
Die Marktplatz-Plattform Amazon etwa kassiert meist drei Euro für den Versand. Einen Euro behält der Portalbetreiber, zwei bekommt der Händler. Abzüglich der tatsächlichen Kosten für Verpackung und Porto bleiben so 35 bis 40 Cent je Buch. Leben kann davon nur, wer viele Hundert Bücher am Tag verkauft.
Den Portalbetreibern sind die Massenverkäufer, die ihnen reichlich Einstellgebühren bringen, willkommen. Denn Hochpreishändler verkaufen Bücher nicht selten an den Portalen vorbei, um die Umsatzprovision – bei teuren Büchern bis zu 30 Euro – zu sparen. Da das Antiquariat im Web-Angebot meist genannt wird, können Bücherfreund und Antiquar das Geschäft direkt abwickeln.
Gewinner des Internet-Zeitalters sind vor allem die Spezialisten. Dazu gehört das Ex-Zentralantiquariat der DDR in Leipzig – mit 165.000 Titeln, elf Mitarbeitern, einer Million Euro Jahresumsatz und dem größten Ladenantiquariat der Republik in Dresdens bester Touristenlage der Riese der zersplitterten Branche.
Die Hälfte des Umsatzes machen die Leipziger im Netz. Der Bestand slawischer Bücher – den weltweit kaum ein anderer bietet – sorgt für stabile Umsätze. Ein Drittel des Online-Umsatzes stammt aus dem Ausland. Gedruckte Kataloge gibt es seit sechs Jahren nicht mehr – aber es gibt immer noch Kunden, die aus den alten Heften bestellen.
Auktionshäuser machen Antiquaren Konkurrenz
Auch bei Manfred Gast, Spezialanbieter für antiquarische Medizin-Bücher in Berlin, läuft das Geschäft stabil, er erwirtschaftet inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes online. „Ich muss entscheiden, ob ich den Laden schließe, bin aber noch unschlüssig“, sagt Gast. Das teuerste via Web verkaufte Buch brachte immerhin 10.000 Euro.
Den Schritt hat der Darmstädter Anton Dorner schon hinter sich. Vor Kurzem hat er seinen Laden aufgegeben und ist nun reiner Internet-Antiquar. Das Netz erwirtschaftete zuletzt 80 Prozent vom Umsatz, die Ladeneinnahmen brachten nicht einmal mehr die Miete ein. Dorner verkauft zwischen 12 und 15 Bände am Tag – meist für 15 bis 20 Euro das Stück. Damit kommt der Händler gerade so über die Runden.
Allen hochpreisigen Antiquariaten droht aus einer weiteren Ecke Konkurrenz: von den Auktionshäusern. Bisher waren Buchauktionen unspektakuläre Vormittags-Veranstaltungen, die hauptsächlich Antiquare anlockten, die ihre Bestände auffüllen wollten. Jetzt versteigert etwa das Auktionshaus Ketterer in Hamburg Bücher auch per Abendauktion ans breite Publikum. Bieten Sammler mit, geht der Preis oft in Höhen, bei denen als Zwischenhändler bietende Antiquare nicht mithalten können. Das macht ihnen nicht nur Kunden abspenstig, wie ein Antiquar berichtet: „Wir müssen deutlich mehr herumreisen und telefonieren, um gute Bestände aufzutreiben.“













