Atomausstieg: Windkraft muss mehr Leistung bringen

Atomausstieg: Windkraft muss mehr Leistung bringen

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Windkraftanlagen, aufgenommen bei Abenddaemmerung in der Naehe der Gemeinde Titz.

von Mario Brück

Der Ausbau von Windkraftanlagen, eine tragende Säule der grünen Energiezukunft Deutschlands, wackelt gewaltig.

Windenergie ist die wichtigste alternative Energiequelle. Ihr Anteil am Strommix erhöhte sich in den ersten sechs Monaten des Jahres um knapp einen Prozentpunkt auf 7,5 Prozent. Doch von den Plänen der Bundesregierung, vor allem für die Offshore-Windparks, ist die Branche weit entfernt: Windparks vor den deutschen Nord- und Ostseeküsten sollen, so der politische Wille, bis zum Jahr 2020 rund zehn Gigawatt und bis 2030 sogar 20 bis 25 Gigawatt Windenergieleistung liefern – mehr als die Kapazität der 17 deutschen Kern- kraftwerke in Höhe von rund 20 Gigawatt.

Nur: Installiert sind davon bis heute erst 50 Mühlen mit mickrigen 200 Megawatt, also ein Prozent der angestrebten Ausbaupläne. Für Tempo sollen nun Vereinfachungen bei den Genehmigungsverfahren für Meereswindparks bringen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) wird künftig einziger Ansprechpartner sein und über Anträge entscheiden.

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Desinteresse der Stromkonzerne

Ob das den Durchbruch bringt, ist fraglich. Denn schleppende Genehmigungen können nicht schuld am fehlenden Ausbau sein: Laut BSH wurden seit 2001 insgesamt 27 Windparks mit insgesamt knapp 2000 Windenergieanlagen genehmigt. Das dürfte, je nach Größe der Windmühlen, locker der Leistung entsprechen, die bis 2020 geplant ist.

Im Klartext: Die Investitionen, nicht die Genehmigungen hinken hinterher. Das liegt unter anderem am Desinteresse der großen Stromkonzerne und Stadtwerke, jedenfalls bis zur Atomkatastrophe im März im japanischen Fukushima und den daraus resultierenden Folgen.

So hat der Stadtwerkeverbund Trianel schon seit Juni 2008 die Genehmigung zum Bau und Betrieb des Windparks Borkum West II in der Nordsee in der Tasche. 80 Turbinen mit einer Leistung von insgesamt 400 Megawatt könnten dort längst Strom produzieren. Doch bis heute dreht sich dort kein einziger Rotor.

Mehr Kohle mit Kernkraft

Auch der Energieriese EnBW erwarb schon im März 2008 die Genehmigungen für den Bau des Windparks Baltic 1 in der Ostsee. Mehr als drei Jahre brauchte der Konzern, um das Minikraftwerk mit 21 Mühlen und einer Leistung von knapp 50 Megawatt ans Netz zu bringen.

Zwei Gründe geben den Ausschlag für die Langsamkeit der großen Versorger und der Stadtwerke: Die Unternehmen fürchten zum einen, mit den aufwendigen und milliardenteuren Windkraftwerken zu wenig zu verdienen.

Die Gewinne der abgeschriebenen Kohle- und Kernkraftwerke sind ungleich höher. Zum anderen wollten E.On, RWE & Co. offenbar vermeiden, mit eigenen Windmühlen ihren vorhandenen Kraftwerken Konkurrenz zu machen. Wenn Windmühlen das Stromnetz mit Elektrizität überfluten, müssten die Versorger hoch profitable Altmeiler sogar abschalten.

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