufen verlieren?

Wir haben im ersten Halbjahr rund ein Prozent mehr Umsatz gemacht – das ist eine ordentliche Entwicklung. Aber in der Tat wird das zweite Halbjahr schwieriger werden. ECE ist aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in 13 weiteren Ländern aktiv. Und vor allem unsere Häuser in Osteuropa sind echte Wachstumstreiber.

Die Expansion dürfte in Zeiten der Finanzkrise aber schwierig werden.

Nicht unbedingt. Es stimmt zwar, dass die Kreditgeber und Investoren extrem restriktiv geworden sind. Andererseits sind auch die Mondpreise, die zuletzt für Grundstücke und Immobilien gezahlt wurden, wieder auf attraktivere Niveaus gefallen. Es gibt wieder Einstiegschancen.

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