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Arcandor: Das gefährliche Spiel des Dr. Eick

von Henryk Hielscher

Der Chef des taumelnden Handelskonzerns Arcandor lehnt einen Zusammenschluss seiner Warenhaustochter Karstadt mit dem Erzrivalen Kaufhof ab – und riskiert damit das Überleben des gesamten Konzerns.

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Quelle: AP
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick Quelle: AP

Eigentlich gilt Karl-Gerhard Eick, Chef des Essener Handelskonzerns Arcandor, als besonnener Charakter. Wahlweise wird er als „eiserner Rechner“ oder „sparsamer Schwabe“ tituliert. Doch Eick kann auch anders. Beim Skifahren etwa erarbeitete er sich den Ruf, eine wahre Pistensau zu sein – ein Etikett, um das er sich derzeit – so scheint es jedenfalls – auch in politischer Mission bemüht.

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Eick kämpft in Berlin um Staatshilfe für seinen klammen Konzern, zu dem Unternehmen wie die Warenhausgruppe Karstadt, die Versandsparte Primondo (Quelle) und der Reisekonzern ThomasCook gehören. Dabei geht es nicht um Kleingeld. Bürgschaften über 650 Millionen Euro will Eick dem Bund abtrotzen, um damit bei seinen Banken Kredite in gleicher Höhe zu verlängern, die am 12. Juni fällig werden.

Doch statt reumütig auf Betteltour zu gehen, hat Eick auf Powerplay umgeschaltet – und den Düsseldorfer Handelskonzern Metro düpiert. Denn Metro-Chef Eckhard Cordes hatte jüngst eine Liaison zwischen der Metro-Tochter Kaufhof und Karstadt ins Spiel gebracht. Der Vorteil: Statt den Staat und damit den Steuerzahler für ein marodes Unternehmen in Haftung zu nehmen, geht die Wirtschaft ins Risiko - ordnungspolitisch sicherlich die bessere Variante. Zwar ist die Idee einer Deutschen Warenhaus AG nicht neu – und es gibt reichlich offene Fragen – doch zumindest diskussionswürdig ist der Ansatz.

Eick scheint das jedoch ein wenig anders zu sehen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Arcandor-Chef: „Zum jetzigen Zeitpunkt lehne ich einen Zusammenschluss ab.“ Der Vorschlag von Metro, so Eick, „scheint mir derzeit eher ein taktisches Manöver und Störfeuer auf der politischen Bühne zu sein.“  Das mag zum Teil sogar stimmen. In der Politik dürfte der Gesprächsboykott dennoch alles andere als gut ankommen, zumal die Staatshilfen für Arcandor ohnehin umstritten sind.

Metro wirbt weiter

So hat sich Unions-Fraktionschef Volker Kauder gegen staatliche Hilfen ausgesprochen. „Die Bundesregierung kann und wird nicht jedem Unternehmen Bürgschaften oder Kredite gewähren“, sagte er. Er könne bei Arcandor - ebenso wie im Fall Porsche - nicht erkennen, dass die Unternehmen allein durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten steckten, sagte Kauder. „Beide Unternehmen können sich nach meiner Ansicht deshalb keine Hoffnung auf Staatshilfen machen.“ Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zeigt sich skeptisch. Der Wunsch von Arcandor nach Staatshilfe sei „keine Aktion, die mit leichter Hand innerhalb von zwei Tagen zu bewältigen wäre.“

Zuvor hatte CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs bereits gesagt: Arcandor sei „ein Fall von Missmanagement und kein Notfallkandidat“ für den Wirtschaftsfonds Deutschland. Auch SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider sieht „keinen Grund“, warum der Staat Arcandor helfen solle. „Wenn ein Unternehmen die Kriterien nicht erfüllt, darf es kein Staatsgeld geben“, sagte Schneider.

Sollte sich die Ansicht in der Politik durchsetzen, wird es für Eick schwer werden.

Metro erhöht unterdessen den Druck: In den kommenden Tagen sei Vorstandschef Cordes „auf politischer Ebene unterwegs“, heißt es im Konzern. Cordes soll sein Konzept gestern bereits dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers erleutert haben. Nach Presseberichten wird Cordes heute im Wirtschaftsministerium für die Warenhaus-Idee werben.

74 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.06.2009, 03:35 UhrAnonymer Benutzer: Stuck in the middle

    KARSTADT hat nach meiner Wahrnehmung - und das seit mindestens 10 Jahren - weder eine klare Strategie für die Zukunft noch ein funktionierenes Geschäftsmodell, konzentriert sich weder auf bestimmte Zielgruppen noch Produktbereiche, hat das internet-Zeitalter ebenso verschlafen wie die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Deutschen, und setzt zu allem Übel jetzt auch noch den Staat - also uns alle - unter Druck. Einkaufen im universalen Kaufhaus, das war mal in den 70ern, als meine Oma noch vom Aufschwung träumte. Ein Unternehmen, das sich dem Srukturwandel hartnäckig widersetzt, muss auch pleite gehen dürfen. Leute, wo leben wir eigentlich?

  • 03.06.2009, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: I. Köppe

    Opel mit gerade mal 1/5 der Arbeitsplätze gegenüber Karstadt wird gerettet, dann auch Karstadt, oder sind die hauptsächlich weiblichen Mitarbeiter von Karstadt es dem Staat nicht wert? Auf einen Schlag über 50.000 Arbeitslose mehr auf dem Markt, kann Deutschland sich
    das einfach so erlauben?

  • 02.06.2009, 16:20 UhrAnonymer Benutzer: Karl K.

    Es ist schon interessant, wie Arcandor nun zum Sympathieträger stilisiert werden soll. Meine ganz persönlichen Erfahrungen in Karstadt-Warenhäusern sehen da anders aus und lassen sich unter dem Stichwort "Störfaktor Kunde" eigentlich ganz gut zusammenfassen. Das mögen Einzelfälle gewesen sein.

    Was mich aber regelrecht ärgert ist die unglaubliche Dreistigkeit, mit der ein Herr Eick da unsere Steuergeler einfordert. Hallo, Karstadt, KarstadtQuelle, Arcandor, oder wie immer der Laden demnächst heißen wird, ist seit vielen Jahren auf dem absteigenden Ast und hat nun endgültig abgewirtschaftet. Unternehmen können Pleite gehen. Punkt. Sie können es nicht nur, sie müssen aus auch dürfen. Sonst kommen wir zu der absurden Situation, dass ein Metro-Mitarbeiter, mit seinen Steuern, seine eigene Konurrenz als Staats-Zombie am Leben erhält. Aber Absurditäten kennt man hierzulande ja mittlerweile reichlich.

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