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Arcandor: Das Geburtstags-Drama der Quelle-Erbin

von Henryk Hielscher

Das Erbe ruiniert, Milliarden Euro verspielt - Versandhauserbin Madeleine Schickedanz dürfte zu ihrem heutigen 66. Geburtstag eine bittere Bilanz ziehen. Gestern Abend folgte ein weiterer Niederschlag: Der Verkauf des insolventen Traditionshändlers Quelle ist gescheitert, das Versandhaus wird abgewickelt.

Madeleine Schickedanz
Auch das einzige Kind des Quelle-Firmengründers Gustav Schickedanz machte mehr Schlagzeilen als ihr lieb sind: Die Pleite von Arcandor hat auch Madeleine Schickedanz hart getroffen. Das einstige Milliardenvermögen ist zum Großteil verschwunden, nach eigenen Angaben lebt Schickedanz von 500 bis 600 Euro im Monat.

Wie Madeleine Schickedanz ihren 66. Geburtstag feiern wollte, ist nicht bekannt. Aber eine große Party war sicherlich nicht geplant. „Wenn mein Mann und ich ausgehen“, hatte die Erbin des Versandhauses Quelle vor einiger Zeit zu Protokoll gegeben, „was nur noch selten vorkommt, dann zum Italiener um die Ecke, essen eine Pizza, trinken ein Viertel Rotwein und ein alkoholfreies Bier. Das kostet dann keine 40 Euro.“

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Nach den Ereignissen des gestrigen Abends dürfte sich Schickedanz wohl selbst den Abstecher zum Pizzabäcker verkneifen. Gegen 21.40 Uhr gab Klaus-Hubert Görg, der Insolvenzverwalter des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor bekannt, dass alle Bemühungen gescheitert sind, einen Käufer für den Quelle-Versand zu finden. Es gebe keine Alternative zur Abwicklung, so Görg.

Zerschlagung von Primondo

Im Klartext: Das Schicksal von Quelle ist besiegelt, das Lebenswerk von Madeleines Eltern – Gustav und Grete Schickedanz – steht vor dem endgültigen Aus. Schickedanz, einst eine der reichsten Frauen des Landes, hat ihr Vermögen großteils verloren, die meisten ihrer Besitztümer sind als Sicherheiten längst an die Banken verpfändet.  Zwar wird die Milliardärin a.D. wohl dennoch keine Altersarmut plagen – doch die Bilanz zum 66. Geburtstag fällt bitter aus.

Mit ihrer Mischung aus Naivität und dem blinden Vertrauen in die falschen Berater an ihrer Seite hat Schickedanz ihr Erbe gründlich ruiniert. Wichtiger noch: Tausende Mitarbeiter müssen jetzt die Konsequenzen dafür tragen, dass Schickedanz die Manager an der Spitze des Konzerns nach Belieben schalten ließ. 

Für die 10.500 Mitarbeiter, die Quelle zuletzt bundesweit beschäftigt hatte, dürfte die gestrige Nachricht denn auch ein Schock gewesen sein. Lange Zeit hatte das Insolvenzteam um Görg den Eindruck vermittelt, dass der Verkaufsprozess gut voran gehe. Auf die Frage, ob es für Kaufinteressenten nicht einfacher wäre, Quelle zu beerdigen und die lukrativen Teile der Arcandor-Versandsparte Primondo weiter zu führen, sagte Jörg Nerlich, der für Quelle zuständige Insolvenzbeauftragte, kürzlich der WirtschaftsWoche: "An Quelle hängen der gesamte Einkauf und das wachstumsstarke Auslandsgeschäft. Eine Zerschlagung würde wirtschaftlich keinen Sinn machen." Das sahen die Kaufkandidaten letztlich wohl anders.

Quelle-Versandzentrum in Quelle: dpa
Quelle-Versandzentrum in Leipzig Quelle: dpa

Keiner der Interessenten, zu denen Finanzinvestoren wie Cerberus, TPG und Golden Gate gehört haben sollen, hatte bis gestern ein verbindliches Angebot abgegeben. Niemand wolle das defizitäre Deutschland-Geschäft übernehmen. “Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", teilte Görg mit.  Die übrigen Teile von Primondo werden nun in Einzelteilen verkauft. Dazu gehören das Auslandsgeschäft von Quelle in der Schweiz, Österreich und Osteuropa, mehrere Spezialversender wie Peter Hahn, Baby Walz und der Einkaufssender HSE24.

Das Kernproblem für das Scheitern der Quelle-Verkaufsgespräche war offenbar die fehlende Einigung über das sogenannte Factoring. Dabei geht es um die Finanzierung des Versandgeschäfts. Beim Factoring gibt Quelle die Kundenforderungen gegen Provision an die Quelle-Hausbank Valovis weiter, die die offenen Beträge im Gegenzug vorfinanziert. Doch seit der Insolvenzanmeldung im Juni konnte das Factoring zweimal nur unter Mühen verlängert werden. Die Vereinbarung läuft zum Jahresende aus, eine Verlängerung war gescheitert.

Noch vor dem Wochenende hatte der Insolvenzbeauftragte Nerlich Zuversicht gezeigt, den Verkauf von Quelle bis Ende Oktober unter Dach und Fach zu bekommen, so dass der neue Eigentümer die Bestellungen für die Saison Frühjahr/Sommer 2010 rechtzeitig in die Wege leiten hätte können.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.10.2009, 13:52 UhrAnonymer Benutzer: gerd

    ich würde frau quelle gerne mal saugen

  • 22.10.2009, 10:11 UhrAnonymer Benutzer: @@Steigenberger 21:55 Uhr

    Da kann man eigentlich nicht viel hinzufügen.

    Gerade der Punkt 7 - wird fast nie erwähnt - aber ich sehe das ähnlich. Wer den Mund in solchen Unternehmen aufmacht, wird bestraft - und die die Klappe halten werden belohnt. Am Ende sind dann noch die Leute im Unternehmen, die gar nix mitkriegen von ihrer Umwelt. "Oh, das haben wir nicht gewußt, das kam plötzlich und vollkommen überraschend".

    Die Leute die es mitbekommen haben und den Mund aufgemacht haben, sind sicherlich schon Jahre vorher geflohen, noch bevor die Firma komplett ausgehölt wurde, um die bilanzen zu schönen.

    Deswegen, den Leuten die den Mund aufmachen, steht auch niemand bei, deswegen ist es in gewisserweise nicht verständlich, warum man diese Firmen von staatlicher Seite stützen sollte.

    Die guten Leute sitzen alle bei den Wettbewerbern, dann kommt Horst mit dem großen beutel, den er u.a. auch bei den Wettbewerbern geschneidert hat und macht einen auf Retter in der Not, um Wahlkampfstimmen zu kaufen.

    Dieses Kartell der staatlichen und industriellen Versager ist schon latent unerträglich.

    Und dann macht Helfen und Soziale Marktwirtschaft auch keinen Spass mehr. Schade eigentlich.

  • 21.10.2009, 23:55 UhrAnonymer Benutzer: @Steigenberger

    So ist es! Und weiter:
    1. Dass Middelhoff noch frei rum läuft ist ein Skandal!
    2. Dass Madeleine Schickedanz als Unternehmerin seit Geburt absolut unfähig war, macht ihr penetrantes Armutsgeblubber in der Öffentlichkeit unerträglich. bei so einer Unfähigkeit ist so macher Arbeitnehmer zum nächstmöglichen Termin entlassen worden, wenn nicht gar fristlos!
    3. Madeleine Schickedanz 'Armut' unterscheidet sich von der Armut vieler Hartz-iV-/Sozialhilfeempfänger, die bei vierzig-Euro-Abendessen beim italiener für zwei Personen maximal 17 mal im Monat/Person zu Pepe gehen könnten. in Wirklichkeit können sie nicht ein einziges Mal gehen, weil der monatliche Gesamtbetrag das gar nicht hergiebt!
    4. Madeleine schickedanz soll ab morgen bei ihren ehemaligen Mitbewerbern arbeiten gehen, und von ihrem 'Gehalt' den Sozialhilfesatz behalten und alles weitere abgeben, damit ggf. die notleidendensten ihrer ehemaligen Mitarbeiter Unterstützung erhalten!
    5. Karstadt & Co., Opel & Co. sind sofort ohne WENN und AbER zu beerdigen!
    6. Die Absichten von Cordes (Metro) sind unlauter. ich war gestern zum wiederholten Male bei Metro, ohne etwas zu kaufen. Wer da als Gewerbetreibender diese überzogenen Preise zahlt, muss doch was an der Waffel haben. Und der Kaufhof-Verkauf soll ja nur mit ein paar Filetstückchen von Karstadt für den Käufer garniert werden, dass der dann Kaufhof Metro williger vom Hals schafft!
    7. Die armen Mitarbeiter/innen. Jahrzehntelang haben die alle nicht ihr Maul aufgemacht und ihren Unternehmern/Managern wie willfährige Sklaven gedient. Da kann man nur sagen: mitgefangen - mitgehangen. Jetzt tönt der Gefangenenchor unisono: Wir müssen aber gerettet werden! Was der einzelne nun dazu beitragen will, dazu kein Wort!
    Aus verschiedenen Gründen begrüsse ich das endgültige Aus für den Saftladen Quelle & Co. Haut schnellstens ein Ei auch über Opel und Karstadt. Es ist besser für uns alle!

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