_

Unternehmen: Alpha Bank setzt auf Kundenbindung

von Von Gerd Höhler

Wenn es um Sport geht, lässt sich Yannis Costopoulos nicht lumpen. 70 Mill. $ machte der Großaktionär und Präsident der griechischen Alpha Bank locker, um seinem Kreditinstitut den Titel „Official Bank“ der Olympischen Spiele 2004 in Athen zu sichern. Das war die größte Summe, die jemals ein nationaler Sponsor aufbrachte.

ATHEN. Der 64-jährige leidenschaftliche Segler, dessen Büro antike Schiffsmodelle zieren, hofft, dass sich die Investition lohnt: „Das dient der Kundenbindung. Außerdem wollen wir rund um die Spiele neue Finanzprodukte entwickeln“, erklärt Costopoulos, der in Großbritannien Schiffbau studiert hat. Kundenbindung gehört bei Griechenlands ältester Privatbank zum Konzept. Damit unterscheidet sich die Bank von den staatlich kontrollierten Kreditinstituten, die ihre Kunden meist wie Bittsteller auf Behörden abgefertigt werden. Sein Wachstum verdankt die Alpha Bank vor allem innovativen Service-Konzepten. Jüngstes Beispiel ist „Alpha 1-2-3“, eine Produktfamilie, mit der junge Kunden der Altersgruppen unter 14, 14 bis 17 und 17 bis 28 mit Geldgeschäften vertraut gemacht und an die Bank herangeführt werden. Die erfolgreiche Bank aus Athen ging 1879 aus der Finanzabteilung der Textilhandlung von Yannis Costopoulos, dem Großvaters des heutigen Chefs, in der Kleinstadt Kalamata auf dem Peloponnes hervor. 1924 zog das Geldinstitut in die Hauptstadt und gab sich den Namen Hellenische Handelskreditbank, der später in Alpha Credit Bank und 1999, nach der Übernahme der Ionian Bank, in Alpha Bank geändert wurde. In Griechenland hat der Name einen guten Klang. Das Kreditinstitut war vor allem in den 80er und 90er Jahren Vorreiter beim Einsatz neuer Informationstechnologien. Früher und konsequenter als andere griechische Geldinstitute setze die Alpha Bank auf Automatisierung. Dabei gäbe es den Namen Alpha Bank gar nicht mehr, wenn es nach Yannis Costopoulos gegangen wäre. Vor zwei Jahren wollte er sein Institut, die Nummer Zwei, mit dem Branchenführer, der staatlich kontrollierten National Bank of Greece verschmelzen. Doch die Fusion scheiterte am Widerstand des Managements und der Gewerkschaften. So lebt der Name einstweilen weiter. Ganz außer Gefahr ist er dennoch nicht. Denn die griechische Bankenlandschaft bleibt in Bewegung. Nachdem sich die Zahl der Geschäftsbanken zwischen 1997 und 1999 von achtzehn auf zehn reduzierte, rechnen Analysten für die kommenden Jahre mit einer weiteren Konsolidierung. Dabei gilt auch die Alpha Bank als Übernahme-Kandidat. Der Preis der Alpha-Aktie ist von 58 Euro auf dem Höhepunkt des Athener Börsenbooms im September 1999 auf derzeit 16 Euro gefallen. Der Börsenwert liegt damit bei knapp 3 Mrd. Euro. Appetit auf eine Übernahme wird dem Branchendritten, der EFG Eurobank nachgesagt. An dem aggressiv expandierenden Kreditinstitut, das mehrheitlich der griechischen Latsis-Gruppe gehört, hält die Deutsche Bank eine Beteiligung von 10 %. Zu den Gerüchten über eine feindliche Übernahme will sich Costopoulos nicht äußern. Er sieht die Alpha Bank gut gerüstet für weiteres Wachstum und hofft dabei vor allem auf das in Griechenland noch schwache Geschäft der Konsumentenkredite. Das schwierige Jahr 2002, in dem der Gewinn von 276 Mill. Euro auf 170 Mill. Euro gesunken ist, hakt Costopoulos als „kreatives Jahr“ ab, „das im Zeichen der Modernisierung der technologischen Infrastruktur und der Kostensenkung stand“. Mit Vorruhestandsregelungen baute die Bank 600 von 8 000 Stellen ab. Auch die Analysten sehen wieder bessere Zeiten. Sie rechnen mit einem Anstieg des Gewinns pro Aktie von 1,14 Euro in diesem auf 1,30 Euro im kommenden Geschäftsjahr.

Anzeige
weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Woche 21
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Woche 21

Viel passiert ist nicht. Die nachrichtenarme Zeit haben Institutionen und Verbände genutzt, um auf den desolaten Zustand...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.