Arcandor: Karstadts Schicksal entscheidet sich im April

Arcandor: Karstadts Schicksal entscheidet sich im April

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Karstadt-Filiale in Bielefeld

von Henryk Hielscher

Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will beim Amtsgericht Essen zu Wochenbeginn den Insolvenzplan für das Warenhausunternehmen einreichen. Die Warenhauskette soll bis Ende April an einen Investor verkauft werden.

An hochfliegenden Plänen herrschte im Reich des Warenhauskonzerns Karstadt noch nie Mangel. Mal sollte das Unternehmen den Erzrivalen Kaufhof übernehmen, mal Allianzen mit europäischen Konkurrenten schmieden - mal zur Nobelgruppe aufsteigen und manchmal auch einfach nur die breite Masse bedienen. Nun soll ein neuer Plan die Rettung bringen. Heute hat Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den sogenannten Insolvenzplan für das Unternehmen beim Amtsgericht Essen eingereicht. Darin beschreibt Görg die wirtschaftliche Situation von Karstadt und sein Konzept zur Sanierung.

Die größte Überraschung: Karstadt soll schneller als erwartet verkauft werden. Schon Ende April 2010 will Görg die Warenhäuser an einen Investor abgeben. Die Gläubiger des Unternehmens sollen in einem ersten Schritt drei Prozent ihrer Forderungen erhalten. Das klingt zwar wenig, aber wichtiger ist ohnehin die Aussicht, dass Karstadt überlebt und die Geschäftsbeziehungen weiter geführt werden. Einige weitere zentrale Punkte hatte Görg schon im Dezember präsentiert: Danach will er 13 Filialen schließen und die Gruppe mit 120 Waren- und Sporthäusern fortführen. Die verbleibenden 26.000 Karstadt-Beschäftigten nehmen heftige Einschnitte in Kauf. In einem auf drei Jahre geschlossenen Sanierungstarifvertrag verzichten sie auf Gehaltsbestandteile über insgesamt rund 160 Millionen Euro. Auch die Vermieter und Lieferanten sollen erhebliche Sanierungsbeiträge leisten. Insgesamt belaufen sich die Sanierungsbeiträge auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

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Insolvenzplan: Alles oder nichts

Damit der Insolvenzplan wirksam wird, müssen Gericht und Gläubigerversammlung noch zustimmen. Zudem muss der Kaufvertrag bis zum 30. April 2010 von einem Investor unterzeichnet werden. Kommt es dazu, werden die Zugeständnisse der Gläubiger wie ein Gerichtsurteil festgeschrieben. Gleichzeitig werden möglichen Investoren die Bedingungen diktiert, zu denen sie Karstadt übernehmen. Und die haben es in sich: So schreibt schon der Insolvenzplan an sich eine Art Alles-oder-nichts-Prinzip fest.

Ein Investor kann also nicht direkt für einzelne Karstadt-Häuser bieten, sondern nur das Gesamtpaket erwerben. Zudem muss ein Käufer alle 120 Häuser mindestens bis Herbst 2011 betreiben. Denn an letztere Bedingung sind die Zugeständnisse der Arbeitnehmer geknüpft. Schließt der Investor auch nur eines der Häuser früher, könnten die Arbeitnehmer offenbar von all ihren Zusagen wieder zurücktreten.

Die Rahmenbedingungen machen die Suche nach einem Investor für Görg nicht einfacher, zumal er jetzt selbst den Zeitdruck erhöht hat und der Kreis der Interessenten ohnehin überschaubar ist. Mittlerweile sollen sechs potenzielle Investoren Einblick in die Karstadt-Bücher erhalten haben. Die Namen sind streng geheim. Bisher wurde aber unter anderem über die Finanzinvestoren Permira, Blackstone, Sun Capital, Pamplona und Apollo spekuliert.

Unterdessen üben sich die Karstadt-Granden in Zuversicht. Betriebsratschef Hellmut Patzelt sagte in der vergangenen Woche, Karstadt werde in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres - zum 31. März - schwarze Zahlen schreiben. Bereits im Dezember hatte Rolf Weidmann, Görgs Insolvenzbeauftragter für Karstadt, im Interview mit der WirtschaftsWoche betont: „Karstadt schreibt derzeit schwarze Zahlen“, das Unternehmen „steht stabil, eine Zerschlagung ist überhaupt nicht notwendig“. Weidmann hatte damals mit einem „nennenswerten Millionenbetrag“ als Kaufpreis kalkuliert. „Zum Schnäppchenpreis wird es Karstadt nicht geben.“ Schließlich seien die „Rettungsvoraussetzungen für Karstadt besser denn je.“

Filetstücke für die Konkurrenz

Ob die Kaufinteressenten allerdings wirklich bereit sein werden, tief in die Tasche zu greifen, darf bezweifelt werden. Denn die schwarzen Zahlen sind nicht die Folge neu entfachter Kauffreude der Kunden. Dass sich die Liquiditätslage entspannt hat, ist schlicht dem Insolvenzrecht geschuldet. So zahlt die Bundesagentur für Arbeit den Beschäftigten insolventer Unternehmen drei Monate lang Insolvenzgeld. Allein dadurch sparte die Warenhauskette rund 100 Millionen Euro Lohnkosten. Geschätzte weitere 150 Millionen Euro Liquidität bescherten fiskalische Finessen. Görg nutzte die Möglichkeit, im vorläufigen Insolvenzverfahren die eingenommene Umsatzsteuer einzubehalten.

Diese Einmaleffekte sind durchaus geeignet das Unternehmen zum Verkauf zu schmücken, von Dauer sind sie aber nicht. Auch den Finanzinvestoren dürfte nicht entgangen sein, dass Karstadt in den vergangenen drei Jahren insgesamt rund eine Milliarde Euro verbrannt hat. Zudem schiebt die Warenhauskette einen enormen Investitionsstau vor sich her. Das Warenangebot soll künftig gestrafft und stärker zentral gesteuert werden. Einzelne Standorte sollen offenbar zu Einkaufszentren umgerüstet werden. All das ist sinnvoll und notwendig – drückt aber den Kaufpreis.

Doch die Alternative wäre wohl noch bitterer: Findet sich bis Ende April kein Käufer für das Gesamtpaket, dürfte Karstadt zerschlagen werden. Ein Schicksal das schon die Versandsparte Primondo (Quelle) im vergangenen Jahr ereilt hat. Sport Scheck, eine Tochter des Hamburger Otto-Konzerns sowie Metro, der Mutterkonzern des Warenhausrivalen Kaufhof, kämen dann vermutlich billig an die Filetstücke von Karstadt.

In diesem Fall werde es allerdings Massenentlassungen geben, warnte Weidmann im WirtschaftsWoche-Interview. „Wenn man über den Kaufhof als Partner für Karstadt spricht, muss man wissen, dass das Tausende Arbeitsplätze kosten würde“, sagte Weidmann im Dezember. „Und man muss wissen, dass viele Innenstädte verwaisen würden.

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