Aston Martin-Chef Ulrich Bez : "Das letzte, was ein Sportwagen braucht, ist ein Elektromotor"

Aston Martin-Chef Ulrich Bez : "Das letzte, was ein Sportwagen braucht, ist ein Elektromotor"

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Aston Martin-Chef Ulrich Bez

Der Chef der Sportwagenschmiede Aston Martin, Ulrich Bez , über den neuen Rapide, Hybrid-Autos, die Kooperation mit Toyota und die Suche nach einem neuen Investor.

WirtschaftsWoche: Herr Bez, wie viele Autos hat Aston Martin dank der Abwrackprämien mehr verkauft?

Ulrich Bez: (Lacht) Wir haben angeboten, alte Autos von Aston Martin für 2500 Euro zurückzunehmen. Aber es hat sich niemand gemeldet. Auch sonst haben wir davon nicht profitiert.

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Dabei haben sicher auch Sie Absatzprobleme: Investmentbanker dürften als Käufer Ihrer Autos vorübergehend ausfallen.

Im Umkreis der großen Finanzplätze sind die Verkäufe in der Tat zurückgegangen. Aber das stört mich nicht so sehr wie die Tatsache, dass derzeit – auch von der Politik – eine Stimmung in der Öffentlichkeit geschürt wird, die dazu führt, dass wohlhabende Menschen verunsichert werden, ihr Geld trotz der Wirtschaftskrise für teure, hochwertige Autos oder auch Luxusyachten auszugeben. Dabei stecken in einem Aston Martin rund 600 Arbeitsstunden. Ein Auto sichert also meinen Beschäftigten vier Monate den Job. Für das gleiche Geld könnte man sicher auch zehn Kompaktwagen kaufen. Aber die wären in einem Tag gebaut, dass hätte also einen vergleichsweise geringeren Effekt. Wenn die Leute daran gehindert werden, ihr Geld auszugeben, ist das ganz schlimm für die Wirtschaft.

Lassen Sie kurzarbeiten?

Staatlich geförderte Kurzarbeit gibt es in England leider nicht. Wir haben schon im September vergangenen Jahres beschlossen, die Produktion zu drosseln. Deshalb mussten wir Mitarbeiter entlassen und haben zeitweise nur drei Tage in der Woche gearbeitet. Deshalb können wir in diesem Jahr auch mit einem Verkauf von nur 4500 Autos profitabel sein.

Manche Leute behaupten, die Krise gehe zu Ende. Stellen Sie bereits wieder Personal ein?

Ob die Krise zu Ende ist, lässt sich erst in einem Jahr beurteilen. Ich rechne jedenfalls damit, dass die Autoindustrie frühestens 2012 wieder da sein wird, wo sie 2007 war. Damals haben wir 7000 Autos gemacht.

Der neue viertürige Rapide, den Sie auf der IAA vorstellen, kommt also zur Unzeit?

Die Autoindustrie arbeitet in Zyklen von vier oder fünf Jahren. Da können Sie nicht kurzfristig ein Projekt komplett einstellen. Das passiert nur in Extremfällen.

Den Rapide lassen Sie bei Magna Steyr fertigen. Haben Sie mit denen über einen verzögerten Serienanlauf gesprochen?

Nein, warum sollten wir? Wir haben uns so aufgestellt, dass wir es uns erlauben können jetzt nicht nur den Rapide, sondern auch den Vantage V12 und den DBS Volante auf den Markt zu bringen. Wir werden auch das Cygnet-Konzept durchziehen und den Supersportwagen One77. Nur das Projekt Lagonda (den Bau eines sportlichen SUV auf Mercedes-Basis, Anm. d. Red.) haben wir zeitlich nach hinten geschoben.

Wird es vom Rapide auch eine Hybridversion geben?

Das Letzte, was ein Sportwagen braucht, ist ein Elektromotor. Ebenso wenig braucht das Elektroauto einen Sportwagen: Was soll das? Wenn Sie damit dreimal voll beschleunigen, ist der Akku erschöpft. Der Akku für einen Hybridantrieb im Rapide würde 20 000 Euro kosten und 100 Kilo wiegen. Das Originäre des Sportwagens ginge darüber verloren.

Einen Rapide Hybrid wird es also nicht geben?

Nein. Der Hybrid schleppt eine ganze Menge Technik mit sich herum, kann aber nichts besser als ein gleichstarkes Auto mit Benzin- oder Dieselmotor. Gerade die Benziner sind in den vergangenen Jahren immer effizienter geworden, und diese Entwicklung ist noch nicht am Ende. Wir haben die CO2-Emissionen unserer Fahrzeuge seit 2000 um über 25 Prozent gesenkt. Außerdem hat bis heute kein Mensch die Akkus recyelt. Man optimiert ein Auto immer für seinen Einsatzzweck: Wer sparsam mit einem Aston Martin durch die Stadt fahren will, kriegt von uns künftig den Cygnet.

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