Arzneiverordnungsreport: Die schönen Zeiten für die Pharmaindustrie gehen zu Ende

Arzneiverordnungsreport: Die schönen Zeiten für die Pharmaindustrie gehen zu Ende

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Produktion beim Pharmakonzerns Stada

von Jürgen Salz

Die Ausgaben für Arzneimittel steigen munter weiter. Allerdings müssen die Medikamenten-Konzerne mit Gegenwind rechnen. Künftig werden sie die Pillenpreise nicht mehr selber festlegen können.

Um 4,8 Prozent sind die Medikamenten-Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr gestiegen – auf mittlerweile 32,4 Milliarden Euro. Dies geht aus dem jüngsten Arzneiverordnungsreport hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Seit mittlerweile mehr als einem Vierteljahrhundert informiert der Report regelmäßig darüber, wie stark die Ausgaben für einzelne Medikamente steigen, wie innovativ die Präparate tatsächlich sind und wo gespart werden könnte. Herausgegeben wird der Arzneiverordnungsreport von dem Pharmakologen Ulrich Schwabe und dem Chef der AOK Schleswig-Holstein, Dieter Paffrath.

Als Kostentreiber haben die Autoren vor allem teure Spezialpräparate ausgemacht – etwa Medikamente für Diabetiker oder krebskranke Patienten, deren Nutzen auch häufig umstritten ist. Solche Mittel seien für 80 Prozent des Kostenanstiegs bei den Fertigarzneimitteln verantwortlich. Allein 4,1 Milliarden Euro könnten eingespart werden, wenn statt der teuren, patentgeschützten Medikamente preiswerte Nachahmerpräparate (Generika) verordnet würden.

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Regelmäßig moniert der Arzneiverordnungsreport auch das hohe Preisniveau für Pillen und Salben in Deutschland. Die Lobbyorganisation der Pharmaindustrie, der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hält mit Studien dagegen, nach denen die deutschen Medikamenten-Preise im europäischen Vergleich im Mittelfeld liegen.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Arznei-Hersteller ihre Preise noch selbst festlegen können. Doch damit soll bald Schluss sein. Künftig müssen die Unternehmen ihre Medikamente einer schnellen Nutzenbewertung durch ein unabhängiges Institut unterziehen – danach sollen dann Hersteller und Krankenkassen einen angemessenen Preis aushandeln. Preissubventionen für die Pharmaindustrie seien „weder ökonomisch noch gesundheitspolitisch vertretbar“, sagt der Pharmakologe Schwabe.     

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