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Andreas Pohlmann: Korruptions-Bekämpfer eilt zum nächsten Brandherd

von Axel Höpner Quelle: Handelsblatt Online

Der Chief Compliance Officer von Siemens, Andreas Pohlmann, wechselt in den Vorstand der krisengeschüttelten Ex-MAN-Tochter Ferrostaal. Seine Erfahrungen in dem bislang größten deutschen Schmiergeldskandal werden ihm bei seiner neuen Aufgabe helfen.

Andreas Pohlmann: Der Chief Compliance Officer wechselt von Siemens zu Ferrostaal. Quelle: handelsblatt.com
Andreas Pohlmann: Der Chief Compliance Officer wechselt von Siemens zu Ferrostaal. Quelle: handelsblatt.com

MÜNCHEN. Bei Ferrostaal brennt es lichterloh - und Siemens lässt seinen obersten Feuerwehr-Mann nach Essen ziehen. Andreas Pohlmann, derzeit Chief Compliance Officer bei Siemens, soll bei dem krisengeschüttelten Projektmanager unter einem - noch zu benennend - neuen Chef als Vorstand für Compliance und Administration gründlich aufräumen. Das teilte MAN gestern Abend mit. Dass Siemens ihn ziehen lässt, ist wohl auch als so etwas wie ein Solidaritätsakt im Sinne der alten Deutschland AG zu verstehen. Als "eine Art Collective Action" bezeichnet es Siemens-Vorstand Peter Solmssen im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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Der Fall Siemens, er galt als größter deutscher Schmiergeldskandal überhaupt. Betrachtet man die nackten Zahlen, wird das wohl so bleiben. Schließlich verschwanden bei den Münchenern in den vergangenen Jahren mindestens 1,3 Mrd. Euro in schwarzen Kassen. Bei Ferrostaal geht es bislang um deutlich kleinere Summen - von 175 Mio. Euro ist derzeit die Rede. Setzt man diese aber in Relation zum Umsatz sieht es schon ganz anders aus. "Strukturell ist die Herausforderung bei Ferrostaal wohl noch größer, als sie es einst bei Siemens war", sagt ein Insider. Man müsse sehen, was von Ferrostaal überhaupt noch übrig sei, wenn der Konzern die Schmiergeld-Affäre hinter sich habe.

Eine große Herausforderung für Pohlmann also. Seine Erfahrungen mit Siemens werden ihm aber helfen. Mit enormer Durchsetzungskraft hatte er in den vergangenen Jahren ein neues Anti-Korruptionssystem bei Siemens installiert. Rund 600 Festangestellte sind mit der guten Unternehmensführung - also der Compliance - inzwischen beschäftigt. Das System gilt weltweit als vorbildlich. Die Expertise des Konzerns ist bei anderen Unternehmen gefragt.

Wenn man in seinem Umfeld fragt, was Pohlmann denn so privat gern mache, lautet die vielsagende Antwort: "Er arbeitet gerne." Gut, ab und zu besucht er einmal ein Fußball-Spiel der Eintracht aus Frankfurt - ist schließlich nicht soweit von seinem Zuhause im Taunus.

Doch ansonsten gilt Pohlmann als Worcaholic. "Er krempelt die Ärmel hoch und legt los", sagt einer aus seinem Umfeld. So wäre es dem Mann der Tat jetzt, da ausgemistet ist und die Systeme installiert sind, vielleicht bei Siemens auch ein wenig langweilig geworden. Die neue Herausforderung Ferrostaal kommt da gerade recht.

Gern lassen sie Pohlmann bei Siemens wohl nicht ziehen. "Er hat einen Riesen-Job gemacht", sagt sein Chef Solmssen. Die Systeme seien aufgesetzt, nun müssten sie in den nächsten Jahren weiter mit Leben gefüllt werden. Denn das Thema Korruption wird wohl immer aktuell bleiben, da macht sich der Siemens-Chefjustiziar Solmssen keine Illusionen. "Die Außenwelt hat sich ja kaum geändert."

Pohlmann ist ein ausgewiesener Jurist. Nach dem Studium in Frankfurt hatte er - magna cum laude - in Tübingen promoviert. Den ersten Job als Anwalt bekam er bei Hoechst - und brachte es dort unter anderem bis zum Arbeitsdirektor und Vorstand bei der Abspaltung Celanese. Aus dieser Zeit resultieren auch die ersten Kontakte zu Solmssen, dessen damaliger Arbeitgeber General Electric an einer Übernahme interessiert war.

Regeln verinnerlichen

Bei Siemens hat Pohlmann gemeinsam mit Solmssen die Strukturen für eine saubere Geschäftsführung geschaffen. Wichtig ist ihm aber, dass die Regeln von den Beschäftigten auch verinnerlicht und gelebt werden. Seinen Ansatz veranschaulicht er gerne, indem er das Beispiel vom Autofahren heranzieht: "Sie haben auch nicht auf dem Beifahrersitz die Straßenverkehrsordnung liegen und fahren trotzdem ordentlich, weil sie es verinnerlicht haben."

Seine Ziele setzt Pohlmann dabei stets auf seine eigene Art durch. "Die Benutzeroberfläche ist sehr freundlich", sagt einer, der früher mit ihm zu tun hatte. Pohlmann sei kein oberschlauer Jurist, sondern ein stets zurückhaltender, sympathischer Gesprächspartner. "In der Sache ist er aber knallhart."

Die Nachfolge bei Siemens ist noch offen. Zunächst einmal übernimmt Konzern-Vorstand Solmssen vorübergehend die Funktion des Chief Compliance Officers. Eine Dauerlösung soll das aber nicht werden.

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