Arcandor-Insolvenz: "Ich bin nicht gierig, aber auch nicht blöd"

Arcandor-Insolvenz: "Ich bin nicht gierig, aber auch nicht blöd"

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Ganz in Schwarz: Arcandor-Chef, Karl-Gerhard Eick, auf den Weg zur Pressekonferenz

In einem halben Jahr hat Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick 15 Millionen Euro verdient. Bei seinem letzten Auftritt als Vorstandschef wehrt sich der Manager gegen Abzockervorwürfe und rechnet mit der Konkurrenz ab. Die Arcandor-Mitarbeiter sollen mit einer Stiftung befriedet werden.

Karl-Gerhard Eick bahnt sich seinen Weg durch das Maritim Hotel am Düsseldorfer Flughafen. Ein Tross Journalisten folgt dem Mann, der sich heute ganz in Schwarz gewandet hat. Ein Symbol – Schwarz passt zur Lage seines Konzerns. Am Nachmittag, nur wenige Stunden nach dem Termin in Düsseldorf, eröffnete das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren über den Handelskonzern Arcandor.

Nach nur sechs Monaten als Arcandor-Vorstandschef verlässt Eick das Unternehmen. Was bleibt? Die Erkenntnis, dass er das Himmelfahrtskommando noch einmal übernehmen würde, ein tiefer Groll auf den Chef des Konkurrenten Metro - und eine Millionenabfindung.

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"Ich verstehe den Ärger"

Nur kurz hält Eick auf seinem Weg durchs Hotel inne. Vor dem Konferenztrakt steht ein Klavier. Seit er sechs Jahre alt ist, spielt Eick – am liebsten wohl Stücke von Johann Sebastian Bach. Vielleicht hat er jetzt wieder mehr Zeit für sein Hobby. Im vergangenen halben Jahr jedenfalls dürfte er aus der Übung gekommen sein. Sein täglicher Rhythmus: Vier Stunden Schlaf, Dutzende Gespräche, ein Thema: Die Rettung von Arcandor.

Eicks Vorgänger hatten das Handelshaus mit strategischen Fehlentscheidungen und Klüngelwirtschaft längst ruiniert, als Eick am 1. März 2009 antritt, um zu retten, was zu retten ist. Ausgestattet mit einem Fünf-Jahres-Vertrag stürzt sich der frühere Telekom-Finanzvorstand in seine Mission. 650 Millionen Euro Staatsbürgschaften will er für Arcandor auftreiben. "Es gibt keine Alternative", sagt Eick damals. Andernfalls würden die Banken ihre Kredite nicht verlängern.  

Anfangs scheint seine Strategie aufzugehen. Er räumt Fehler seiner Vorgänger ein, begründet die Schieflage aber vor allem mit der Finanzkrise und der damit verbundenen Kreditklemme bei den Banken. Auch einen Sanierungsplan hat Eick parat: Zwölf Warenhäuser, darunter das KaDeWe in Berlin, will er in eine Verwertungsgesellschaft abschieben und binnen drei Jahren verkaufen oder zu Shoppingcentern umrüsten. Noch größere Sparmöglichkeiten sieht Eick in einer Bündelung des Einkaufs von Warenhaus- und Versandsparte.

"Das nehme ich Cordes auch persönlich übel"

Womöglich wäre Eick mit seiner Krisenlegende und dem Sanierungsansatz im Wahljahr durchgekommen, hätte nicht Eckhard Cordes interveniert, der Chef des Konkurrenten Metro. In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erklärt Cordes seine Bereitschaft zu Gesprächen "über eine privatwirtschaftliche Lösung", die auch "einen möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof beinhaltet". Kurz: Würden Karstadt und die Metro-Tochter Kaufhof fusionieren, wäre Staatshilfe nicht mehr notwendig.

Cordes’ Strategie verfängt. Arcandor bekommt keine Staatshilfe und muss Insolvenz anmelden. Die Intervention hat Eick dem Metro-Chef nicht verziehen. "Ich fand das Verhalten von Herrn Cordes nicht korrekt“, sagt Eick. „Es war klar, welche Auswirkungen das hat. Wenn die Politik hört, dass es eine privatwirtschaftliche Lösung gibt, muss sie den Griffel fallen lassen. Aber eine solche Lösung gab es nicht für Karstadt. Denn Metro war nicht bereit, Schulden zu übernehmen. Das nehme ich Cordes auch persönlich übel."

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