Aschewolke: Warum das Flugverbot der Wirtschaft nichts anhaben kann

Aschewolke: Warum das Flugverbot der Wirtschaft nichts anhaben kann

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BMW-Werk in Dindolfing: Erst Kurzwarbeit, dann Aschewolke

von Christian Schlesiger, Martin Seiwert, Michael Kroker, Rüdiger Kiani-Kreß, Harald Schumacher, Andreas Wildhagen, Peter Steinkirchner und Hans-Jürgen Klesse

Die Aschewolke aus Island konnte – mit Ausnahme der Flugbranche – den deutschen Unternehmen kaum etwas anhaben. Sie haben aus den Gefahren der Globalisierung gelernt. Sechs Nahaufnahmen erfolgreicher Krisenbekämpfung.

Wenn es für Unternehmer den ohnmächtigen Sturz in den wirtschaftlichen Abgrund gibt, dann musste er sich so ankündigen.

Deutschland vor einer Woche. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull stoppt mit einer gigantischen Aschewolke den Flugverkehr über ganz Europa. Eine Milliarde Kosten pro Tag, prophezeit der Deutsche Industrie- und Handelskammertag flugs den hiesigen Unternehmen, fast ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts, seien in Gefahr. Bei BMW in Dingolfing stehen die Bänder still, weil keine Montageteile eingeflogen werden. Für Karl-Heinz Czauderna, den Logistikchef des japanischen Computerkonzerns Fujitsu Technology Solutions, ist das der „Super-GAU“, sagt er, also der Super-größte-anzunehmende-Unfall.

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Probleme nur im Einzelfall

Gut eine Woche nachdem die ersten Flugzeuge wieder starten und landen, ziehen Vorstandschefs Bilanz, was von den Prophezeiungen für die Unternehmen jenseits der Flugbranche übrig blieb.

Nicht viel mehr als heiße Luft.

„Wenn wir genau hinsehen, gab es nur in Einzelfällen Probleme“, sagt Thomas Kautzsch, Experte für die Fertigungsindustrie und Leiter der weltweiten Manufacturing Industries Practice der Beratung Oliver Wyman. „Die Unternehmen haben die Ausfälle weggesteckt.“ Auch sein Kollege Sven Marlinghaus von der auf Logistik spezialisierten Beratung Brainnet sagt: „Die Lieferketten haben fast überall gehalten, und die Produktion lief weiter.“ Fast alle Probleme hätten schnell und ohne große Abstriche gelöst werden können. „Die Auswirkungen sind nicht so gravierend wie immer dargestellt“, sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen.

"Die deutschen Unternehmen sind flexibler und effizienter denn je"

Dass die von manchen prophezeite Apokalypse ausfiel, liegt nicht nur an der schnellen Wiederaufnahme des Flugverkehrs. Die deutschen Unternehmen haben vielmehr aus den Unterbrechungen des Flugverkehrs nach den Terroranschlägen von New York 2001, der Atemwegserkrankung Sars 2003 und der Angst vor der Vogelgrippe 2009 gelernt. Dazu hat die forcierte Globalisierung in den vergangenen zehn Jahren das Bewusstsein der Manager für die weltweite Abhängigkeit und das Erfordernis der Risikominimierung geschärft.

„Die deutschen Unternehmen sind flexibler und effizienter denn je“, lobt Berater Kautzsch. „Und das trotz der Belastungen durch die zu Ende gehende Krise.“ Ein Blick in die wichtigsten Branchen zeigt, wie geschickt und planvoll die Wirtschaftskapitäne inzwischen mit Schock-erlebnissen wie der Aschewolke umgehen. Die Mittel reichen, das zeigen sechs Beispiele aus der Praxis der vergangenen Tage, von ausgeklügelter Lagerhaltung über erprobte Notfallpläne und hochflexible Produktionssysteme bis zur gezielten Regionalisierung der Lieferbeziehungen.

Die geringen Auswirkungen der Vulkanwolke belegt auch eine Blitzumfrage der Unternehmensberatung Roland Berger unter deutschen Maschinenbauern sowie Automobilzulieferern. Fast 70 Prozent der Einkaufsmanager dieser Unternehmen erwarten keine negativen logistischen Spätfolgen der Vulkanwolke.

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