Arcandor: Middelhoffs Luftnummer

Arcandor: Middelhoffs Luftnummer

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Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff, der Ex-Chef des insolventen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, gerät in Erklärungsnot: Die Verbindungen zwischen ihm und dem umstrittenen Vermögensverwalter Josef Esch waren erstaunlich eng – und boten reichlich Verfilzungspotenzial.

Bei der Auswahl seines Fluggeräts bewies „Majestät“, wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff intern gerne genannt wurden, einen Hang zu kostspieliger Lebensart: „Nicht nur die noble Innenausstattung beweist Geschmack“, heißt es auf der Homepage des Jet-Anbieters Challenge Air, den Middelhoff vorzugsweise buchen ließ. Hervorzuheben sei „auch das Speise-Arrangement, das individuell abgestimmt wird und Gourmet-Ansprüche erfüllt“.

Zudem würden die Passagiere während des gesamten Fluges „von geschulten Stewardessen zuvorkommend betreut und umsorgt.“ Fazit: „Wer einmal mit Challenge Air geflogen ist, weiß was es heißt, sich hoch über den Wolken in exklusiver und persönlicher Atmosphäre rundum verwöhnen zu lassen.“

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"Majestät" auf Reisen

Thomas Middelhoff, bis Ende Februar diesen Jahres Arcandor-Chef, war von den Challenge-Air-Segnungen offenkundig angetan. Laut einem Bericht des „Spiegel“ habe er „so gut wie jeden Dienstflug mit den Jets der Gesellschaft“ gemacht. Ein Vorgang, der nicht so recht zum Zustand von Arcandor passen will. Inzwischen müssen sich die Vorstände des Essener Handels und Touristikkonzern ihre Dienstreisen vom vorläufigen Insoolvenzverwalter freizeichnen lassen. 

Middelhoffs Luftfahrt-Ambitionen wurden durch die klamme Kassenlage des Konzerns aber nicht beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil: Selbst auf Linienrouten und für Kurztrips etwa von Düsseldorf nach Frankfurt oder Paderborn soll Middelhoff auf die kostspielige Challenge Air zurückgegriffen haben.

Bei seinen Rettungsversuchen für den schlingernden Konzern habe jede Minute gezählt, außerdem habe er in den Jets vertrauliche Gespräche führen können, wird Middelhoff dazu im „Spiegel“ zitiert.

Kritikwürdig ist aber nicht nur, dass es sich ein chronisch klammer Konzern leistet, sein Spitzenpersonal per Privatjet zu befördern. Seltsam sind zudem die Verbindungen zwischen den Challenge-Air-Eignern und Middelhoff.

Der Luxus-Flugdienst gehört Middelhoffs Geschäftspartnern Josef Esch und Matthias Graf von Krockow. Der eine – Esch - ist Immobilienunternehmer und Vermögensverwalter aus Troisdorf bei Bonn. Der andere – von Krockow – steht der Privatbank Sal. Oppenheim vor. Beide pflegen ebenso vielfältige wie spezielle Beziehungen zu Arcandor – und zu Middelhoff.

Die Gesellschafter von Sal. Oppenheim sind maßgeblich an Arcandor beteiligt und auch die Großaktionärin Madeleine Schickedanz ist Kundin bei Sal. Oppenheim. Zudem soll Schickedanz Esch zu ihrem Testamentsvollstrecker erkoren haben und ist mit 1,7 Millionen Euro an der Oppenheim-Esch-Managementgesellschaft beteiligt, die laut Handelsregistereintrag "immobilienbezogene Dienst- und Werksleistungen" erbringt, also beispielsweise mit Grundstücken handelt.

Auch bei Arcandor beziehungsweise dem KarstadtQuelle-Konzern, wie das Unternehmen zuvor hieß, mischte Esch kräftig mit. Fünf Karstadt-Immobilien wurden einst an die gemeinsame Fondsgruppe von Sal. Oppenheim und Esch verkauft. Anschließend mietete KarstadtQuelle die Häuser in München, Leipzig, Wiesbaden, Karlsruhe und Potsdam von den Fonds zurück - zu bemerkenswerten Konditionen.

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