Atomkraft: RWE bietet günstigen Strom gegen längere AKW-Laufzeit

Atomkraft: RWE bietet günstigen Strom gegen längere AKW-Laufzeit

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Ein Würfel mit dem Logo des Energieversorgers RWE dreht sich in Essen auf dem Dach eines Hochhauses des Konzerns.

Warum RWE-Chef Jürgen Großmann die Politik mit einem Spezialtarif für Strom aus Kernkraftwerken herausfordert.

„Dass Energie billiger wird“, sagt Jürgen Großmann, „damit würde ich nicht rechnen.“ Großmanns Satz hat Gewicht: Der Mann ist Chef des hinter E.On zweitgrößten deutschen Energieversorgers. 23,5 Millionen Strom- und Gaskunden bekommen von ihm ihre Rechnung. Zuletzt fuhr RWE einen Jahresgewinn von acht Milliarden Euro ein und profitiert davon, dass die Energiekosten in Deutschland ständig steigen, um knapp zehn Prozent jährlich. Im Land wächst der Unmut über hohe Preise, nicht nur bei Verbrauchern. „Lasst die Tassen im Schrank“, mahnte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Konzerne.

Mitten in diese Stimmung platziert Großmann nun eine Idee – RWE denkt über einen Atomstromtarif nach, der billiger ist als der bestehende Tarif. Großmann: „RWE prüft, Kernenergie als Produkt anzubieten“, und ergänzt: „Der mündige Bürger soll entscheiden, aus welchen Stromquellen er seine Energie bezieht.“ Atomstrom auf Augenhöhe mit Ökostrom aus Wind- und Wasserkraft – nur preiswerter? Soll Ökostrom zur Luxusenergie werden? Ein Reizthema. „Wenn wir Atomstrom für den Massenmarkt anbieten, dann wird man sehen, wie populär diese Energieform in Deutschland ist“, sagt ein RWE-Manager. Atomkraft für Arme? In „wenigen Wochen“, heißt es bei RWE, „werden wir mit einem Angebot kommen“.

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Keiner schießt den Vogel so spektakulär ab wie Großmann. Denn mit der Ankündigung fordert er, konsequent zu Ende gedacht, das Ende des Atomausstiegsbeschlusses, den die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler und Großmann-Freund Gerhard Schröder im Jahr 2000 beschloss. Denn Großmann garniert sein Versprechen, preiswerten Atomstrom anzubieten, mit einer provokanten Forderung: Er will die Laufzeiten der Kernkraftwerke generell um 25 Jahre verlängert sehen. Das verlangt er für die gesamte Branche.

Im Ausstiegsbeschluss war die Betriebsdauer eines Kraftwerks auf durchschnittlich 32 Jahre begrenzt worden – die meisten Kraftwerke waren da bereits über 20 Jahre in Betrieb. Als Folge müssten bis spätestens 2022 sämtliche AKWs vom Netz gehen, als letztes Neckarwestheim II des baden-württembergischen Versorgers EnBW.

Atomkraftwerke sind längst abgeschrieben

Die Rechnung bringt auch RWE, das in Deutschland drei Kernkraftwerke betreibt, in die Bredouille. Danach muss der RWE-Meiler Biblis A Anfang 2010 stillgelegt werden. Block B wird Mitte desselben Jahres heruntergefahren. Würde den umstrittenen Kraftwerken jedoch eine international übliche Nutzungsdauer von 60 Jahren erlaubt, könnte RWE die Biblis-Blöcke bis weit über das Jahr 2030 hinaus laufen lassen – und Kostenvorteile von 300 Millionen Euro jährlich für sich herausholen.

Das wäre eine kalkulatorische Bonanza. Denn die Atomkraftwerke sind längst abgeschrieben. Sie produzieren Strom daher billiger als Steinkohle- oder Gaskraftwerke dies je könnten – und pusten auch kein CO2 in die Atmosphäre. Seine Offerte verkauft Großmann entsprechend als Leckerbissen für Umweltpolitiker, könnten doch mit Atomstrom die internationalen Klimaschutzziele, die unter anderem die deutliche Reduktion der CO2-Emissionen vorsehen, leichter erreicht werden.

Großmanns Vorschlag wird noch zu mehr Streit unter den Energiepolitikern führen. Umweltminister Sigmar Gabriel ist schon auf der Palme: „Atomkraft ist keine Öko-Energie, das ist ein Witz.“ Über Gabriel kursieren in Berlin – wenn auch dementierte – Gerüchte, er wolle eine „Brennelementesteuer“ durchsetzen. Bei allen Kostenbetrachtungen steht bei der Kernkraft nach wie vor das Entsorgungsproblem ins Haus. So schlug kürzlich die niedersächsische Reaktorschrott-Tiefdeponie Asse Leck – eine Endlagerhoffnung der Branche, die nun auch brüchig wurde.

Doch Großmann hat noch einen weiteren Pfeil im Köcher. Kostenvorteile, die er durch den Weiterbetrieb seiner Kernkraftwerke Lingen, Biblis und Gundremmingen erzielen könnte, wolle RWE auch für Energieeffizienz-Forschung ausgeben. Ein Teil des Gewinns könnte verwendet werden, um Hartz-IV-Empfängern oder anderen sozial Schwachen eine Art „Armentarif“ anzubieten. Die Regelung eines „Sozialtarifs“ bleibe Sache der Bundesländer.

Um wie viel preiswerter RWE Atomstrom am Ende wirklich anbietet, ist noch offen. Klar ist zwar, dass die Strom-Produktionskosten von Atommeilern zehn Prozent niedriger liegen als die von Braunkohlekraftwerken. Ob die Differenz an die Kunden weitergegeben wird? Am Ende gilt, bei allem Wirbel um den Vorstoß, noch immer der Erste Großmann’sche Lehrsatz: Mit billigerer Energie sei nicht zu rechnen.

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