Arcandor-Insolvenz: Taktische Empörung über die Millionengage des Arcandor-Chefs

KommentarArcandor-Insolvenz: Taktische Empörung über die Millionengage des Arcandor-Chefs

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Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick spricht in Essen zu demonstrierenden Karstadt-Beschäftigten

Eicks Millionengage ist unangebracht. Doch die öffentlichkeitswirksame Entrüstung der Betriebsräte kommt zu spät, greift zu kurz und trifft den Falschen. Seit Jahren tolerieren die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ohne Murren, dass ihr Konzern geplündert wird.

Die Kritik war scharf: „Da besteht ein klarer Gewissenskonflikt. Eine Bank und ein Unternehmen haben völlig unterschiedliche Interessen", sagte der Chef des Quelle-Betriebsrats, Ernst Sindel am Wochenende über die Abfindungsverträge des scheidenden Arcandor-Chefs Karl-Gerhard Eick mit der Privatbank Sal. Oppenheim. Er kritisierte, dass stets nur über die Höhe von Managergehältern diskutiert werde. Dabei gehe es auch um die Frage, wem ein Chef wirklich verpflichtet sei.

Sindel hat Recht – doch die Kritik hätte mehr bewirkt, wäre sie geäußert worden, bevor Eick seinen Dienst antrat. Schon im Vorfeld hätte sich der Aufsichtsrat und damit auch die Arbeitnehmervertreter über die Verträge des Konzernchefs informieren können – und müssen. Sich hinterher über etwas aufzuregen, dass man selbst hätte verhindern können, ist zu einfach.

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15 Millionen Abfindung für Eick

Für seinen Kurzzeiteinsatz bei Arcandor soll Eick eine Abfindung in Höhe von 15 Millionen Euro bekommen. Das Geld zahlt indes nicht der klamme Arcandor-Konzern, sondern der Großaktionär Sal. Oppenheim. Die Bank hatte dem Manager garantiert, auch bei einer Insolvenz in den kommenden fünf Jahren je drei Millionen Euro zu erhalten.

Auch die Aussage von Karstadt-Betriebsratschef Hellmut Patzelt wirkt unangebracht: „Sie können die Verträge von Herrn Eick und Sal. Oppenheim nicht erklären. Das ist für die Mitarbeiter nicht nachvollziehbar", hatte Patzelt am Wochenende erklärt.

Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, warum Patzelt die Personalie in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Arcandor-Aufsichtsrats eigentlich durchgewunken hat? Von kritischen Nachfragen Patzelts im Gremium ist jedenfalls nichts bekannt. Und zu Eicks Amtsantritt im März hatte Patzelt noch betont: "Wir werden Herrn Eick ganz herzlich aufnehmen."

Erstaunlich wenig Kritik an Middelhoff

Ohnehin wirkt das Poltern der Räte ein wenig, als wolle man von der eigenen Verantwortung ablenken. Als Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff abtrat, dem ein Großteil des Arcandor-Desasters angelastet werden kann, hielt sich die Empörung der Betriebsräte über Abfindungen und den aufwendigen Führungsstil des Konzernherren jedenfalls in Grenzen. Das mag auch daran liegen, dass Middelhoff stets ein recht inniges Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern pflegte.

Als der frühere Warenhauschef Peter Wolf vor geraumer Zeit ein radikales Sparprogramm durchsetzen wollte, traf ihn der geballte Widerstand der Arbeitnehmervertreter – und von Middelhoff. So umstritten Wolffs Konzepte auch waren, im Nachhinein zeigt sich, dass vermutlich nur drastische Kostensenkungen geholfen hätten, die Insolvenz noch abzuwenden. Dafür hätten deutlich mehr Warenhäuser schließen müssen.

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