Arcandor-Insolvenz: Quelle soll nicht an Heuschrecken-Investor verkauft werden

Arcandor-Insolvenz: Quelle soll nicht an Heuschrecken-Investor verkauft werden

Der Insolvenzbeauftragte für Arcandors Versandhandelssparte Primondo, Jörg Nerlich, will die zum Verkauf stehende Unternehmensgruppe mit dem Flaggschiff Quelle nicht an einen Heuschrecken-Investor verkaufen.

„Wir suchen keine Heuschrecke, die nur auf die schnelle Rendite schaut“, sagte Nerlich der WirtschaftsWoche. „Perfekt wäre sicher ein Investor, der für Primondo einen angemessenen Preis zahlt, damit wir die Gläubiger befriedigen können, der Arbeitsplätze sichert und der Unternehmensgruppe eine langfristige Perspektive bietet“, so Nerlich.

Gerüchte über Interessenten wie die Finanzinvestoren Cerberus und Golden Gate wollte Nerlich nicht bestätigten, fügte aber an: „Finanzinvestoren sind nicht per se schlechte Investoren. Als Heuschrecken würde ich auch nur solche Käufer bezeichnen, die den übernommenen Firmen übermäßige Schulden aufhalsen und Unternehmenswerte versilbern, um den Kaufpreis zu finanzieren. Das kommt bei Primondo aber nicht infrage – und würde auch nicht funktionieren.“ Die Primondo-Gruppe, so Nerlich, werde auch nach einem Verkauf „kein Selbstläufer sein.“ Nerlich: „Geld rausziehen geht also nicht. Die Investoren sollten vielmehr zusätzliches Kapital mitbringen, um das Unternehmen auch nachhaltig aufzustellen. Es muss investiert werden.“

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Eine Zerschlagung der Versandhausgruppe nach dem Verkauf macht laut Nerlich „wirtschaftlich keinen Sinn“. Obwohl er, räumt Nerlich gegenüber der WirtschaftsWoche ein, natürlich auch keinem Investor vorschreiben könne: „Du musst jetzt fünf Jahre das Geschäft so weiterführen und darfst keine Unternehmensteile verkaufen.“

Unterdessen brechen bei der Primondo-Kernmarke Quelle die Umsätze weg. „Bei Quelle sind die Rückgänge derzeit noch zweistellig“, sagte Nerlich. Verbuchte Quelle zuletzt 2,3 Milliarden Euro Umsatz, rechnet der Insolvenzbeauftragte für das laufende Geschäftsjahr, das am 1. September begonnen hat, mit einem Umsatzvolumen von 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro. „Auf einen Teil der Umsätze verzichten wir ja ganz bewusst, weil es uns darum geht, schwarze Zahlen zu schreiben“, sagte Nerlich. Ziel sei es, bei Quelle dauerhaft 60 Millionen Euro einzusparen. Erreicht werde dies durch fallende Personalkosten, „da wir rund 3100 Mitarbeiter aus der Kernbelegschaft nicht weiterbeschäftigen“.

Zudem seien etliche Dienstleistungsverträge angepasst und bessere Konditionen bei Mietverträgen durchgesetzt worden. Einsparen will Nerlich in Zukunft auch durch den Verzicht auf „viele Gebäude“. Allein im Großraum Nürnberg verfüge Quelle zurzeit über 18 verschiedene Standorte. Ziel sei es, dass die 2800 Mitarbeiter, die künftig in der Zentrale arbeiten, alle in einem Gebäude untergebracht werden. Nerlich. „Das alte AEG-Elektrolus-Areal in Nürnberg würde sich dafür eignen.“

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