Arcandor-Insolvenz : Die drei Zukunfts-Szenarien für Karstadt

Arcandor-Insolvenz : Die drei Zukunfts-Szenarien für Karstadt

von Henryk Hielscher

Der deutsch-skandinavische Finanzinvestor Triton hat sich als einziger Bieter für Karstadt gemeldet und will die 120 Warenhäusern weiterführen. Drei Szenarien, wie es mit Karstadt weitergehen könnte.

Szenario 1: Einstieg eines Finanzinvestors

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Außenfassade eines Karstadt-Kaufhauses mit heruntergelassenen Jalousien

Rund 30 Kandidaten hatten anfangs Interesse an Karstadt angemeldet. Nach und nach reduzierte sich die Zahl auf sechs „namhafte Interessenten“, wie es offiziell heißt. Deren Wirtschaftsprüfer und Anwälte durchkämmten seit dem 15. Februar in einem eigens eingerichteten Online-Datenraum die Karstadt-Zahlen, besichtigten einzelne Filialen und sprachen mit dem Management. Zur Tarnung wurde jedem Investor ein Städtenamen zugeordnet. Auf Boston, Amsterdam, Paris, Seoul, Toronto und Budapest ruhen nun die Hoffnungen in Essen. Seit Wochen spekuliert die Branche, wer sich hinter den Decknamen verbirgt. Klar ist: Ein Handelskonzern ist nicht dabei.

Stattdessen machen Namen von Finanzinvestoren wie der US-Beteiligungsgesellschaft Apollo, Blackstone, Permira, Sun Capital und Texas Pacific Group  die Runde. Zudem hätte sich die britische Investorengruppe Pamplona, hinter der die russische Alfa Group steht, informiert, heißt es in Finanzkreisen. Doch wer hat den Mut und die Finanzkraft, das marode Warenhausunternehmen zu übernehmen?

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Ob bis heute 17 Uhr tatsächlich ein Angebot bei Insolvenzverwalter Görg eingeht ist immer noch fraglich. Ein Investor, der am Verfahren indirekt beteiligt war, bezeichnete Görgs Einschnitte im Rahmen des Insolvenzverfahrens als "zu zaghaft". Statt das Verfahren zu nutzen, um den Verwaltungsapparat zu schleifen und sich von allen unrentablen Häusern zu trennen, hätte Görg „bestenfalls Stückwerk“ betrieben. Wie schon beim Schwesterunternehmen Quelle, das nicht verkauft werden konnte, hätte Görg die Chance vertan, zuerst mit möglichen Kaufkandidaten zu sprechen und dann das Unternehmen passgenau zurechtzuschneiden, sagt der Investor.

Stattdessen gelte durch den Insolvenzplan ein Friss-oder-stirb-Prinzip. Investoren können nicht für einzelne Karstadt-Häuser bieten, sondern nur alle 120 Filialen im Block kaufen und müssen diese mindestens bis Herbst 2011 betreiben. Daran sind die Zugeständnisse der Gläubiger geknüpft. Die Begeisterung über Görgs Vorgaben hält sich bei möglichen Kaufinteressenten daher in Grenzen. Maximal ein Angebot erwarten Branchenkenner - wenn es gut läuft.

Szenario 2: Notverkauf an Goldman Sachs

Findet sich kein Interessent, könnte auch die US-Investmentbank Goldman Sachs, womöglich gemeinsam mit einem Co-Investor, als Käufer einspringen - wenn auch nur notgedrungen. Denn Goldman hat massives Interesse daran, dass Karstadt überlebt. Ein Großteil der 120 Kaufhaus-Immobilien gehören dem Konsortium Highstreet, einer Beteiligung von Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Highstreet wiederum soll die Immobilien wiederum auf Fonds weiterverteilt haben. Im Zerschlagungsfall würden deren Investoren erhebliche Mieteinnahmen wegbrechen, was angesichts der aktuellen Lage auf dem Gewerbeimmobilienmarkt und dem aktuellen Vertrauensschwund in der Kundenschar weitere Turbulenzen nach sich ziehen könnte.

Ironie der Geschichte: Mit einem Einstieg von Goldman Sachs kämen die Immobilien und der Kaufhausbetrieb von Karstadt wieder in eine Hand. Der damalige Chef der Karstadt-Mutter Arcandor, Thomas Middelhoff, hatte die Häuser 2006 für 3,7 Milliarden Euro an Highstreet verkauft. Die hohen Mieten, die er dabei vereinbart hatte, gelten als eine Ursache der Pleite von Karstadt und als eine der größten Hürden für eine Übernahme.

Für Goldman wäre der Karstadt-Deal indes nur eine Zwischenlösung, die vor allem dazu dient, den Druck aus dem Verfahren zu nehmen. Goldman würde Zeit gewinnen, etwa um nach und nach Vermietungs-Alternativen einzelner Häuser auszuloten und im Hintergrund den Verkauf des Karstadt-Kerns an einen neuen Investor vorantreiben. Womöglich könnte es aber auch in diesem Fall zu einer Zusammenlegung mit dem Konkurrenten Kaufhof kommen. Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef der Bank, war immerhin Trauzeuge von Eckhard Cordes, dem Vorstandsvorsitzenden des Kaufhof-Mutterkonzerns Metro.

Szenario 3: Die Zerschlagung

Sollte sich letztlich auch Goldman nicht zum Notverkauf entschließen - und zuvor kein Investoren-Angebot eingehen - ist das Insolvenzplanverfahren gescheitert und Karstadt droht das Schicksal des Schwester-Unternehmens Quelle: Die Zerschlagung und Abwicklung. Investoren würden sich dann vor allem die rund 40 Standorte herauspicken, die gut zu den Filialen des Rivalen Kaufhof passen würden, der gleichfalls verkauft werden soll. Im zweiten Schritt oder auch parallel dazu könnte ein Finanzinvestor wie Apollo, Permira oder Blackstone dann Kaufhof übernehmen. Die Zustimmung des Bundeskartellamtes vorausgesetzt, hätte der Investor weitgehend freie Hand, um Kaufhof und den Karstadt-Kern zu einer Warenhaus AG zu verschmelzen. Für die Karstadt-Sports-Geschäfte gilt SportScheck als Kaufkandidat, ein Ableger des Otto-Konzerns. Zudem könnten Unternehmen wie ECE oder der Betreiber mfi einzelne Häuser zu Shoppingcentern umrüsten.

Ein Großteil der 120 Karstadt-Filialen müsste jedoch schließen. Für die Beschäftigten – vor allem die 1800 Mitarbeiter in der Hauptverwaltung in Essen – für viele Lieferanten und die Vermieter wäre die Zerschlagung daher ein düsteres Szenario. „In der Öffentlichkeit entsteht oft der Eindruck, ein Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG wäre etwas Großartiges“, hatte Rolf Weidmann, Görgs Insolvenzbeauftragter für Karstadt, im Dezember der WirtschaftsWoche gesagt. „Für die Mitarbeiter bestimmt nicht. Die Deutsche Warenhaus AG würde 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze bei beiden Unternehmen kosten.“

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