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Analyse: Versicherungsbranche auf schwierigem Kurs

von Stefani Hergert und Melanie Bergermann

Die deutsche Versicherungsbranche ist im Umbruch. Neue Gesetze, unzufriedene Kunden und Vertreter machen ihr zu schaffen. Nun mischt auch noch der Finanzvertrieb AWD mit seinem Einstieg beim Rivalen MLP den Markt auf. Was bedeutet das alles für die Kunden? Die Chefs der Konzerne stellen sich in Round Table und Interview den drängenden Fragen. Eine Exklusivstudie zeigt, was die Versicherer tun müssen.

Ein Kunde füllteinen Antrag Quelle: dpa-dpaweb
Ein Kunde füllteinen Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung aus Quelle: dpa-dpaweb
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Eine ganze Branche ist in Aufruhr. Deutschlands Versicherungen von Ergo bis Talanx, von AMB Generali bis Allianz kämpfen mit unzufriedenen Kunden, ihre Sympathiewerte fallen in den Keller. Die Vertreter gehen auf die Barrikaden und fürchten um ihre Provisionen. Verbraucherschützer kritisieren viele Policen als Abzockerei, an der die Versicherung, aber nicht der Kunde verdient.

Die Politik erhöht über neue Gesetze den Druck, die internationale Finanzkrise verhagelt den Versicherungen die Bilanz. Gleichzeitig müssen sie den Umbau ihrer über jahrzehntelang wie bei Behörden gewucherten Organisationen vorantreiben. Tausende Mitarbeiter werden dabei auf der Strecke bleiben – wird die Beratungsqualität nun besser?

Und wenn es noch eines Beweises bedurfte, welch dramatische Umwälzungen die Versicherungen in den kommenden Monaten und Jahren erwarten, so hat ihn der Finanzdienstleister AWD in diesen Tagen geliefert: Er beteiligt sich am Konkurrenten MLP und mischt damit den Vertrieb von Versicherungspolicen in Deutschland noch einmal kräftig auf.

Unter besonderem Druck stehen Herr Kaiser und seine Kollegen

Was bedeutet das alles am Ende für die Kunden? Wie fair kann Ihre Versicherung in Zukunft zu Ihnen sein? Die WirtschaftsWoche hat die Konzernchefs der größten deutschen Versicherer an einen Tisch gebeten. Herbert Haas, Torsten Oletzky und Dietmar Meister, die Vorstandsvorsitzenden von Talanx, Ergo und AMB Generali stellten sich den bohrenden Fragen. Nur der Marktführer Allianz hielt sich zurück.

In einem Doppelinterview stehen AWD-Chef Carsten Maschmeyer und Rolf Dörig, Verwaltungsrat von Swiss Life, Rede und Antwort. Der Finanzvertrieb gehört seit März dieses Jahres mehrheitlich dem Schweizer Versicherungskonzern. Welche Folgen wird die neue Offensive in Deutschland für die Kunden haben, wie unabhängig kann AWD unter der Führung von Swiss Life noch Versicherungspolicen verkaufen? Und was haben Swiss Life und AWD mit ihrer 27-Prozent-Beteiligung an MLP vor?

Die Unternehmensberatung Bain & Company hat in einer Exklusivstudie für die WirtschaftsWoche aufgezeigt, vor welchen Herausforderungen die Versicherungen insgesamt stehen und wie sie darauf reagieren können – um die Kunden nicht in die Arme neuer Konkurrenten zu treiben.

Die Kernfrage der Branche ist der Vertrieb. Unter besonderem Druck stehen dabei der berühmte Herr Kaiser und seine Kollegen, die klassischen Vertreter, die nur die Policen eines Versicherers verkaufen. Konzernungebundene Makler schnappen ihnen die Kunden weg, die gesetzlichen Anforderungen steigen, die Fluktuation ist enorm. „Von drei Vertretern, die in den Vertrieb einsteigen, überlebt am Markt nur einer“, sagt Ingo Wagner, Partner der Unternehmensberatung Bain & Company und Mitautor der Studie.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 25.10.2008, 01:52 UhrAnonymer Benutzer: gabi

    Zitat: "Policen, die Elemente aus allen bereichen enthalten, lassen sich so kaum entwickeln – auch wenn sie bei den Kunden auf interesse stoßen würden." Meiner Meinung nach müssen die einzelnen Versicherungssparten nicht unbedingt miteinander verknüpft sein. ich fände es viel besser, wenn ich mir als Kunde bei den einzelnen Versicherungen aus den jeweils einzelnen bereichen die auf mich persönlich passenden Produkte aussuchen kann, so dass ich mir eine auf meinen speziellen Fall zugeschnittene Police detailliert zusammen stellen kann, quasi als baukastenprinzip. ich muss z.b. kein Surfbrett versichern, ich kann gar nicht surfen, aber ich muss diesen Punkt mitbezahlen, weil der nun mal mit drin ist. Da hilft auch nicht, sich bei einer anderen Gesellschaft umzusehen, denn da ist es garantiert etwas anderes, was für mich überflüssig wäre.

    ich meine, das Angebot der Gesellschaften sollte wie in einem Supermarkt vergleichbar sein - man braucht dieses und jenes und genau das bezahlt man dann auch.

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