Anlegerprozess: Auch Telekom-Finanzvorstand stützt Konzernposition

Anlegerprozess: Auch Telekom-Finanzvorstand stützt Konzernposition

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Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, sitzt in Frankfurt am Main im Saal des Oberlandesgerichtes zwischen seinen Anwälten

Im Telekom-Prozess hat am Nachmittag nach dem ehemaligen Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus nun auch der Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick die Konzernposition gestützt. Beide erklärten, die Telekom habe es nicht versäumt, in ihrem Prospekt zum dritten Börsengang über eine bevorstehende milliardenschwere Übernahme in den USA zu informieren.

Die Gespräche zur Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream seien erst Mitte Juli 2000 in eine „konkrete Phase“ getreten, sagte Eick heute vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt. Am 23. Juli habe es dann die entscheidenden Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsgremien der beiden Firmen gegeben.

Winkhaus äußerte sich ähnlich, auch Ex-Konzernchef Ron Sommer hatte gestern als Zeuge die Vorwürfe bestritten. Die annähernd 40 Milliarden Euro teure Akquisition ist einer der wichtigsten Streitpunkte in dem Musterprozess, mit dem rund 16.000 T-Aktionäre Schadenersatz für erlittene Kursverluste erstreiten wollen.

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Sie werfen der Telekom vor, den Zukauf im Börsenprospekt verschwiegen zu haben, obwohl die Entscheidung zum Zeitpunkt der dritten Aktienplatzierung am 19. Juni 2000 bereits gefallen sei. Die Aktien waren zu je 66,50 Euro zugeteilt worden, stürzten dann aber bis unter zehn Euro ab.

Eick - der damals wesentlich am Zustandekommen des Geschäfts beteiligt war - erläuterte, die Telekom habe im ersten Halbjahr 2000 nach Übernahmekandidaten Ausschau gehalten. Ende Juni habe der Vorstand den Aufsichtsrat über den Findungsprozess informiert, dabei sei es unter anderem um Qwest und VoiceStream gegangen. Im Anschluss habe es eine Diskussion über die Prioritätensetzung und Wunschkandidaten gegeben.

„Dann bin ich in Urlaub gefahren“, erläuterte Eick. Eine Akquisition habe also nicht unmittelbar bevorgestanden. Am 10. oder 11. Juli sei er dann angerufen worden, weil sich konkrete Gespräche mit Voicestream abgezeichnet hätten.

Kläger sehen Unterstützung in der Aussage

Die Anwälte der Kläger werteten die Aussagen von Winkhaus allerdings zu ihren Gunsten. Der Ex-Chefkontrolleur habe deutlich gemacht, dass der Voicestream-Kauf „der Mega-Deal“ für die Telekom gewesen sei. Vorstand und Aufsichtsrat sei schon zur Zeit des dritten Börsengangs klar gewesen, dass für eine mögliche Übernahme Riesensummen würden fließen müssen.

Das hätte die Telekom in ihrem Börsenprospekt deutlich machen müssen. Winkhaus räumte ein, dass es bereits früher ein unverbindliches Angebot an Voicestream gegeben habe, um die Chancen gegenüber Wettbewerbern zu erhöhen. Die Telekom habe vor Mitte Juli zudem Vorarbeiten geleistet, um für mögliche Käufe gerüstet zu sein, sagte Winkhaus.

Dies habe sich auf eine Reihe von Unternehmen bezogen. Sommer hatte gestern erklärt, die Entscheidung für intensive Gespräche mit Voicestream sei erst gefallen, als Mitte Juli Verhandlungen mit Qwest gescheitert waren. Auch er hatte vorherige Gespräche zugegeben. Die Anwälte der Kläger bezweifeln jedoch, dass die Telekom den Vertrag mit Voicestream innerhalb einer Woche verhandelt und abgeschlossen habe. Sie wollen daher weitere Zeugen laden lassen, darunter den damaligen Voicestream-Chef John Stanton.

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