Alstom-Transport-Chef Philippe Mellier im Interview: "Die Idee ist tot" - Seite 2

Alstom-Transport-Chef Philippe Mellier im Interview: "Die Idee ist tot"

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Der neue französische Quelle: dpa
Der neue französische Hochgeschwindigkeitszug AGV zielt direkt auf den ICE Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Monsieur Mellier, Alstom ist einer der großen Wettbewerber des deutschen Siemens-Konzerns, der teilweise mit Ihnen und mit Bombardier aus Kanada zusammen den ICE baut. Sind Sie gut aufgestellt gegenüber der Konkurrenz?

Mellier: Natürlich, bei Hochgeschwindigkeitszügen über 300 Kilometer pro Stunde haben wir einen Weltmarktanteil von 70 Prozent. Wir haben dafür zwei Plattformen: Doppelstockzüge, von denen die französische Staatsbahn SNCF gerade 80 Stück bestellt hat und eine Option auf weitere 40 hat. Diese Züge werden von 2011 an ausgeliefert. Außerdem haben wir den neuen AGV, den wir an das private Eisenbahnkonsortium NTV in Italien verkauft haben.

In Deutschland gibt es große Ausschreibungen der Deutschen Bahn. Werden Sie sich daran beteiligen?

Ja. Wir haben in Deutschland schon einen Marktanteil von etwa 50 Prozent bei Regionalzügen. Wir werden auch ein Angebot für den Mega-Vertrag über bis zu 300 ICE-Züge vorlegen. Die Ausschreibungen finden trotz der Krise statt. Wir haben eine Chance, zu gewinnen.

Gibt es weitere Großprojekte?

Ja, wir erwarten für 2009 eine Ausschreibung für ein Hochgeschwindigkeitsprojekt in Saudi-Arabien. Andere sind in Planung, etwa in Kalifornien. In Frankreich steht eine riesige Ausschreibung für Hochgeschwindigkeitszüge im Umfang von acht Milliarden Euro an.

Haben Sie den Auftrag nicht von vornherein in der Tasche? Siemens klagt über Wettbewerbsverzerrungen, weil Sie Ihren AGV schon auf dem französischen Streckennetz testen.

Wir machen Versuche, um zu prüfen, was passiert, wenn Züge künftig mit bis zu 360 Kilometer pro Stunde fahren. Wir haben deshalb eine Arbeitsgruppe mit der SNCF gebildet, deren Ziel eine Steigerung der Höchstgeschwindigkeit ist. Das ist kein Wettbewerbsvorteil. In der Vergangenheit haben wir mit der SNCF eine französische Technologie entwickelt. Siemens dagegen steht der Deutschen Bahn sehr nahe und kann in Deutschland Versuche machen.

Warum haben Sie die Vergabe eines Auftrages der SNCF für Nahverkehrszüge an das kanadische Unternehmen Bombardier angefochten?

Bombardier hatte den Zuschlag nur aufgrund versteckter Subventionen auf dem kanadischen Markt erhalten und konnte damit günstigere Preise anbieten. Solches Dumping ist nicht akzeptabel. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung. Wir haben deshalb Einspruch eingelegt, und der Vertrag wurde zu unseren Gunsten geändert.

Beim japanischen Unternehmen Hitachi, das den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen herstellt, ist die Situation vergleichbar. Die können viel günstigere Preise anbieten, wie sich kürzlich in Großbritannien zeigte, weil sie Subventionen erhalten und der japanische Markt abgeriegelt ist. Wir verlangen gegenseitige Gleichbehandlung.

Welche Rolle wird Alstom künftig in der Eisenbahnindustrie spielen?

Auf Dauer wird es eine Konsolidierung geben. Alstom Transport ist sehr rentabel, verfügt über Barmittel und wird an der Konsolidierung teilhaben. Wir wollen Gelegenheiten nutzen. Wir werden mit dem russischen Hersteller Transmashholding, dem größten Produzenten des Landes, kooperieren. Russland wird langfristig der wichtigste Eisenbahnmarkt der Welt werden. Wir planen, eine Sperrminorität von 25 Prozent an Transmashholding zu erwerben.

Ist die vor einigen Jahren aufgegebene Idee, zusammen mit Siemens einen europäischen Hochgeschwindigkeitszug zu entwickeln, wieder aktuell?

Nein, für mich ist diese Idee tot.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.12.2008, 23:01 UhrAnonymer Benutzer: Sonnendeck

    Das fällt mir auch dazu ein gerade Herrn Sarkozy hat ja mit allen Mitteln versucht ein Europäisches Schwergewicht gegenüber GE auf die beine zu stellen und was Herr Mehedorn hier in Deutschland betreibt ist noch weniger verständlich. Wie bräuchten gerade in Europa einen Airbus auf den Schienen, um uns der Zukunft zu stellen, die bestimmt nicht in 30 Jahren auf Flugzeugen beruht.

  • 07.12.2008, 13:39 UhrAnonymer Benutzer: Herr Aust

    Mir kommen die Träne!

    Ein Konzern, den es ohne massive Subventionen von Herrn Sarkozy nicht mehr gäbe, weint, dass andere Firmen versteckte Subventionen bekommen.

    Merkwürdiger Weise ist es für ihn in Ordnung, wenn Siemens ohne Subventionen auskommen muss.

    Na ja, das Korruptionsverfahren gegen Siemens wurde ja auch bis ins Detail ausgewälzt. Wer weiß schon, dass Alstom die gleichen Probleme hat und es aus französischer Sicht eher zum guten Ton gehört.

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