Arcandor-Insolvenz: Das Milliarden-Desaster von Quelle-Erbin Schickedanz

Arcandor-Insolvenz: Das Milliarden-Desaster von Quelle-Erbin Schickedanz

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Madeleine Schickedanz, Tochter des Quelle-Firmengründers

Abschreibungsbedarf bei Arcandor: Das Team des vorläufigen Insolvenzverwalters von Karstadt und Quelle macht klar, dass die Aktionäre im Pleiteverfahren kaum Geld sehen werden. Für den Konkurrenten Metro sinken derweil die Chancen auf eine rasche Übernahme von Karstadt-Häusern.

Wenn es um die finanzielle Zukunft seiner Tochter Madeleine ging, war Gustav Schickedanz stets skeptisch. Ende der Fünfzigerjahre soll sich der Gründer des Versandhauses Quelle bei einem Mitarbeiter beklagt haben, dass seine Tochter "kein richtiges Verhältnis zum Geld" habe. "Wenn Sie Madeleine mit zehn D-Mark zum Bäcker schicken, um ein paar Brötchen zu holen, und der sagt ,Stimmt so‘, glaubt sie ihm das und verlangt kein Wechselgeld zurück." Die Anekdote erzählte ein Freund der Familie vor Jahren dem "Handelsblatt".Der Wirtschaftswunder-Unternehmer sollte Recht behalten. Madeleine Schickedanz vertraute den falschen Leuten – und hat so ihr Milliarden-Erbe verzockt.  Der Essener Handelskonzern Arcandor, bei dem Schickedanz Großaktionärin ist, hat Insolvenz angemeldet und Aktionäre gelten im Insolvenzrecht stets als nachrangige Gläubiger. Das heißt: Sie bekommen nur dann etwas, wenn bei der Verwertung der Konzerntöchter – also von Karstadt, Quelle und Thomas Cook - 100 Prozent der Gläubigerforderungen bezahlt würden und darüber hinaus Eigenkapital übrig bliebe.

Das jedoch ist bei der derzeitigen Finanzsituation des Unternehmens in etwa so sicher wie Vollbeschäftigung in Deutschland. Kurz: Für die Arcandor-Großaktionäre Schickedanz und die Privatbank Sal. Oppenheim wird am Ende wohl nichts übrig bleiben. Das gleiche Schicksal trifft  auch Tausende Kleinaktionäre. Immerhin waren zuletzt gut 51 Prozent der Arcandor-Anteile in Streubesitz.

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Metro muss sich gedulden

Obwohl das Totalverlust-Szenario in der Branche und bei den Beteiligten längst bekannt war, reagierten Anleger panisch. Die Arcandor-Aktie sackte bis 15 Uhr um rund 20 Prozent auf 0,25 Euro. Wertpapieranalysten dampften ihre Kursziele sogar auf symbolische 0,01 Euro ein.

Schon jetzt ist klar, dass das einstige Milliardenvermögen der Quelle-Erbin nahezu atomisiert wurde. „Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat“, sagte Schickedanz jüngst in einem Interview: „Wenn die Rettung von Arcandor scheitert und die Banken die Kredite fällig stellen, verliere ich alles - Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen. Ich bekäme mit meinen 65 Jahren noch nicht einmal Rente.“

Derweil gerät ein weitaus wichtigerer Aspekt fast in den Hintergrund: „Wir halten Karstadt für eine Gesellschaft, die alleine überlebensfähig ist“, sagte Insolvenzanwalt Rolf Weidmann, Partner der mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung beauftragten Kanzlei Görg, dem „Handelsblatt“. Zwar ist auch diese Aussage an sich nichts Neues, doch wenige Tage vor Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens wird deutlich, dass die geplante schnelle Übernahme von zahlreichen Karstadt-Häusern durch den Metro-Konzern so nicht stattfinden wird. Ein Teilverkauf werde es vorerst nicht geben, betonte Weidmann.

Um das Unternehmen für Käufer interessant zu machen, wolle man bei Karstadt in Eigenregie bis 2010 erst einen positiven Cash-flow im "hohen zweistelligen Millionenbereich erzielen". Im Klartext: Karstadt soll offenbar noch mindestens ein Jahr unter der Obhut des Verwalters stehen und per Planverfahren saniert werden, bevor überhaupt ein Käufer gesucht wird. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Handelsexperten werten die jüngsten Aussagen denn auch als "Verhandlungstaktik", um den Preis zu treiben. Momentan gehe es bei Arcandor zu wie auf "einem orientalischen Basar", heißt es in der Branche.

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