American Apparel: Der T-Shirt-Revolutionär ist angezählt

American Apparel: Der T-Shirt-Revolutionär ist angezählt

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Eingeschlagene Fenster in einem American Apparel- Geschäft in Toronto während des Protests gegen den G20-Gipfel im Juni 2010.

von Thomas Stölzel

Der US-Bekleidungshersteller und Händler American Apparel steckt tief in der Krise. Ein Schuldenberg, illegale Arbeiter und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft plagen das Model-Label. Anleger und Experten zweifeln inzwischen an der Überlebensfähigkeit des Unternehmens, das vor allem durch die Eskapaden seines Gründers bekannt wurde.

Dov Charney, der Gründer und Chef des kalifornischen Modekonzerns American Apparel, taucht  schon mal nur in Unterwäsche bekleidet im Büro auf.

Auch sonst gilt der Kanadier als exzentrisch mit einem Hang zum Exhibitionismus. Ein Verfahren, in dem ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen aber nie nachgewiesen wurde, prägen sein Image und das seines Unternehmens genauso wie die kürzlich von einem Internetblog veröffentlichten internen Papiere, nach denen American Apparel Mitarbeiter vor allem anhand der Bewerberfotos anheuert. Nicht zu vergessen ist zudem die Tatsache, dass Charney seine eigenen Körperteile gern auf Werbeplakaten des Unternehmens präsentiert. 

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In diesen Tagen aber kämpft die verrückte Textilkette, die auch zahlreiche Geschäfte in deutschen Fußgängerzonen betreibt, nicht mit den Eskapaden ihres Chefs, sondern um's Überleben.

Der Aktienkurs brach von 3,80 Dollar Ende März auf heute gerade einmal rund 70 Cent ein. Vor allem in den letzten Tagen ging es rasant bergab.

Die Börse zweifelt massiv an der Überlebensfähigkeit des Konzerns. Die Umsätze waren in den vergangenen Wochen eingebrochen, die Verluste stiegen.

Zudem stieg der Schuldenstand des Unternehmens seit März dieses Jahres um ein Drittel auf 120 Millionen Dollar. Pflichtberichte an die Börsenaufsicht reichte American Apparel nicht rechtzeitig ein und die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des abrupten Wechsels des Wirtschaftsprüfers.

Wie lange kann sich Dov Charney noch als Chef von American Apparel halten?

Dov Charney zufolge ist der Hauptgrund für die Krise seines Unternehmens aber ein andere: Die US-Einwanderungspolitik. Tatsächlich wirbt American Apparel seit Jahren damit, dass das Unternehmen seine Kleidung ausschließlich im Stadtzentrum der US-Metropole Los Angeles produziert – von Arbeitskräften, die Charney fair bezahle, nicht so wie manch andere "Ausbeuterwerkstatt" in der Region.

Anfang dieses Jahres aber hatten Beamte der US-Einwanderungsbehörde das Unternehmen unter die Lupe genommen. Von den rund 10 000 Mitarbeitern hatten 2500 nicht die nötigen Papiere, um in den USA arbeiten zu dürfen. Amerivan Apparel verlor auf einen Schlag ein Viertel der Belegschaft. Ersatz stand keiner bereit.

Seit dem wettert Charney gegen Präsident Barack Obamas Einwanderungspolitik, die um keinen Deut besser sei als die unter George W. Bush.

Doch auch sonst scheint American Apparel seine Anziehungskraft verloren zu haben – zumindest im US-Markt.

Chic ist dort heute etwas anderes. So feiert die US-Presse derzeit vor allem das New Yorker Unternehmen J.Crew, dass Ex-GAP-Chef Mickey Millard Drexler in den letzten Jahren aus der Krise gezogen und sogar zum Hoflieferanten für das Weiße Haus aufgebaut hat.

American Apparel hat in den letzten Jahren dagegen vor allem massiv ins Ausland expandiert, um vom US-Markt unabhängig zu werden. Möglicherweise hat sich Charney auch bei diesem teuren Vorhaben verhoben.

Wie es mit dem Unternehmen nun weitergeht, hängt vor allem davon ab, ob es die finanziellen und organisatorischen Probleme schnell in den Griff bekommt.

Manch Experte bezweifelt dies jedoch: Ein US-Handelsberater sagte der Los Angeles Times, in der Chefetage von American Apparel gehe es zuzeit zu wie "im Irrenhaus". Nur eines scheint inzwischen sicher zu sein: Dov Charneys Tage als Chef des Unternehmens sind gezählt.

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