Arcandor: Warten auf das Karstadt-Wunder

Arcandor: Warten auf das Karstadt-Wunder

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Der Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff geht in die Verlängerung: Erst Ende 2009 will der Chef von Karstadt, Quelle und Thomas Cook seinen Posten räumen. Bis dahin soll der Aktienkurs der Konzernholding Arcandor deutlich steigen.

Die große Show des Thomas Middelhoff beginnt wie eine Klassenfahrt. Punkt 9.55 Uhr versammelt der Chef des Handelskonzerns Arcandor seine Vorstandsriege vor der Bühne des Düsseldorfer Kongresszentrums zum gemeinsamen Gruppenfoto.

Und wie zu Schulzeiten wird erst einmal das aktuelle Freundschaftslevel austariert: Marc und Manny - im bürgerlichen Leben Marc Sommer und Manny Fontenla-Novoa, die die Versand- und Touristiksparte leiten - bekommen von ihrem Kumpel Thomas einen Klaps auf die Schulter. Peter dagegen, der Chef der Warenhauskette Karstadt, wird nur mit einem deutlichen „Peter Wolf! Peter!" zur Fotosession beordert.

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Die Momentaufnahme von der Hauptversammlung des Essener Handels- und Toursitikkonzerns zeigt, wohin das Unternehmen unter Middelhoff treibt: Die Touristik-Marke Thomas Cook und die Versandsparte Primondo mit dem Flaggschiff Quelle werden als Wachstumstreiber herausgestellt. Die traditionsreiche Warenhauskette Karstadt rückt in den Hintergrund.

An der Börse wurde die Entwicklung bislang allerdings nicht honoriert. Im Gegenteil: Der Kurs dümpelt seit Jahresbeginn zwischen zehn und 14 Euro, aktuell liegt er bei rund zwölf Euro. Das dürfte vor allem Großaktionärin und Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz stören, die mehr als 50 Prozent an dem Unternehmen hält.

Und auch Arcandor-Chef Middelhoff ist mit dem Kurs nach eigener Aussage „mehr als unzufrieden", die Entwicklung sei regelrecht „frustrierend". Denn eigentlich wollte er den Chefposten des Konzerns Ende des Jahres mit der frohen Botschaft räumen: Mission erfüllt - Konzern saniert. Die Aktie sollte bis dahin bei „40 Euro plus x" liegen, hatte Middelhoff angekündigt. Doch davon sei man „meilenweit entfernt", räumt er inzwischen selbst ein.

Auch der Abgang von „Big T", wie Thomas Middelhoff auf den Fluren der Essener Konzernzentrale bisweilen genannt wird, verzögert sich um ein Jahr. Statt wie geplant Ende 2008 in sein Londoner Büro bei der Beteiligungsgesellschaft Investcorp zurückzukehren, habe er seine persönliche Lebensplanung zurückgestellt, sagte der Manager. Er werde damit auch operativ die Verantwortung für die Erreichung des angepeilten Ergebnisziels von 1,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2008/09 übernehmen. „Jetzt können mich alle in die Pflicht nehmen", so Middelhoff. Zudem stünden „wichtige strategische Weichenstellungen" in den Bereichen Warenhaus und Versandhandel an.

Mit strategischen Entscheidungen kennt sich Middelhoff aus. Seit er im Mai 2005 Jahren den Vorstandsvorsitz übernahm, hat er den siechen Traditionskonzern komplett umgekrempelt. Der Intensivpatient KarstadtQuelle wurde in Arcandor umbenannt - und ist zwar immer noch kein blühendes Unternehmen, aber immerhin ein Hoffnungswert in der Reha.

Middelhoff modelte den Handelskonzern zu einer Gemischtwarenholding um, stutzte die Warenhaus- und die Versandsparte, verkaufte die Immobilien und baute im Gegenzug das Touristikgeschäft massiv aus. Er stockte die Anteile am Thomas Cook sowie an der Fluglinie Condor auf und fusionierte beide mit dem britischen Reiseveranstalter MyTravel, an dem Arcandor inzwischen 52 Prozent hält. Mittlerweile steuert die Gesellschaft über 60 Prozent zum Umsatz bei, der Gewinnanteil dürfte noch höher liegen.

Auch die Versandsparte Primondo mit Quelle, Madeleine, Hess Natur und den anderen Versandmarken scheint unter der Führung von Marc Sommer wieder auf dem Weg der Besserung. Insgesamt soll Primondo im Geschäftsjahr 2008/2009 170 bis 200 Millionen Euro verdienen, 2007 hatte der Verlust noch 400 Millionen Euro betragen. Damit qualifizierte sich Sommer auch für die Rolle des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Wenn Middelhoff sich Ende 2009 tatsächlich vom Chefposten zurückzieht, dürfte Sommer auch die Konzernführung übernehmen.

In der Öffentlichkeit wird der Konzern allerdings noch immer am stärksten über die Warenhäuser wahrgenommen. Für Millionen Deutsche liegt die Kette, die Rudolph Karstadt am 14. Mai 1881 in Wismar mit seinem ersten „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft" aus der Taufe hob, in direkter Nachbarschaft. Doch der Gründungsmythos ist verblasst, Karstadt hat tiefe Einschnitte hinter sich. Fast 100 Filialen wurden seit 2003 ausgemustert, die Zahl der Vollbeschäftigten sank von 43.000 auf 18.800 und der Umsatz um fast zwei Milliarden Euro.

Trotz der Einschnitte läuft es bei Karstadt immer noch nicht rund. Das Weihnachtsquartal fiel mit Umsatzrückgängen von 8,1 Prozent katastrophal aus. Und das erste Quartal 2008 lief offenbar nur wenig besser. Experten rechnen abermals mit Rückgängen von bis zu fünf Prozent.

Ein Ausweg aus der Dauermisere sieht Middelhoff schon seit längerem in einer Fusion von Karstadt mit Kaufhof, dem zur Metro-Gruppe zählenden Erzrivalen. Seit der neue Metro-Chef Eckhard Cordes vor wenigen Wochen Kaufhof explizit zum Verkauf gestellt hat, wird das K-und-K-Szenario durchgespielt.

Wie Middelhoff den Kaufpreis von rund drei Milliarden Euro aufbringen will, ist allerdings unklar. Zurzeit kommt der Gesamtkonzern auf eine Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden Euro. Nur gemeinsam mit Partnern - im Gespräch ist ein Konsortium um das italienische Unternehmen Pirelli oder einem Finanzinvestor - rückt die Liaison überhaupt in den Bereich des Möglichen.

Doch selbst wenn die Fusion der Kaufhaus-Ketten zustande käme, bliebe eine ebenso simple wie essentielle Frage offen: Trägt das Geschäftsmodell noch? Genauer: Wie begegnen die Warenhäuser der wachsenden Konkurrenz von Shopping Centern?

Nach einer Studie des EHI-Handelsinstituts gibt es deutschlandweit inzwischen fast 400 Einkaufscenter. Und „eine Sättigung des Marktes ist bislang nicht erkennbar", heißt es in dem Report. Läuft alles nach Plan, gibt es 2010 deutschlandweit 448 Shopping-Malls. 1995 waren es erst 179. Offensichtlich verstehen es die hochgestylten Konsumtempel mit ihrem Geschäfte-Mix weit besser, Käufermassen anzuziehen.

Statt eine überzeugende Antwort zu liefern, reagieren die Warenhäuser mit Imitationen: So eröffnete Kaufhof jüngst eine Filiale in Berlin, die den programmatischen Titel „Ring Center 3" führt - die Filiale steht direkt neben zwei klassischen Shopping-Centern. Karstadt geht noch einen Schritt weiter. Das neue Vorzeigehaus in Essen wurde direkt in ein Einkaufszentrum integriert . Zudem setzt der Konzern verstärkt darauf, verschiedene Fremd-Anbieter unter einem Dach zu vereinen. So wurde der Buchhandel an Weltbild/Hugendubel ausgelagert und der Apple-Spezialist Gravis soll in die Karstadt-Computerabteilungen einziehen. Langfristig sollen Fremdfirmen fast ein Drittel zum Karstadt-Umsatz beisteuern.

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