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Arcandor: Millionen-Abschiedspaket für Ex-Chef Thomas Middelhoff

von Henryk Hielscher

Interne Papiere zeigen, wie sich der frühere Arcandor-Chef seinen Abschied beim maroden Konzern vergolden ließ.

Die Bilanz des früheren Arcandor-Chefs Thomas Middelhoff lässt sich mit einem Wort beschreiben: Desaster. Vier Monate nach seinem Abgang Ende Februar 2009 meldete der Konzern, zu dem auch Karstadt gehört, Insolvenz an. Interne Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen, zeigen erstmals im Detail, wie sich Middelhoff seinen Abschied vergolden ließ. In einer vertraulichen Vereinbarung vom 11. Februar 2009 legten der damalige Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen und Middelhoff die Modalitäten für die „Aufhebung des Dienstverhältnisses“ fest.

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Danach sollte Middelhoff für die Monate Oktober 2008 bis Februar 2009 einen anteiligen Bonus von insgesamt 533.333 Euro erhalten. Als „Ausgleich für den sozialen Besitzstand“ einigte man sich auf eine Abfindung in Höhe von 1 536 667 Euro. Zudem wurde für zwölf Monate die Fortzahlung der Bezüge vereinbart, Gesamtwert: zwei Millionen Euro. Eine zweijährige Wettbewerbssperre war dem Unternehmen zusätzlich eine „Karenzentschädigung“ von 1.128.000 Euro wert. Vom 1. Januar 2011 an sollten zudem monatliche „Versorgungszahlungen“ über 12.690 Euro beginnen.

Nebenher ließ sich Middelhoff die Übernahme der Mietkosten für seine Düsseldorfer Wohnung in Höhe von schätzungsweise 3500 Euro pro Monat bis Ende 2009 sowie die Erstattung der Kosten für den Umzug nach Bielefeld zusichern. Pikant: Middelhoff wurde auch die Rücknahme früherer Gehaltskürzungen garantiert, die im Rahmen einer Vereinbarung mit der Gewerkschaft Verdi zuvor öffentlichkeitswirksam angekündigt worden waren. Über diesen Vertragspassus hatte bereits der WDR in der Dokumentation „Der große Schlussverkauf“ berichtet.

Gegenüber der WirtschaftsWoche stellt Middelhoffs Anwalt dazu klar: Sein Mandant habe „keine Nachzahlungen auf frühere Gehaltsbestandteile erhalten“. Eine entsprechende Annahme beruhe womöglich „auf einem Schreibfehler“. Darüber hinaus habe Middelhoff die Regelungen für „angemessen“ gehalten. Er sei „nicht von einer Insolvenz“ ausgegangen. Dies mache auch seine damalige Bereitschaft deutlich, einzelne Zahlungstermine in die Zukunft zu verlegen.

Tatsächlich dürfte Middelhoff durch die Insolvenz einen Teil der Ansprüche verloren haben. Doch der Manager hatte die Möglichkeit, Rücklagen zu bilden: Noch im Dezember 2008 vereinnahmte er eine Sanierungsprämie – einen „turn-around-Bonus“ – in Höhe von 2.295.000 Euro. Die Zahlung erfolgte laut einem Schreiben von Janssen für die Jahre 2005 bis 2007. Zwar war die Prämie an das Erreichen zuvor vereinbarter Kennzahlen für Gewinne (Ebitda) sowie Mittelzuflüsse (Cash-Flow) geknüpft. Dass diese Ziele teilweise verfehlt wurden, störte nicht weiter. Andere Kennzahlen seien übertroffen worden und würden zusammen mit dem Aufbau des Reiseunternehmens Thomas Cook die Verfehlung der Cash-Flow-Ziete "überkompensieren", schrieb Janssen. Die Prämie werde Middelhoff daher "auf Basis eines Zielerreichungsgrades von 100 Prozent" zugesprochen.

Über die Bonushöhe wurde nicht  der gesamte Aufsichtsrat, sondern nur der so genannte ständige Ausschuss informiert. Dem gehörten damals neben Janssen, auch Leo Herl, Ehemann der früheren Großaktionärin Madeleine Schickedanz, der ehemalige Rewe-Chef Hans Reischl und Michael Stammler, Chef des Vermögensberaters Feri Finance, an. Besonders brisant: Dem Gremium gehörten als Arbeitnehmervertreter damals auch Wilfried Reinhard und Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt an und stimmten offenbar nicht gegen die Bonuszahlung. Nur wenige Wochen zuvor, Ende Oktober 2008, hatten sich die Arcandor-Belegschaft dagegen zu weitgehenden Zugeständnissen und Gehaltseinbußen bereit erklärt. Arcandor-Aufsichtsrätin Margret Mönig-Raane, zugleich Vizechefin der Gewerkschaft Verdi, habe erst später von den Zahlungen erfahren, sagte ein Verdi-Sprecher. Sie halte den turn-around-Bonus für „eine Zumutung“.

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34 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.01.2011, 09:51 UhrAnonymer Benutzer: wollen sie den wirklich wissen

    Es ist eben das politische System an sich, das abgeschafft werden muss. Hier liegt die Krux. Es sind unsere Politiker und Religionsfürsten, die unser Land an den Rand des bankrotts gebracht haben. Welchen Wert kann da noch "Politische bildung" haben, wenn sie im Kern nur das lehrt, was seit Jahrhunderten irrgelehrt wird. Die Menschen müssen sich von ihrem Glauben verabschieden, dass diese Politik ein zwingender bestandteil existentiellen Daseins ist, zu der es keine Alternative gibt.

    Politik & Religion sind die Wurzel allen Übels. Das zu begreifen erfordert Mut, Einsicht und Erkenntnis. Das gilt es zu begreifen! Für 7,2 Milliarden Erdbewohner ist das eine echte individuelle Herausforderung, ein Lernprozess. Wer auf diese Politik baut, baut auf Sand und Elendsviertel, Armut, Versklavung und Volksverdummung par excellence. Das Denksystem dieser Welt steht diametral auf dem Kopf und nur Wenige sind in Kenntnis dieser Tatsache. Wir haben ein völlig falsches Wertesystem.
    Vergesst die Politiker, sie werden von Lobbyisten gesteuert und denken nur an sich, wollen sich nur am Futtertrog mästen. Freiheit und Demokratie kann man nicht anderen überlassen, bekommt man auch nicht gratis, sondern nur wenn man was dafür tut. Die einzige Möglichkeit die uns übriggeblieben ist, ist ein boykott des Systems, eine Verweigerung weiter diesem perversen Apparat zu dienen. Wahlen und Petitionen sind nutzlos, bewirken nichts. Man muss seinen Arsch in bewegung setzen. Jede Passivität ist ein Zeichen der Duldung. Der Machtapparat nimmt niemand zu Kenntnis der nichts tut oder nur dumm daherschwätzt und am Stammtisch Phrasen drischt.

  • 21.01.2011, 23:03 UhrAnonymer Benutzer: Petit

    Der T.M ist ein kluges Köpfchen. Hoffentlich verschluckt er sich nicht an den wohlverdienten Millionen.

  • 21.01.2011, 22:46 UhrAnonymer Benutzer: Mariposa

    Was lernen wir daraus? Jeder guckt auf seinem Niveau wo er bleibt! Das sollte sich jeder vor Augen halten wenn er von der deutschen "Elite" mal wieder belabert wird.

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