Arcandor-Pleite: Pleite-Konzern Arcandor förderte Elite-Unis

Arcandor-Pleite: Pleite-Konzern Arcandor förderte Elite-Unis

Kurz vor seinem Abgang als Chef des Essener Handelskonzern Arcandor, soll Thomas Middelhoff 715.000 Pfund nach Oxford überweisen haben. Die großzügige Unterstützung diente ausgerechnet der Forschung in Sachen "Corporate Reputation". Auch einen Lehrstuhl für ethisch saubere Unternehmensführung leistete sich der Konzern.

Das Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff eine bisweilen recht eigentümliche Sicht der Dinge pflegt, ist vielen Geschäftspartnern spätestens seit seinem Abschiedsbrief vom 26. Februar 2009 klar. „Rückblickend steht fest“, fabulierte der Herr über Karstadt und Quelle damals, „dass das Ziel, den Konzern zu retten und auf eine tragfähige Basis zu stellen, erreicht wurde“. Im Juni meldete Arcandor Insolvenz an.

Noch bizarrer mutet indes ein Vorgang an, über den der „Spiegel“ jetzt berichtet. Einen Tag nachdem Middelhoffs Abschiedsschreiben raus ging, nämlich am 27. Februar 2009, soll der Konzernchef eine Überweisung von 715 000 Pfund für die Saïd Business School der britischen Universität Oxford angeordnet haben.

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Ein Sprecher von Thomas Middelhoff rechtfertigte die Sponsoring-Aktivitäten. Ziel sei es gewesen, langfristig gute Absolventen für den Arcandor-Konzern und insbesondere für die britische Reisetochter Thomas Cook, zu gewinnen. Persönliche Interessen des Managers hätten bei der Entscheidung für das Sponsoring dagegen keine Rolle gespielt. Es sei lediglich um die Bezahlung einer überfälligen Rechnung gegangen, begründete der Sprecher den Termin der Überweisung kurz vor Middelhoffs Abschied als Arcandor-Chef. Die Grundlage der Zahlung soll ein bereits Ende Januar 2008 abgeschlossener Vertrag gewesen sein.

Für Middelhoff lohnte sich die Zahlung aber zumindest indirekt: Für die großzügige Unterstützung der Forschung in Sachen "Corporate Reputation" erhielt Middelhoff als Arcandor-Chef einen Sitz im Beirat des Forschungsinstituts der Business School, den er auch nach der Arcandor-Insolvenz noch immer inne hat.

Neben der Förderung der britischen Lehranstalt, hatte der klamme Konzern auch noch einen Sechs-Jahres- Vertrag mit der deutschen Privatuniversität Witten/Herdecke abgeschlossen – zur Finanzierung eines Arcandor-Lehrstuhls für ethisch saubere Unternehmensführung. 

Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg stoppte das Sponsoring im Sommer dieses Jahres. Sobald die drängenden Fragen – wie der Verkauf von Karstadt – geklärt seien, werde man sich stärker mit Fragen der Geldverschwendung auseinandersetzen, heißt es im Umfeld des Insolvenzverwalters. „Da ist so geaast worden“, beschreiben Insider die früheren Verhältnisse bei Arcandor.  

In einem Interview hatte auch Görg bereits Kritik an Middelhoff und dessen Vorstandskollegen geäußert: „Es ist dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren undauch den noch zu Liquidität zu machen.“

Middelhoff befasst sich unterdessen bereits mit neuen Aufgaben. Er kandidiert er für den Aufsichtsrat des Klinikbetreibers Marseille-Kliniken. Seine Wahl bei der heute stattfindenden Hauptversammlung gilt als sicher, weil er auf Initiative von Firmengründer Ulrich Marseille in das Unternehmen kommt, dessen Familie die Mehrheit der Stimmrechte hält.

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