Arcandor-Gläubigerversammlung: Der Rasenmäher-Mann und die Arcandor-Gläubiger

Arcandor-Gläubigerversammlung: Der Rasenmäher-Mann und die Arcandor-Gläubiger

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Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in der Essener Grugahalle

von Henryk Hielscher

Ein "Garant für Spitzen-Entertainment" sei die Grugahalle, heißt es auf der Homepage des Essener Veranstaltungsorts. Die Rolling Stones und die Beatles sind hier schon aufgetreten, am kommenden Samstag spielt Udo Jürgens auf. Doch diese Woche gibt Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den Ton an. Die Gläubigerversammlung von Arcandor, hat begonnen.

Das vermeintliche Spektakel lässt sich beschaulich an: Die Stuhlreihen in der Essener Grugahalle bleiben so gut wie leer. 8000 Leute passen in die Halle, nur knapp 100 dürften sich heute in den Saal verirrt haben. Sie sind gekommen um sich über die Details einer der größten Unternehmensinsolvenzen der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu informieren und ihre Ansprüche durchzusetzen - die Pleite des Essener Handelskonzerns Arcandor mit Tochterunternehmen wie Karstadt und Quelle.

Vorn auf der Bühne, thront der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und hebt mit stockender Stimme an, den Gläubigern die Historie des Konzerns auszubreiten. Interessieren dürfte das die wenigsten. Denn wichtig ist für die Vertreter von Banken, Lieferanten, Arbeitnehmervertreter und Vermietern vor allem die Frage, wie es weiter geht mit dem Handelskonglomerat. Und auch die Journalisten, die oben von einem verglasten Kabuff aus die Szenerie beobachten müssen, warten erst einmal vergebens auf News.

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Betriebsrat nennt ihn nur den "IV"

Görg lässt sich nicht beirren. Nur ein zäher Husten schafft es, den Mann bisweilen aus seinem einstündigen Vortrag zu tragen. Zu viel Routine hat der 68-jährige Rechtsanwalt, als dass er sich von Gläubigern oder der geballten Pressepräsenz einschüchtern ließe.

Und dennoch merkt man ihm an, dass es ihm nicht allzu viel Spaß bereitet, vorn auf der Bühne zu sitzen, und im Vorfeld das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen zu lassen. Das war schon im Juni so, bei seinem ersten Auftritt als vorläufiger Arcandor-Insolvenzverwalter.

Als er damals gefragt wurde, ob der Handelskonzern als Ganzes zu erhalten sei, antwortete er. Das wisse er noch nicht, aber in einem solchen Falle zöge er sich auch gern aus dem Verfahren zurück: Dann werde er eben zu Hause "Rasen mähen", so Görg. Er blieb. Die Bemühungen, den Konzern als Ganzes zu erhalten, scheiterten. Und nun kommt es vielen Mitarbeitern im Konzern so vor, als würde Görg statt des heimischen Rasens den Konzern stutzten.

Manch Betriebsrat nennt ihn nur den "IV". Es klingt wie eine ansteckende Krankheit. Dabei gilt Görg persönlich als Gentlemen alter Schule, eine graue Eminenz seiner Zunft. Juve, ein juristisches Fachmagazin beschreibt ihn als "effektiv, aber bescheiden", ein "Mann der leisen Töne" Einige Mitglieder seines Sanierungsteams werden von den Mitarbeitern indes umso ruppiger wahrgenommen.

Rasenmähermann mit "Grey-hair-Effekt"

Besonders richtet sich die Kritik gegen den Berliner Unternehmensberater Thomas Fox. Er gehört dem Team von Görg an und war bereits in den drei Monaten der vorläufigen Insolvenz als "Chief Restructuring Officer" für Karstadt zuständig. Auf einer benannte er die drei Wege, in die sich insolvente Gesellschaften allgemein entwickeln mit drastischen Worten: "Sie werden entweder adoptiert, geheiratet oder vergewaltigt." Worauf es bei den Arcandor-Gesellschaften hinausläuft, wird sich in den kommenden Tagen auch in der Grugahalle abzeichnen.

Görg wird den Gläubigern erläutern, wie es um die notleidenden Firmen bestellt ist und welche weiteren Schritte aus seiner Sicht zu empfehlen sind. Heute etwa geht es um die Konzernholding, morgen um Karstadt und am Mittwoch um das Versandhaus Quelle.

Das Görg für die drei Großverfahren zuständig ist, erklärt sich die Branche mit dem "Grey-hair-Effekt", wie "Juve" schreibt. Kurz: Der Mann hat Erfahrung.

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