Atomausstieg: Chemie-Verband distanziert sich von seinem Präsidenten

Atomausstieg: Chemie-Verband distanziert sich von seinem Präsidenten

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Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG

Evonik-Chef Klaus Engel hatte am Montag mit Äußerungen zum Atomausstieg überrascht. Er sei für die Industrie "vertretbar". Der Verband der chemischen Industrie, dem Engel vorsteht, sieht das anders.

Deutsche Industrie und ihre Verbände liefern sich ein Hickhack um die bessere Position als Antwort auf den Atomausstiegsbeschluss der Bundesregierung. So vertreten der RWE- und der Evonik-Chef unterschiedliche Positionen. RWE-Chef Jürgen Großmann kritisierte gestern auf einer Podiumsdiskussion des Initiativkreises Ruhr, einer Interessenverbindung der Industrie im Ruhrgebiet, Kanzlerin Angela Merkel dafür, "dass bei den Ausstiegsplänen eine Umkehr" nicht möglich sei.

Ganz anders Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns Evonik, der sich auf der selben Veranstaltung positiv zum Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022, was den Plänen der Bundesregierung entspricht.  Doch mit Engels Bekenntnis tat sich ein weiterer Widerspruch auf.

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Engel ist nicht nur Chef des größten deutschen Spezialchemieherstellers, sondern auch Präsident des Verbandes der chemischen Industrie (VCI). Der Ausstieg sei vertretbar, so Engel, "weil wir seit dem rot-grünen Ausstiegsgesetz genügend Zeit hatten, uns darauf einzustellen", fuhr Engel fort.

Verband diskutiert keinen Ausstiegstermin

Doch für wen sprach Engel? Für Evonik, für seinen Großaktionär RAG-Stiftung, in deren Kuratorium auch Ausstiegsbefürworterin Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen eine gewichtige Stimme hat? Oder gab Engel gar eine neue Richtung des VCI aus, dem er vorsteht?

Der VCI hatte sich bisher eher negativ zum Ausstiegsbeschluss verhalten. Nun sagt VCI-Kommunikationschef Manfred Ritz zu wiwo.de: "Es geht uns vor allem um die Aufrechterhaltung der Strom-Grundlast, mit welchem Energieträger auch immer. Aber wir haben uns niemals als Verband zu einem Ausstiegstermin geäußert. Es ist nicht unser Anliegen, uns in eine Termindiskussion einzumischen." Deutlicher konnte der Verband nicht von den Worten seines Vorsitzenden distanzieren - nur wenige Stunden nachdem sie gefallen waren.

Engel spricht für Evonik

Bei Evonik hieß es am Dienstag Mittag, Engel werde zwar in beiden Funktionen - die des Vorstandschefs und die des Verbandspräsidenten - wahrgenommen. Auf dem Podium der Zeche Zollverein, wo die Veranstaltung am Montag stattfand, habe er aber vor allem in der Rolle des Konzernchefs seine Meinung geäußert. Doch damit ist nicht alles gesagt.

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