Anno August Jagdfeld: Der charmante Pleitier von Heiligendamm

Anno August Jagdfeld: Der charmante Pleitier von Heiligendamm

, aktualisiert 29. Februar 2012, 07:20 Uhr
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Der Geschäftsfuehrer der Fundus Gruppe und der Grand Hotels Heiligendamm GmbH, Anno August Jagdfeld.

von Reiner Reichel und Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Insolvenz des Grandhotels Heiligendamm ist eine peinliche Niederlage für den Fondsinitiator Anno August Jagdfeld. Nun fürchtet der charmante Geschäftsmann um seinen Ruf.

DüsseldorfDieses Mal hat der Charme des Anno August Jagdfeld versagt. 32,5 Millionen Euro hätten die 1.900 Anleger dem Chef der Immobilienfondsfirma Fundus geben müssen, um den Fonds für das „Grandhotel Heiligendamm“ vor der Pleite zu bewahren. Doch dieses Mal schossen sie kein Geld nach.

Diese prestigeträchtige Niederlage ist eine neue Erfahrung für den charismatischen 65-Jährigen. Noch immer hatte er es in den vergangenen Jahren geschafft, Anlegern Sanierungspläne schmackhaft zu machen und ihnen frisches Geld für seine Luxushotels „Adlon“ in Berlin und das Grandhotel in Heiligendamm an der Ostsee aus der Tasche zu ziehen.

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Um Heiligendamm, die „Weiße Stadt am Meer“, ist es nun geschehen. Am Montag meldete der Fundus-Fonds 34 Insolvenz an. Die Zinsen für die Bankkredite können nicht mehr bedient werden. Die Gehälter der 300 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert.

Dabei hatte es Jagdfeld vor drei Jahren nach der ihm eigenen Art des Grandseigneurs mit einem Neustart versucht. Damals übernahm er einfach selbst das Hotelmanagement, nachdem der alte Betreiber Kempinski wegen „ständiger Einmischung des Besitzers in den täglichen Hotelbetrieb“ ausgestiegen war. Doch das Fünf-Sterne-Haus war nicht profitabel genug.

Der Turn-around an der Ostsee misslang. Dabei sind Luxushotels in Deutschland derzeit so gefragt wie nie. Die Auslastung ist, so rechnet der Hotelverband Dehoga vor, mit 64 Prozent besser als der Durchschnitt. Im ersten Halbjahr 2011 ging es mit den Erträgen um mehr als sieben Prozent nach oben.

Diese positive Entwicklung ist in Heiligendamm kaum angekommen. Doch von Selbstzweifeln ist bei Jagdfeld keine Spur: Schuld am Scheitern sei „eine kleine Truppe von Stadtvertretern, die dem Hotel immer wieder Steine in den Weg legt“, klagt er.


„Jagdfeld hat sich überschätzt“

Und deshalb sucht der vorläufige Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum, der wie Jagdfeld sein Büro im rheinischen Düren unterhält, nun nach einem Investor. Dieser soll den Anlegern das Investment von 220 Millionen Euro abkaufen. Zu diesen gehört auch Jagdfeld selbst. Er ist nach eigenen Angaben mit sieben Prozent an Heiligendamm beteiligt.

Wer Jagdfeld begegnet, erlebt einen gut gekleideten, freundlichen Herrn, der mit sanfter Stimme und leuchtenden Augen seine Visionen von der Luxushotellerie vorstellt. Selbst Kerstin Kondert, Spezialistin für Fondssanierungen beim Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz, wundert sich: „Gemessen an den wirtschaftlichen Fehlentwicklungen bei den Prestigefonds Adlon und Heiligendamm, gehen erstaunlich wenig Anleger gegen Jagdfeld vor.“ Aber nicht einmal sie selbst kann in ihm „einen „skrupellosen Geschäftemacher“ erkennen. Sie vermutet, dass Jagdfeld sich schlicht überschätzt hat.

Dass der Liebhaber gehobener Literatur aber viel vom Geschäftemachen versteht, zeigen Details. Als Jagdfeld einst für die Erweiterung des Adlon bei den Anlegern mehrere Millionen Euro einsammelte, ätzte der frühere Fondsanalyst Stefan Loipfinger: „Bei diesem Preis müssen in jedem Badezimmer goldene Wasserhähne hängen.“

Der Ausbau war dann auch gar nicht so opulent. Jagdfelds Firma Bredero verzichtete auf das Edelmetall. Und damit nicht genug: Nicht nur Jagdfeld, sondern auch seine Gattin Anne Maria verdiente mit. Als Innenarchitektin übernahm sie die Einrichtung sowohl des Adlon als auch von Heiligendamm. Für den Analysten Loipfinger ist klar: „In Heiligendamm hatten die Anleger von Anfang an keine Chance, Geld zu verdienen.“

Ein anderer Coup der Jagdfeld-Familie: An Berlins Friedrichstraße eröffnete Jagdfeld 1997 das Luxuskaufhaus Quartier 206. Doch weil die Berliner um den Konsumtempel in schwarz-weißem Mosaik bald einen weiten Bogen machten, sprangen kurz darauf die Mieter ab. Als dann auch noch Jagdfelds Investoren nervös wurden, vermietete er den Prachtbau kurzerhand komplett an die AMJ-Holding. Was Insider bald bemerkten: Hinter dem Kürzel AMJ verbarg sich seine Gattin. Die heute 56-Jährige mietete nahezu die gesamte Ladenfläche an und sicherte so ihrem Ehemann die Mieteinnahmen – auch wenn sie in den ersten acht Jahren rote Zahlen schrieb. Heute ist auch Jagdfelds Sohn Nikolaus, 32, Shopbetreiber im Quartier 206. Mit den Mietzahlungen hält der Vater seither die Fundus-Investoren bei Laune.

Die Insolvenz von Heiligendamm ist aber auch für den charmanten Herrn Jagdfeld eine peinliche Niederlage. Ob sein Charme ausreicht, um einen Großinvestor anzuziehen, ist fraglich, aber nicht auszuschließen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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