Arcandor-Insolvenz: Arcandor-Chefsanierer: Rücktritt wegen Sal. Oppenheim

Arcandor-Insolvenz: Arcandor-Chefsanierer: Rücktritt wegen Sal. Oppenheim

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Horst Piepenburg hat sein Amt als Generalbevollmächtigter bei Arcandor niedergelegt

Es ist ein strategischer Rückzug: Aus Protest gegen das Verhalten des Großaktionärs Sal. Oppenheim gibt Horst Piepenburg, oberster Sanierer des insolventen Arcandor-Konzerns, sein Amt als Generalbevollmächtigter auf. Doch Piepenburg bleibt im Spiel.

Horst Piepenburg gilt als Mann, der selbst in schwierigen Situationen Contenance bewahrt. Der Insolvenzexperte konnte selbst vermeintliche Pleitefällen wie SinnLeffers und Babcock Borsig wieder in die Spur bringen. Auch beim Essener Handels- und Touristikkonzern Arcandor sollte er als Generalbevollmächtigter des Vorstands retten was zu retten ist. Bis gestern Abend. Piepenburg legte sein Amt nieder - aus Protest gegen den Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim. Die Privatbank hält knapp 25 Prozent an Arcandor.

"Die Unterstützung des Großaktionärs Sal. Oppenheim gibt es heute positiv nicht. Deshalb hat die Eigenverwaltung keine Grundlage", erklärte Piepenburg. Ohne sie sei die geplante Insolvenz in Eigenverwaltung nicht möglich, für die Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick Piepenburg noch vor dem Beginn des Verfahrens ins Haus geholt hatte.

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Piepenburg hatte Unternehmenskreisen zufolge gehofft, dass die Bankiers für die Sanierung das Geld zur Verfügung stellen würden, dass sie noch vor wenigen Wochen beim Gerangel um Staatshilfen in Aussicht gestellt hatten. Dem Vernehmen nach ging es um einen Betrag von 100 Millionen Euro. In den vergangenen Tagen wollten die Banker von ihrer damaligen Zusage allerdings nichts mehr wissen, heißt es im Unternehmensumfeld. Piepenburg zog die Konsequenz.

Insolvenz in Eigenverantwortung vom Tisch

Damit dürfte die ursprünglich geplante Insolvenz in Eigenverwaltung vom Tisch sein. Dabei handelt es sich um eine Variante des Insolvenzverfahrens, bei der das Gericht auf die Einsetzung eines Insolvenzverwalters verzichtet und statt dessen, zur Überwachung des Schuldners, eine Art Sachwalter einsetzt. Denn das Insolvenzgericht genehmigt eine Eigenverwaltung in der Regel nur dann, wenn es dem Eigenverwalter - meist einem erfahrenen Insolvenzexperten - die Rettung des Unternehmens zutraut. Ohne Piepenburg sind die Chancen dafür gering. Nun dürfte ein reguläres Insolvenzplanverfahren angestrebt werden.

Piepenburg sagte bereits dem vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg seine Unterstützung zu. Er wolle als Berater weitermachen. In Kreisen des Insolvenzverwalters hieß es, Piepenburg werde auf jeden Fall bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens an Bord bleiben, die für Anfang September geplant ist. Görg erklärte, am Ablauf des Verfahrens ändere sich nichts. "Wir erhalten uns sämtliche Optionen, die Unternehmen der Arcandor-Gruppe zu sanieren - auch die Möglichkeit von Insolvenzplanverfahren werden wir im Auge behalten." Vorstandschef Eick sagte zu, sich bis Mitte August an der Erarbeitung des Sanierungskonzepts und an der Investorensuche zu beteiligen. 

Für Sal. Oppenheim brechen indes stürmische Zeiten an. Die Bank steht schon seit Wochen in den Schlagzeilen, was bei ihrer ebenso betuchten wie um Diskretion bemühten Kundschaft kaum auf Begeisterung stoßen dürfte. Durch die Aussagen Piepenburgs können sich die Bankiers nun getrost düpiert fühlen. Fraglich ist vor allem wie Friedrich Carl Janssen, Arcandor- Aufsichtsratsvorsitzender und persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim, mit dem Misstrauensvotum umgeht.

Die Bank wies derweil die Vorwürfe als "nicht nachvollziehbar" zurück. Die Gesellschafter des Bankhauses, die über eine unabhängige Industrieholding 24,9% der Anteile an Arcandor halten, seien "selbstverständlich an einer tragfähigen Lösung zur Sanierung des Unternehmens interessiert", hieß es in Erklärung von Sal. Oppenheim. Bis dato würde allerdings kein Konzept vorliegen.

Arcandor ist ohnehin nicht die einzige Baustelle, mit der sich das Institut derzeit auseinander setzen muss. Das Geschäft mit Zertifikaten ist eingebrochen, der Verkauf der Tochter BHF-Bank wurde an- und wieder abgesagt und unlängst senkte die Ratingagentur Fitch Oppenheims Bonitätsnote. Selbst der Bankenrettungsfonds Soffin und die Bundesregierung sollen sich bereits mit den Problemen der Privatbank befasst haben.

Zudem wird Bankvorsteher Matthias Graf von Krockow auch noch vor Gericht zitiert - ausgerechnet von einem anderen Insolvenzexperten. Vor dem Landgericht Hamburg verklagt der Essener Wirtschaftsanwalt Bernd Depping Sal. Oppenheim und eine Bankengruppe um die HSH Nordbank wegen „vorsätzlich sittenwidriger Schädigung" auf Schadensersatz in Höhe von 423,7 Millionen Euro. Zudem will er weitere Forderungen über rund 200 Millionen Euro geltend machen, heißt es im Umfeld der Beteiligten. Mit Rücksicht auf das laufende Verfahren wollten sich weder Sal. Oppenheim noch die HSH Nordbank zu dem Sachverhalt äußern (siehe auch Sal. Oppenheims Geheimprojekt "Odessa").

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