Arbeitsmarkt: Wie die spanische Kooperative Mondragon der Krise trotzt

Arbeitsmarkt: Wie die spanische Kooperative Mondragon der Krise trotzt

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Guggenheim-Museum in Bilbao: Zulieferung von MCC

Spanien meldet Rekordarbeitslosigkeit. Mit Mondragon meistert ausgerechnet eine Kooperative die Krise überraschend gut. Das Geheimnis sind flexible Arbeitnehmer.

Natalia Sevillano schläft wieder ruhig. Die schlechte Wirtschaftslage in Spanien und die Rekordarbeitslosigkeit von knapp 20 Prozent jagen der jungen Frau keine Angst mehr ein. Zwar hat sie ihren Job verloren, gleich zu Beginn der Krise 2008: Der Kantinenzulieferer Multifood, den die Betriebswirtin mit aufgebaut hatte, war 2006 durch eine Feuerkatastrophe zerstört worden und kam danach nicht wieder auf die Beine. Doch Natalias Arbeitgeber fand umgehend eine Lösung. Sie wurde innerhalb der Unternehmensgruppe neu untergebracht. Natalia arbeitet in der Mondragon Cooperative Corporacion oder kurz MCC, einer der größten Kooperativen der Welt.

Eine Kooperative – das klingt nach links-alternativem Zusammenschluss, altbacken, überkommen. Als Robert Owen 1799 in Schottland in seiner Baumwollspinnerei das Experiment begann, menschenwürdigere Bedingungen für die Arbeiter zu fördern, hatte er kaum vor Augen, wie schwierig es sein könnte, gut 200 Jahre später eine Genossenschaft durch eine Krise zu steuern. Doch MCC ist, gut 150 Jahre nachdem in Deutschland Friedrich Wilhelm Raiffeisen den Hilfsverein zur Unterstützung der Landbevölkerung gründete, einmalig.

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Paradebeispiel für Flexicurity

Anders als etwa die heutige Raiffeisen oder andere Genossenschaften in Europa ist MCC nicht vornehmlich im Kreditwesen oder in der Landwirtschaft tätig. Sie hatte ihre Hauptstandbeine von Anfang an im Industriesektor. Im Zuge mehrerer Wandlungsprozesse in den 50 Jahren ihres Bestehens hat sich die Gruppe zu einem global agierenden, sehr modernen, teilweise hochtechnologischen und forschungsintensiven Konzern gemausert.

Veränderungen, die umso schwieriger umzusetzen sind, wenn die Mitarbeiter auch Mitbestimmer sind. Teils jahrelang diskutierten die Genossen über Anpassungen. Die Meinungen von heute mehr als 30.000 Genossen der Kooperativen und ihren Delegierten prallten auf dem alljährlichen Kooperativkongress aufeinander. Es ist das höchste Beschlussorgan der Mondragon-Gruppe. Hier werden die strategischen Richtlinien für alle Kooperativen der Gruppe festgelegt. In Selbstverwaltung schafften die Genossen ein Paradebeispiel für die von Ökonomen so gelobte und von Gewerkschaften in der Regel verfluchte „Flexicurity“, eben jene Mischung aus Flexibilität und Sicherheit der Arbeitsplätze, die Unternehmen und ihren Mitarbeitern hilft, Krisen wie die jetzige heil zu durchschiffen.

Erfolg durch Forschung

Den Grundstein für MCC legte 1943 der junge Jesuitenpater José María de Arizmendiarrieta, der die damals nur rund 9000 Seelen der baskischen Gemeinde Mondragon betreute und eine Berufsschule für Ingenieure gründete, um der Dorfjugend bessere Chancen zu eröffnen. Fünf Absolventen dieser Berufsschule gründeten 1956 zusammen mit Pater Arizmendiarrieta die kleine Fabrik Ulgar, die Heizöfen und Ölherde herstellte.

 Aus Ulgar wurde später das Industriekonglomerat Fagor, Keimzelle der heutigen Mondragon-Gruppe. Fagors Küchen, Haushaltsgeräte, Industriemaschinen, Dioden und Halbleiter werden heute auch in Deutschland vertrieben. Die Kooperative URSSA war für die Konstruktion der Metallstruktur des Guggenheim-Museums in Bilbao zuständig. URSSA lieferte auch einen Teil der spektakulären Tragwerkkonstruktion des „World Trade Center Transportation Hub“ auf dem Ground Zero in New York.

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