Antonio Perez im Interview: "Unser Kurs ist lächerlich niedrig"

Antonio Perez im Interview: "Unser Kurs ist lächerlich niedrig"

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Kodak-Chef Antonio Perez

Kodak-Vorstandschef Antonio Perez über den Existenzkampf des Fotokonzerns, den dramatischen Niedergang des Papierfilms und mögliche Übernahmen.

WirtschaftsWoche: Herr Perez, bei Olympischen Spielen war Kodak jahrelang einer der Top-Sponsoren. In Peking waren Sie zum letzten Mal dabei – wegen der Unruhen in Tibet oder den Menschenrechtsverletzungen in China?

Perez: Natürlich achten wir sehr auf das Umfeld, in dem unsere Marke erscheint. Aber eine Reaktion auf die jüngsten Geschehnisse in China ist der Rückzug nicht. Die Entscheidung fiel schon vor gut einem Jahr. In der Vergangenheit hat uns die Sponsorenrolle Exklusivrechte für den Fotofilm-Verkauf während der Spiele garantiert. Mit dem Niedergang des analogen Filmge-schäfts rechnet sich das Engagement nun nicht mehr und deshalb geben wir es auf.

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Andere Großsponsoren sorgten sich um ihren guten Ruf. Kodak nicht?

Wir haben die Sensibilität im Umfeld der Spiele sehr wohl gespürt. Nicht nur, was Tibet angeht. Auch die Menschenrechtsdesaster wie etwa in Darfour bereiten uns als Weltkonzern große Sorge. Allerdings ist Kodaks Einfluss – bei allem ökonomischen Gewicht – sehr begrenzt. Trotzdem habe ich in Treffen mit dem Olympischen Komitee und auch mit Vertretern der Uno sehr auf eine politische Lösung der Probleme gedrängt. Für dieses Engagement sind wir von Menschenrechtsgruppen sehr gelobt worden.

Der dramatische Niedergang der Analogfotografie hat Kodak selbst fast das Genick gebrochen. Vier Jahre lang haben Sie Verluste geschrieben, 33.000 Mitarbeiter entlassen, Milliarden abgeschrieben, das Analoggeschäft zusammengestrichen und in den Digitalbereich investiert. 2007 schrieb Kodak erstmals wieder schwarze Zahlen. Ist das Schlimmste vorbei?

Es war wirklich eine schlimme Zeit – aber wir mussten uns neu erfinden, wenn wir nicht wie andere einstige Fotogrößen enden wollten. Und wir haben Kodak in nur vier Jahren tatsächlich komplett umgebaut. 2007 blieb erstmals wieder ein Überschuss von rund 676 Millionen Dollar – nach einem ähnlichen Verlust im Vorjahr. Heute kommen 70 Prozent der Umsätze und fast zwei Drittel des Konzerngewinns aus dem Digitalgeschäft. Aber auch die Analogsparte ist wieder im Lot; viel kleiner als früher, aber profitabel. Wir verdienen in allen Produktsegmenten wieder Geld. Und nach den Abschreibungen der vergangenen Jahre zeigt sich das nun auch in den Ergebnissen. Die Talsohle ist durchschritten, nun geht es mit aller Macht voran.

An der Börse ist Ihr Elan noch nicht so recht angekommen. Der Kurs der Kodak-Aktie…

...ist geradezu lächerlich niedrig.

"Wachsen, wachsen und nochmals wachsen"

Trotz der Rückkehr in die schwarzen Zahlen hat sich Kodaks Börsenwert binnen Jahresfrist mehr als halbiert. Warum?

Ich könnte auf die schlechte Börsenstimmung verweisen. Andererseits haben wir zwar den Umbau von Kodak gestemmt. Der zweite Teil des Kraftakts aber fehlt noch. Der kommt jetzt: wachsen, wachsen und nochmals wachsen. Wenn uns das so gelingt, wie der Umbau, wird es sich auch an der Börse zeigen. Unsere Großaktionäre jedenfalls glauben daran.

Was auch daran liegen dürfte, dass die Investoren ihre Aktienpakete nur mit großem Verlust verkaufen könnten.

Glauben Sie mir, unsere Investoren vertrauen darauf, dass unsere Strategie aufgeht. Einige haben in den vergangenen Monaten sogar noch nachgekauft.

Ende des zweiten Quartals hatten Sie gut 2,3 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Was machen Sie damit?

Wachstum kostet Geld. Wir stecken viel Geld in die Entwicklung neuer Technologien und in den Einstieg in neue Märkte. Dann wollen wir bis Ende 2009 eine Milliarde Dollar in den Rückkauf von Aktien investieren. Und natürlich halten wir die Augen offen nach Akquisezielen. In der aktuellen Finanzkrise hat derjenige die besten Chancen, der Geld und Geduld hat – wir haben beides.

Zukäufe allein werden nicht reichen. Woher sonst soll Kodaks Wachstum kommen?

Die Erlöse unseres Digitalgeschäfts sind im zweiten Quartal dieses Jahres um zehn Prozent gewachsen, im vergangenen Jahr um acht Prozent. 2008 soll es in einer Spanne zwischen sieben und zehn Prozent weitergehen. Um das Wachstum dürfte uns so manche andere Branche beneiden...

...um die Rückgänge im Analoggeschäft hingegen kaum jemand. Ihr traditionelles Geschäft schrumpfte im zweiten Quartal um weitere 14 Prozent. Wie lange soll das so weitergehen?

Die Sparte wird weiter schrumpfen, weil die Welt weiter digital wird. Aber Dank der vergangenen Radikalkur ist das Analoggeschäft wieder sehr profitabel. Da sehe ich vorerst keinen Grund, es aufzugeben.

Es wird noch Jahre dauern, bis das Digitalgeschäft den Niedergang der Analogtechnik kompensiert hat. Zugleich laufen Ihnen mit steigenden Rohmaterialpreisen die Kosten davon. Wie sehr gefährdet das den Sanierungserfolg?

Bei den Rohmaterialien stehen wir vor den größten Herausforderungen. Die Kosten für Erdöl und Plastik haben sich binnen eines Jahres verdoppelt, Aluminium ist um 75 Prozent teurer und Silber – Kodak ist einer der größten industriellen Silberverarbeiter weltweit – kostet rund ein Drittel mehr als vor zwölf Monaten. Diese Zuwächse lassen sich nicht kompensieren. Wir mussten im Juli die Preise für Fotomaterialien um bis zu 20 Prozent anheben. Aber auch das gleicht den Kostenschub nur teilweise aus. Der Druck aufs traditionelle Geschäft wird also noch zunehmen.

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