Angebliche Lizenzverstöße: Microsoft und Oracle nehmen Unternehmen in die Mangel

Angebliche Lizenzverstöße: Microsoft und Oracle nehmen Unternehmen in die Mangel

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In der Falle. Unternehmen werden von Software-Herstellern massiv unter Druck gesetzt

In Geheimdienstmanier gehen Softwaregrößen wie Oracle und Microsoft gegen Unternehmen vor, um vermeintliche Lizenzverstöße zu ahnden. Auch Dax-Konzerne müssen teilweise Millionen nachzahlen, um Produktionsausfällen zu vermeiden.

Als ein Spezialteam des Wirtschaftsprüfers KPMG bei BASF einmarschiert, will es nicht die aktuellen Bilanzen des Chemieriesen kontrollieren. Der IT-Konzern IBM schickt die drei Männer. Sie filzen stichprobenartig Rechner, kontrollieren die Lizenzen für IBM-Software. Zwei Wochen lang halten sie in Deutschland und Südamerika ein halbes Dutzend BASF-Leute auf Trab. Am Ende finden die drei, was sie suchen: IBM-Software, für die der Chemiekonzern ein paar Lizenzen zu wenig gekauft hat. Dass BASF für andere IBM-Programme mehr Rechte besitzt, als das Unternehmen nutzt, spielt keine Rolle.

Solche Prüfaktionen sind im Zeitalter der Raubkopien üblich. In jüngster Zeit nehmen jedoch Brancheninsidern zufolge Fälle rasant zu, in denen die Softwareanbieter weit darüber hinausgehen. Dax-Konzerne und große Mittelständler klagen, dass Programmlieferanten wie Oracle und Microsoft sie teilweise zu Unrecht unter Druck setzen. Der Vorwurf: Manche Anbieter bezichtigen ihre Kunden auf Basis schwammig formulierter Verträge dramatischer Lizenzverstöße, fordern Entschädigung in Millionenhöhe, drohen gar, die Nutzung der für die Kunden oft lebenswichtigen Programme zu untersagen. Dann bieten sie ihnen einen harmloseren, aber teuren Ausweg an: mehr Lizenzen oder Wartungsverträge kaufen – auch wenn die zum Teil gar nicht benötigt werden.

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Modernes Raubrittertum: Softwareanbieter nutzen Abhängigkeit der Unternehmen aus

Software ist heute aus Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Von der Personalverwaltung bis zur Produktionssteuerung, sie sind von virtuellen Werkzeugen abhängig. Daher geben sich die Konzerne den mal mehr, mal weniger berechtigten Drohungen der Anbieter fast immer geschlagen, kaufen notgedrungen Software nach. Ein Wechsel zu einem konkurrierenden Anbieter ist entweder zu teuer, zu langwierig oder unmöglich, weil es keinen gibt. Auch wenn das Vorgehen der Softwareanbieter legal ist: Die Kundenseite spricht von „Raubrittertum“ und beklagt „erpresserische“ Methoden.

Auslöser des umstrittenen Vorgehens ist die Finanzkrise. Das Neugeschäft mit Software schrumpft. Sonst so spendable Großkunden scheuen teure Investitionen. Trotzdem fordern die Softwarehäuser mehr Umsatz von ihren Vertriebsleuten: „Der Druck ist groß, besonders bei den US-Anbietern“, sagt ein Brancheninsider. Uwe Sauer*, Lizenzexperte einer großen IT-Beratungsfirma, die nicht genannt werden soll, weil sie Geschäfte mit Softwareherstellern macht: „Die lassen ihre Kunden regelrecht ins Messer laufen.“

Umsätze durch zweifelhafte Verkauftstaktiken

Vor allem Hersteller, deren Neugeschäft in der Krise schwächelt, wollen sich zum Ausgleich an ihren Bestandskunden schadlos halten. Viele verdanken der Verkaufstaktik mittlerweile erhebliche Teile ihrer Einnahmen. So sank bei Oracle zwischen März und Mai 2009 der Umsatz mit neuen Softwarelizenzen gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz bei Lizenz-Updates und Produkt-Support kletterte jedoch um acht Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Unterm Strich lagen die Softwareumsätze so nur drei Prozent im Minus.

 

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