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Angebliche Lizenzverstöße: Microsoft und Oracle nehmen Unternehmen in die Mangel

von Thomas Stölzel

In Geheimdienstmanier gehen Softwaregrößen wie Oracle und Microsoft gegen Unternehmen vor, um vermeintliche Lizenzverstöße zu ahnden. Auch Dax-Konzerne müssen teilweise Millionen nachzahlen, um Produktionsausfällen zu vermeiden.

In der Falle. Unternehmen werden von Software-Herstellern massiv unter Druck gesetzt Quelle: Markus Mohr - Fotolia.com
In der Falle. Unternehmen werden von Software-Herstellern massiv unter Druck gesetzt Quelle: Markus Mohr - Fotolia.com

Als ein Spezialteam des Wirtschaftsprüfers KPMG bei BASF einmarschiert, will es nicht die aktuellen Bilanzen des Chemieriesen kontrollieren. Der IT-Konzern IBM schickt die drei Männer. Sie filzen stichprobenartig Rechner, kontrollieren die Lizenzen für IBM-Software. Zwei Wochen lang halten sie in Deutschland und Südamerika ein halbes Dutzend BASF-Leute auf Trab. Am Ende finden die drei, was sie suchen: IBM-Software, für die der Chemiekonzern ein paar Lizenzen zu wenig gekauft hat. Dass BASF für andere IBM-Programme mehr Rechte besitzt, als das Unternehmen nutzt, spielt keine Rolle.

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Solche Prüfaktionen sind im Zeitalter der Raubkopien üblich. In jüngster Zeit nehmen jedoch Brancheninsidern zufolge Fälle rasant zu, in denen die Softwareanbieter weit darüber hinausgehen. Dax-Konzerne und große Mittelständler klagen, dass Programmlieferanten wie Oracle und Microsoft sie teilweise zu Unrecht unter Druck setzen. Der Vorwurf: Manche Anbieter bezichtigen ihre Kunden auf Basis schwammig formulierter Verträge dramatischer Lizenzverstöße, fordern Entschädigung in Millionenhöhe, drohen gar, die Nutzung der für die Kunden oft lebenswichtigen Programme zu untersagen. Dann bieten sie ihnen einen harmloseren, aber teuren Ausweg an: mehr Lizenzen oder Wartungsverträge kaufen – auch wenn die zum Teil gar nicht benötigt werden.

Modernes Raubrittertum: Softwareanbieter nutzen Abhängigkeit der Unternehmen aus

Software ist heute aus Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Von der Personalverwaltung bis zur Produktionssteuerung, sie sind von virtuellen Werkzeugen abhängig. Daher geben sich die Konzerne den mal mehr, mal weniger berechtigten Drohungen der Anbieter fast immer geschlagen, kaufen notgedrungen Software nach. Ein Wechsel zu einem konkurrierenden Anbieter ist entweder zu teuer, zu langwierig oder unmöglich, weil es keinen gibt. Auch wenn das Vorgehen der Softwareanbieter legal ist: Die Kundenseite spricht von „Raubrittertum“ und beklagt „erpresserische“ Methoden.

Auslöser des umstrittenen Vorgehens ist die Finanzkrise. Das Neugeschäft mit Software schrumpft. Sonst so spendable Großkunden scheuen teure Investitionen. Trotzdem fordern die Softwarehäuser mehr Umsatz von ihren Vertriebsleuten: „Der Druck ist groß, besonders bei den US-Anbietern“, sagt ein Brancheninsider. Uwe Sauer*, Lizenzexperte einer großen IT-Beratungsfirma, die nicht genannt werden soll, weil sie Geschäfte mit Softwareherstellern macht: „Die lassen ihre Kunden regelrecht ins Messer laufen.“

Umsätze durch zweifelhafte Verkauftstaktiken

Vor allem Hersteller, deren Neugeschäft in der Krise schwächelt, wollen sich zum Ausgleich an ihren Bestandskunden schadlos halten. Viele verdanken der Verkaufstaktik mittlerweile erhebliche Teile ihrer Einnahmen. So sank bei Oracle zwischen März und Mai 2009 der Umsatz mit neuen Softwarelizenzen gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz bei Lizenz-Updates und Produkt-Support kletterte jedoch um acht Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Unterm Strich lagen die Softwareumsätze so nur drei Prozent im Minus.

 

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.07.2009, 13:29 UhrAnonymer Benutzer: Jo_AL

    Lizenz Management ist eine notwendige Aufgabe bei Unternehmen.

    Dafür gibt es einerseits standardisierte Prozesse (ja sogar eine iSO Norm), Software-Werkzeuge und Reifegradmodelle, die jedem Unternehmen zeigen können, wo es steht und mit welchem Maßnahmen der grösste Nutzen bzw. die nachhaltigste Risikominimierung zu erreichen ist.


    Lizenz Management ist sehr weitreichend, äusserst komplex und aufwendig. Dennoch oder gerade deswegen kann aber auch ein Lizenz Management im entsprechenden Reifegrad ein echtes "strategisches Asset" im Unternehmen darstellen:

    - Risikominimierung/reduzierung
    - klare Kostentransparenz/Weiterverrechnung
    - bessere Verhandlungsposition gegenüber Lieferant
    - keine oder geringe Zusatzkosten bei Audit/Compliance Checks
    - Lizenz- und Wartungsverträge sind mit Geschäftszielen und initiativen verknüpft

  • 14.07.2009, 23:14 UhrAnonymer Benutzer: Lizenzexperte

    Softwarelizenzverträge werden absichtlich so schwammig wie möglich gehalten. Das fängt in der Regel schon beim ersten Satz an: "Diese Software wird lizenziert" heißt es da in der Regel. Das macht auch erfahrene Juristen ratlos.
    Selbst bei großen Unternehmen weiß niemand, welche Vertragsklauseln da wirklich unterschrieben werden. Zu einem nicht unerheblichen Teil ist es technisch einfach unmöglich, die vertraglich formulierten bedingungen zu überwachen. Ein funktionierendes Lizenzmanagement darf deshalb nicht nur Verträge überwachen; es muß auch aktiv an - möglichst standardisierten - Lizenzverträgen mitarbeiten.

    Es gäbe genügend ausgereifte technische Methoden, um eine einfache Lizenzüberwachung auch für weltweit agierende Anwenderunternehmen sicherzustellen. Diese Verfahren müssten jedoch von den Softwareherstellern in die Programme eingearbeitet werden. Tun sie aber nicht. Vorsatz?

  • 14.07.2009, 21:52 UhrAnonymer Benutzer: Klartexter

    Weiter so! So schafft Linux, OpenOffice & Co. endlich den verdienten Durchbruch!

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