Attraktivitäts-Test: Kapitalerhöhung eröffnet Commerzbank neue Chance

Attraktivitäts-Test: Kapitalerhöhung eröffnet Commerzbank neue Chance

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Frische Millionen: Die Commerzbank stockt ihr Aktienkapital auf

von Mark Fehr

Die Commerzbank stockt ihr Kapital auf, doch der Staat bleibt weiter zu einem Viertel beteiligt. Trotzdem bietet die Maßnahme eine besondere Chance für das mit Steuergeld gestützte Geldhaus.

Eines der wichtigsten deutschen Kreditinstitute sorgt für Spannung an den Märkten. Die Commerzbank will ihr Grundkapital um bis zu zehn Prozent erhöhen – und dafür mehr als 118 Millionen neue Aktien ausgeben. Ist das der Befreiungsschlag von der staatlichen Umklammerung, in die sich der durch die Finanzkrise gebeutelte Konzern Ende 2009 retten musste?

Nein, denn der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung bleibt auch nach der heute angekündigten Kapitalerhöhung zu 25 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Der Soffin kann seinen Anteil mühelos halten – er wandelt zu diesem Zweck lediglich einen Teil seiner stillen Einlage in Commerzbank-Aktien um.

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Diese komfortable Möglichkeit fehlt privaten Anlegern und institutionellen Investoren, die Commerzbank-Aktien halten. Ihr Anteil am Kapital des Kreditinstituts sinkt nach der Kapitalerhöhung. Wegen dieser Verwässerung gab der Börsenkurs um drei Prozent auf 5,46 Euro je Aktie nach. Die Commerzbank war daher zuletzt Schlusslicht im Dax.

Sacheinlage statt Bargeld

Eine 16,4 Milliarden Euro schwere stille Staatseinlage macht den größten Brocken der insgesamt 18,2 Milliarden Euro aus, die der Rettungsfonds während der Finanzkrise in das zuvor rein privat finanzierte Institut gepumpt hat. Aktien erhielt der Staat damals nur für den Restbetrag von 1,8 Milliarden Euro.

Frisches Bargeld kassiert die Commerzbank allerdings durch die aktuelle Kapitalerhöhung nicht. Die Controller buchen stattdessen Anleihen, die zum hybriden Kapital zählen, in Grundkapital um.

Der Hintergrund: Die Banken Credit Suisse, Citigroup, Goldman Sachs und UBS kaufen Schuldtitel gegen die Commerzbank von den bisherigen Gläubigern auf und geben sie an institutionelle Investoren weiter. Letztere stecken die Papiere dann als Sacheinlage in die Commerzbank und erhalten dafür neue Aktien. Nach internationalen Bilanzregeln entsteht dabei ein Gewinn, weil das von der Commerzbank beauftragte Bankenkonsortium die Schuldtitel zu einem günstigen Preis von den bisherigen Investoren zurückkaufen kann.

Die Commerzbank sieht die Kapitalerhöhung als Schritt, den als Basel III bezeichneten verschärften Vorschriften für die internationale Finanzindustrie gerecht zu werden. Die neuen Regeln verlangen eine höhere Finanzierung der Banken mit Eigenkapital.

Die Aktion lässt sich aber auch anders interpretieren: Wenn Investoren Anteile an der Commerzbank erwerben, glauben sie offenbar an künftige Renditen. Eine erfolgreiche Kapitalerhöhung eröffnet dem Institut daher die Chance, sich an der Börse als lohnendes Anlageobjekt zu präsentieren. Die Commerzbank kann jetzt einen ersten Test absolvieren, bevor irgendwann größere Maßnahmen stattfinden, mit denen auch die staatlichen Einlagen zurückgezahlt werden.

Doch dahin ist es noch ein weiter Weg. Selbst wenn die Bank ihr Kapital jetzt tatsächlich, wie von Marktteilnehmern vermutet, um geschätzt mehr als 600 Millionen Euro aufstockt, wäre das nur ein kleiner Betrag verglichen mit den Staatsmilliarden, die bislang in dem Institut stecken.

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