Atomausstieg: Schlechte Energie

Atomausstieg: Schlechte Energie

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Ein Kühlturm eines Kernkraftwerkes neben einem Strommast.

von Andreas Wildhagen

Wohin mit den Atomkraftsparten? Die Energieversorger suchen nach Lösungen für die Kosten des Atomausstiegs. Einige wollen Staatsgelder, andere setzen auf die russische Karte.

Auf der traditionellen "Vattenfall-Business-Night" beruhigte der Deutschland-Statthalter des schwedischen Energiekonzerns noch die Gemüter: "Wir verkaufen unser Deutschland-Geschäft nicht, auch wenn Sie das immer wieder lesen." Ganz so heftig werde die Reaktion auf den politisch erzwungenen Ausstieg aus der Atomenergie nicht ausfallen, versprach der Finne Tuomo Hatakka seinen Mitarbeitern.

Das ist erst ein paar Wochen her. Die Ernüchterung folgte schon zehn Tage später. Da plauderte Øystein Løseth, der in der Stockholmer Konzernzentrale residierende Vattenfall-Chef, vor den Mikrofonen des Stockholmer Rundfunksenders SR aus, was in der Deutschland-Niederlassung in Berlin niemand zu denken wagte. Vattenfall erwäge "den Verkauf oder die Stilllegung von Kohlekraftwerken in Deutschland".

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Kein Tabu mehr

Was Løseth offen aussprach, wird zur Zeit überall in den Chefetagen der deutschen Energieversorger intern erörtert: der Rückzug aus dem Geschäft und das gleichzeitige Abwälzen der Verantwortung für die Energieversorgung von den Konzernen auf den Staat. Gingen die Politiker darauf ein, wäre dies eine Bankrotterklärung deutscher Energiepolitik. Zwölf Jahre nach der versuchten Liberalisierung des Strommarktes und der Privatisierung der Versorger, müsste sich die Politik eingestehen, dass das Experiment misslungen ist.

Nichts ist bei den Stromgiganten mehr tabu: Sowohl die Gründung staatlich dominierter Stiftungen, in denen die Risiken der absterbenden Atomwirtschaft entsorgt werden könnten als auch der Exodus ganzer Energiekonzerne aus deutschen Landen wird diskutiert - und, sollte das nicht gehen, wird auch die Einbringung deutscher Kraftwerke in deutsch-russische Gemeinschaftsunternehmen erörtert. Hatten die Energiemanager vor Monaten noch Angst, sich allzu stark von der staatlich kontrollierten russischen Energiewirtschaft abhängig zu machen, ist diese Furcht mittlerweile verflogen.

Demonstrierende Bevölkerung

Den Energiemanagern in Deutschland ist der Spaß an der Stromerzeugung vergangen, nachdem absehbar ist, dass die 17 einst hochprofitablen Atommeiler vom Netz gehen müssen, der letzte 2022. Hinzu kommen die drohenden Belastungen der Stromerzeugung aus Braunkohle durch den kostspieligen Einkauf von Verschmutzungszertifikaten, den die EU von 2013 an den Versorgern auferlegt. Und dann regt sich überall, wo neue Steinkohlekraftwerke entstehen sollen, auch noch fast flächendeckend Widerstand.

Die Bevölkerung wehrt sich mit Klagen, Demos und politischen Initiativen auf Kommunalebene gegen solche Pläne – zuletzt am Hamburger Vattenfall-Standort Moorburg, wo technische Auflagen den Kraftwerksneubau wirtschaftlich als nicht mehr als lohnend erscheinen lassen. Selbst der Bau vergleichsweise sauberer Gaskraftwerke bleibt ein schönes betriebswirtschaftliches Risiko, weil niemand die Preisentwicklung beim Erdgas in den nächsten Jahren kennt.

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