
Kauft ein Unternehmen einen Wettbewerber, ist das auch ein großes Werbeereignis. Scheinbar grenzenlos klingen die Perspektiven: Marktanteile und Umsätze werden flugs addiert, die Wachstumspotenziale hochgerechnet. Dass Übernahmen Risiken bergen, zeigt sich weniger in den euphorischen Pressemitteilungen als in den Bilanzen der Käufer. Dort schlagen sich die Nachteile der Fusion in nackten Zahlen nieder. Beispiel 3U: Nachdem der Eschborner Telekomanbieter den Konkurrenten OneTel geschluckt hat, sind in der Bilanz die Eigenkapitalquote gesunken und das Impairmentrisiko (potenzieller Wertberichtigungsbedarf) gestiegen. Damit rutsche das Risikorating der Aktie von A auf B. Klaus Linde, der als Analyst bei SES Research in Hamburg das Rating betreut: „Das heißt nicht, dass die Aktie schlechter ist.“ Zusammen mit den Risiken seien auch die Chancen gestiegen. Nicht nur nach Fusionen – auch zum schnellen Marktüberblick nutzen Profis wie Fondsmanager das SES-Rating, um das Risiko eines Papiers besser abzuschätzen. „Das Rating sagt aber nichts über die Chancen aus“, erklärt Linde. SES analysiert viermal jährlich die Bilanzen der 30 Unternehmen im Auswahlindex TecDax und der rund 140 Unternehmen im Index Tec-All Share der Deutschen Börse. Dabei gehen die Analysten nach zehn quantitativen Kriterien vor, etwa der Stabilität des Umsatzes, der Trendtreue der operativen Marge oder der Quote noch ausstehender Forderungen. Anhand dieser Zahlen wird jede Aktie einer von vier Risikoklassen zugeteilt. So haben Anleger eine Leitlinie, ob sie ihr Geld lieber in relativ stabile Werte investieren wollen (die meist keine Kursraketen sind) oder einen Zock auf eine C-geratete Biotech-Aktie wagen wollen.






















