Anlagenbauer: Neuer Kopf für das Skandalunternehmen Ferrostaal

Anlagenbauer: Neuer Kopf für das Skandalunternehmen Ferrostaal

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Die Ferrostaal-Firmenzentrale in Essen: Wie umfangreich ist die Korruptionsaffäre?

von Andreas Wildhagen

Der Schwede Jan Secher wird heute zum Chef des Essener Anlagenbauers und Industrie-Projektentwicklers Ferrostaal gekürt. Er soll bei Ferrostaal aufräumen, was ein anderer arg in Unordnung gebracht hat.

Er ist 52, gebürtiger Schwede und nach der Entscheidung des Aufsichtsrates ab heute Chef von Ferrostaal. Jan Secher, der zwanzig Jahre lang seine Sporen beim schwedisch-schweizerischen Anlagenkonzern ABB verdiente, wird von der Private-Equity-Firma Apollo wegggeholt und soll bei Ferrostaal aufräumen, was ein anderer arg in Unordnung gebracht hat. Matthias Mitscherlich, Sohn des großen Psychologen und Therapeuten Alexander Mitscherlich ("Die Unfähigkeit zu trauern") musste als langjähriger Ferrostaal-Chef wegen einer sich immer weiter ausdehnenden Korruptionsaffäre zurücktreten.

Gegen Mitscherlich ermittelt die Staatsanwaltschaft München im Zuge der im Sommer 2009 hochgekochten Schmiergeldaffäre in dreistelliger Millionenhöhe bei Ferrostaal. Die Ermittler werfen dem Ferrostaal-Management vor, jahrelang über Schmiergelder den Verkauf von Großanlagen und Rüstungsgütern wie auch U-Booten im Ausland angeschoben zu haben. Die Zahl, die zur Zeit unter Staatsanwälten gehandelt wird, lautet: 175 Millionen Euro. Darauf beläuft sich bisher das Schmiergeldkonto bei Ferrostaal. Ein Klacks nur gegenüber der Schmiergeldlawine bei Siemens, die über 1,3 Milliarden Euro betrug. Doch die Laxheit des Ferrostaal-Management inmitten eines sensibilisierten Umfeldes macht den Fall Ferrostaal besonders prekär. Aus Siemens hat man in Essen nichts gelernt. Nun liegt der Korruptionsskandal auf dem Tisch.

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Welchen Umfang hat die Korruptionsaffäre?

Eine Überraschung vor allem für den arabischen Staatsfonds IPIC, der im vergangenen Jahr 70 Prozent der Ferrostaal-Anteile kaufte und seine stolze Industriebeteiligung aus Essen demnächst um die restlichen 30 Prozent komplettieren wollte. Die hält im Augenblick noch der frühere Ferrostaal-Mutterkonzern MAN, der sich ganz auf das Lastwagengeschäft konzentrieren wollte. Nun ist die große Frage: Welchen Umfang hat die Korruptionsaffäre? Und was ist Ferrostaal eigentlich noch wert, wenn hohe Strafzahlungen zu erwarten sind und sich immer mehr verschreckte Großkunden abwenden, die sich nicht vom Korruptionsruch anstecken lassen wollen? Möglicherweise haben die Araber mit Zitronen gehandelt - und auch MAN muss von seinen Kaufpreisvorstellungen gehörig Abstand nehmen.

Nun soll Ferrostaal-Aufsichtsratschef Georg Thoma, ein renommierter Rechtsanwalt aus Düsseldorf, das große Reinemachen bei Ferrostaal inzenieren. Secher ist der erste Besen, der von oben her kehren soll. Secher verfügt über umfangreiche Erfahrung im Industriegeschäft. Nach seiner ABB-Zeit war er Chef des Druckfarbenherstellers Sicpa, danach bei Clariant, dem Hoechst-Nachfolger. Der studierte Wirtschaftsingenieur verfügt über globale Management-Erfahrungen in USA, Kanada und in Asien.

Mit schwarzen Kassen aufgeräumt

Brandgefährlich wird die Ferrostaal-Causa auch für die Kunden. So verkauft auch ThyssenKrupp einen Teil seiner Industrieanlagen über Ferrostaal. Zwischen Mitscherlich und dem Krupp-Stiftungsvorsitzenden Berthold Beitz gab es in den vergangenen Jahren enge Kontakte, vor allem auf dem Gebiet des Kultur-Sponsorings. Doch für einen Mann wird der Ferrostaal-Sumpf höchstwahrscheinlich wieder zum Feuerwehreinsatz in Sachen gnadenloser Korruptionsbekämpfung: ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme kann es zur Zeit gar nicht gebrauchen, mit seinem Konzern in den Ferrostaal-Fall mit hineingezogen zu werden. Gerade hat er als Siemens-Chefkontrolleur gründlich mit den lange gepflegten schwarzen Kassen aufgeräumt. Nun kocht quasi hinter seinem Rücken ein neuer, gefährlich naher Fall hoch. Ob die beschwichtigenden Worte von Konzernchef Ekkehard Schulz, die laufenden Geschäfte seien vom Ferrostaal-Skandal nicht berührt, wirklich ausreichen? Mit Beschwichtigungen fangen Korruptionsfälle meistens erst richtig an.

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