Alstom-Transport-Chef Philippe Mellier im Interview: "Die Idee ist tot"

Alstom-Transport-Chef Philippe Mellier im Interview: "Die Idee ist tot"

Bild vergrößern

Philippe Mellier, Alstom Transport-Chef

Frankreichs Eisenbahn-Hersteller Alstom will von den Problemen des ICE profitieren. Eine gemeinsame Zukunft mit Hersteller Siemens wird es nicht geben.

Wie eine Linie ziehen sich die Schienenstränge durch die Felder der Champagne bei Reims. Hier hat im April 2007 der TGV, ein französischer Hochgeschwindigkeitszug, mit 574,8 Stundenkilometern einen Weltrekord für Schienenfahrzeuge aufgestellt.

Und hier erprobt an den Wochenenden der Hersteller des traditionsreichen Zugs, der Pariser Konzern Alstom, zusammen mit der Staatseisenbahn SNCF, wie sich eine Reisegeschwindigkeit von 360 Stundenkilometer auf Lärmentwicklung und Materialbeanspruchung auswirkt. Etwa 60 Ingenieure prüfen dazu mit Messgeräten den Nachfolger des TGV, den AGV (Automatrice à Grande Vitesse), auf Herz und Nieren.

Anzeige

Die Franzosen machen sich Hoffnung, mit dem AGV einen Verkaufsschlager zu landen – während ihr Hauptkonkurrent in Europa, der deutsche Siemens-Konzern, mit dem ICE in der Kritik steht. Der Vorzeigezug deutscher Ingenieurkunst laboriert an einem ungeklärten Achsenriss, der seit Monaten von der Bahn untersucht wird.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn setzt den bisherigen Hoflieferanten Siemens deswegen massiv unter Druck – wenige Monate vor der Ausschreibung von bis zu 300 neuen Hochgeschwindigkeitszügen, die die Bahn für das kommende Jahr plant.

Der TGV hat die Probleme des deutschen Konkurrenzfahrzeugs nicht, weil er auf plumper wirkenden, jedoch weniger rissanfälligen Achsen fährt. Das gilt auch für den AGV. Seit dem Start der ersten High-Speed-Verbindung 1981 hat Frankreichs Staatsbahn SNCF in ihren TGV 1,5 Milliarden Passagiere transportiert – ohne größere Unfälle. In Deutschland hingegen war es aufgrund eines defekten Rades 1998 zu der Katastrophe von Eschede gekommen, als ein ICE entgleiste und 101 Menschen starben.

Mit dem AGV zielt Alstom direkt auf den ICE. Anders als der recht spartanische, rumpelige, eng bestuhlte und wenig komfortable TGV, kommt der AGV viel moderner daher. Der im Februar 2008 vorgestellte Zug folgt demselben technischen Prinzip wie der ICE 3, dessen Antriebskomponenten und Technikmodule unterflur über den ganzen Zug verteilt sind und dadurch für mehr Komfort sorgen. Die ersten von 25 Exemplaren sollen 2010 an das private italienische Bahn-Konsortium Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) geliefert werden.

Der Markt für High-Speed-Züge wächst auch in den kommenden Jahren trotz der Finanzkrise beträchtlich. Nach Angaben des Verbandes der internationalen Bahnindustrie sind seit dem Start des Superzuges Shinkansen in Japan im Jahr 1964 etwa 10 000 Hochgeschwindigkeitsstreckenkilometer in Betrieb genommen worden. Weitere 8000 Kilometer sind in Bau. Bis 2025 soll es weltweit 37 000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken geben.

Alstom sieht sich als Weltmarktführer, doch auch Siemens (ICE), Talgo und CAF (Spanien), Hitachi (Japan), Ansaldo (Italien) und demnächst Bombardier (Kanada) wollen kräftig mitmischen. Siemens hat etwa den Valero, der auf dem ICE 3 beruht und mit 404 Kilometern in der Stunde den Weltrekord für Serienzüge hält, nach Spanien, Russland und China verkauft.

Alstoms Pläne sind besonders ehrgeizig: Die Franzosen, die unter dem Dach des Konsortialführers Siemens am Bau des ICE 3 beteiligt sind, wollen eine aktive Rolle in der Konsolidierung der Branche spielen. Dazu wollen sie 25 Prozent am führenden russischen Hersteller Transmashholding übernehmen.

Das frühere Projekt eines „Airbus der Schiene“, also eines gemeinsamen Schnellzugs von Siemens und Alstom, hat nach Meinung von Alstom-Transport-Chef Philippe Mellier keine Chance mehr. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche verrät Mellier außerdem, wie er in Deutschland zum Zuge kommen will:

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%