Atom-Katastrophe: Zwischen Pietät und Profit

Atom-Katastrophe: Zwischen Pietät und Profit

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Ein Toyota Yaris, der im Hafen von Sendei vom Tsunami mitgerissen wurde. Der Neuwagen stand zuvor bereit um nach Amerika exportiert zu werden. VW-Chef Winterkorn hofft jetzt Toyota auf dem Internationalen Markt zu überholen.

Das Atomdesaster in Japan zerstört traditionelle Geschäftsbeziehungen, japanische Firmen müssen ihre Produktion einschränken oder sogar unterbrechen. Neue Lieferanten steigen auf, gute Chancen für deutsche Unternehmen.

Es gilt als Tabu, in Zeiten menschlicher Tragödien über Geschäfte zu reden. Darum dringt, während in Japan Tausende vor den atomaren Strahlen fliehen, nur wenig von der Kehrseite des Unglücks an die Öffentlichkeit.

Natürlich will niemand bei Elmos Semiconductor in Dortmund gern über die Folgen der Katastrophen in Japan für das eigene Geschäft sprechen. Das börsennotierte Unternehmen fertigt integrierte Schaltkreise unter anderem für die Automobilindustrie. Elmos könnte, wenn es sein müsste, früher oder später für japanische Lieferanten einspringen. Es habe erste Anfragen von Autobauern oder deren Zulieferern gegeben, heißt es mit pietätvoller Selbstbeschränkung, „allerdings in überschaubarem Rahmen“.

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Ebenfalls von „Anfragen“ berichten Mitarbeiter des Münchner Chipherstellers Infineon hinter vorgehaltener Hand. Ein deutscher Autohersteller habe vorgefühlt, ob Infineon als zweiter Lieferant einspringen könne, wenn die Probleme in Japan anhielten.

Wirtschaftliche Folgen reichen weit über das Ereignis hinaus

Einen Schritt weiter ist der japanische Computerhersteller Fujitsu. Der Ex-Partner von Siemens hat nach dem Atomunglück in der Heimat die Produktion in seinem Montagewerk in Augsburg hochgefahren und die Belegschaft aufgestockt. Dort baut der Konzern jetzt alle Desktop-Rechner, Internet-Server und die meisten Notebooks für den europäischen Markt.

Je länger das Atomdesaster in Fukushima und die Folgen des Erdbebens die Unternehmen der Region zum Stillstand zwingen, je häufiger Meldungen über fehlende Teile aus Japan um die Welt gehen und je größer die Unsicherheit über den Ausgang des Dramas, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass auch die wirtschaftlichen Folgen der Unglücke weit über das aktuelle Ereignis hinausreichen.

Zwar haben in den vergangenen Jahren Streiks oder Naturereignisse wie der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull die weltweiten Lieferketten und damit die Produktion unterbrochen. Doch diesmal sind durch die Atomkatastrophe Dauer und Entwicklung der Störung unkalkulierbar, drohen Strommangel und -ausfälle ihre lähmende Wirkung auf unbestimmte Zeit zu entfalten.

„Die Engpässe spüren wir erst in einigen Monaten“, prognostiziert der Düsseldorfer Unternehmensberater und Einkaufsspezialist Gerd Kerkhoff. Die betroffenen Unternehmen würden sich nach Alternativen umsehen und auf andere Lieferanten zurückgreifen. „Eine Vielzahl von Firmen kommt auf uns zu, die über alternative Beschaffungsquellen nachdenken“, sagt auch Paul Graham, Geschäftsführer bei DHL in Asien, der Logistiksparte der Deutschen Post. „Bei einigen geht es nur um kurzfristige Lösungen, andere denken über ein grundsätzliches Backup für den japanischen Markt nach oder suchen gar nach permanenten Alternativen.“

Damit wachsen für viele Unternehmen die Chancen, kurzfristig oder auch für längere Zeit die Lücken zu schließen, die die atomgeschädigten japanischen Konkurrenten hinterlassen. Zulieferer aus der zweiten Reihe erhalten auf einmal die Gelegenheit, langfristig besser ins Geschäft zu kommen. Firmenchefs justieren ihr unzureichendes Risikomanagement neu, indem sie sich zusätzliche, sicherere Bezugsquellen erschließen. Und vor allem Endhersteller lauern auf den Moment, Marktanteile erobern zu können.

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