Arcandor: Karstadt-Verkauf: Längere Frist, schmerzhafte Forderungen

Arcandor: Karstadt-Verkauf: Längere Frist, schmerzhafte Forderungen

Bild vergrößern

Das Karstadt-Warenhaus im Einkaufszentrum "Limbecker Platz" in Essen. Der deutsch-schwedische Finanzinvestor Triton verbindet sein Kaufangebot für die insolvente Warenhauskette Karstadt mit harten Forderungen.

von Henryk Hielscher

Der Karstadt-Gläubigerausschuss hat die Frist zur Abgabe einens Kaufangebots nun bis Ende Mai verlängert. Der Finanzinvestor Triton macht den Karstadt-Mitarbeitern in einem offenen Brief die Übernahme schmackhaft - bei drastischen Einschnitten.

Mehr Zeit für die Karstadt-Rettung: Der Gläubigerausschuss des zahlungsunfähigen Warenhauskonzerns hat nun die Frist für den Abschluss eines Kaufvertrages bis zum 28. Mai verlängert. Ursprünglich hätte die Frist am kommenden Freitag ablaufen sollen. Ohne einen Kaufvertrag hätte dann die Zerschlagung des Konzerns gedroht.

Der Kaufinteressent Triton erhält damit zusätzliche Zeit, um in Verhandlungen mit Arbeitnehmern und Vermietern eine Einigung zu erzielen. Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg betonte, der Kaufinteressent Triton habe um die Fristverlängerung gebeten, da er vor der Unterschrift unter einen Kaufvertrag noch weiteren Gesprächsbedarf sehe. „Diese Fristverlängerung um längstens einen Monat können wir uns im wahrsten Sinne des Wortes leisten“, sagte Görg. Karstadt habe im ersten Geschäftshalbjahr profitabel gewirtschaftet. Das Unternehmen liege bei Ertrag und Cash Flow über den Planungen. „Die Geschäftszahlen belegen, dass Karstadt aller Anstrengungen wert ist, sich weiter mit Nachdruck im Verkaufsprozess zu engagieren“, betonte der Insolvenzverwalter.

Anzeige

Die Verlängerung der Frist für einen Kaufvertrag berücksichtigt, dass das Amtsgericht Essen den Termin zur Überprüfung der Bedingungen des Insolvenzplans auf den 31. Mai 2010 festgesetzt hat. Wenn eine Einigung erzielt werde, könne das Insolvenzverfahren zum 30. Juni 2010 aufgehoben werden, erklärte der Insolvenzverwalter.

Gestern hatte Triton bei den Karstadt-Mitarbeitern in eigener Sache geworben. Freundlich im Ton - knallhart in der Sache: So lässt sich der Brief des Finanzinvestors Triton an die 26.000 Mitarbeiter des insolventen Karstadt-Konzerns beschreiben. Darin wirbt Triton um die Zustimmung der Beschäftigten zu einer Übernahme durch den Finanzinvestor. Die Belegschaft zählt zu den größten Gläubigergruppen. Zuvor hatten die Gewerkschaft Verdi und Karstadt-Betriebsräte neuerliche Forderungen auf Einsparungen durch Triton kritisiert.

Die Reaktion des Finanzinvestors auf die Arbeitnehmer-Kritik ließ nicht lange auf sich warten. In dem Papier, das der WirtschaftsWoche vorliegt, heißt es zuerst freundlich: "Wir sind überzeugt: Karstadt verfügt über große Stärken, motivierte Mitarbeiter, erstklassige Standorte, eine treue Kundenbasis und erfolgreiche Sortimente."

Dann folgt das Aber: "Es gibt aber leider auch große Schwächen, die die derzeitige Situation mit verursacht haben", schreibt Triton-Manager Johannes Maret an die Belegschaft. Dazu würden "Verluste in bestimmten Sortimentsbereichen, inflexible Vergütungsstrukturen, hohe Mieten und Investitionsbedarf an vielen Standorten" zählen. Es müsse daher schnell gelingen, Karstadt für die Kunden "noch attraktiver, flexibler und begehrenswerter zu machen", so Maret. Hierzu seien eine intensive Zusammenarbeit mit Partnern zur Sortimentsaufwertung, leistungsbezogene Vergütungsstrukturen, flexible, an der Kundenfrequenz ausgerichtete Arbeitszeitregelungen und die langfristige Sicherstellung marktgerechter Mietkosten unverzichtbar. Der Triton Plan sehe auch erhebliche Investitionen in die Mitarbeiterausbildung, Sortimentsgestaltung und vor allem in die Attraktivität der Häuser vor, heißt es weiter.

Triton fordert finanzielle Zugeständnisse

Der deutsch-schwedische Investor Triton hatte am Freitag als einziger Interessent ein Angebot für Karstadt vorgelegt, fordert aber finanzielle Zugeständnisse von der Belegschaft und von den Vermietern der Warenhäuser. Im Gegenzug will Triton 30 Millionen Euro als Kaufpreis zahlen und in den kommenden fünf Jahren 428 Millionen Euro in Karstadt investieren - dem Vernehmen nach 60 Millionen davon im ersten Jahr. Ziel für Karstadt sei mittelfristig ein Gewinn von mehr als 200 Millionen Euro, heißt es in einer Präsentation, die dem Gläuberausschuss vergangenen Freitag vorgestellt wurde. Ein Triton-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren.

Nach Vorlage des Plans hatten der Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt und seine Kollegen das Kaufangebot von Triton als "höchst unmoralisch" kritisiert. Triton wolle die Beschäftigungssicherung für die Mitarbeiter und die Standortsicherung für die 120 Häuser aufheben und "4000 bis 5000 Arbeitsplätze vernichten", schreibt der Betriebsrat in einem offenen Brief. Unter Umständen sollten auch Bereiche von Karstadt - etwa die Premium-Warenhäuser, Sporthäuser, die Reisebüros oder die Gastronomie - in eigenständige Einheiten überführt werden. Die Arbeitnehmer vermuten dahinter Pläne, die profitablen Einheiten zu verkaufen, wenn die Sanierung des ganzen Konzerns misslinge. "Gleichwohl werden wir in einem Gespräch mit Triton klären, welche konkreten Vorstellungen und Erwartungen an uns bestehen", kündigte der Betriebsrat an. In allen Filialen seien Betriebsversammlungen geplant.

Offenbar präferieren die Arbeitnehmervertreter einen Kauf durch das Highstreet-Konsortium um die US-Investmentbank Goldman Sachs, dem gut zwei Drittel der Immobilien gehören. Highstreet erwägt eine eigene Offerte, falls keine Einigung mit Triton erzielt werden kann. In Finanzkreisen wird eine Entscheidung darüber noch in dieser Woche erwartet.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%