AUB-Chef Rainer Knoob im Interview: "Wir wurden gutgläubig missbraucht"

AUB-Chef Rainer Knoob im Interview: "Wir wurden gutgläubig missbraucht"

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Rainer Knoob, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB)

Morgen beginnt in Nürnberg der Prozess gegen den ehemaligen AUB-Chef Wilhelm Schelsky. Mit wiwo.de sprach sein Nachfolger Rainer Knoob über seine Erwartungen an das Verfahren, die Glaubwürdigkeit seiner Gewerkschaft und den anhaltenden Mitgliederschwund.

WirtschaftsWoche: Morgen beginnt in Nürnberg der Prozess gegen Ihren ehemaligen Vorsitzenden Wilhelm Schelsky. Laut den Ermittlungsakten soll er nicht nur bei Siemens und Aldi-Nord, sondern bei zahlreichen weiteren Unternehmen für bequeme Mitarbeitervertretungen gesorgt haben. Bricht damit nicht Ihre bisherige Argumentation, die AUB-Betriebsräte seien ahnungslos gewesen, zusammen?

Knoob: Unsere Argumentation bricht nicht zusammen. Wir sind genauso wie das Gericht und die Öffentlichkeit an einer Aufarbeitung der Affäre interessiert. Und wir haben immer gesagt, dass wir nicht ausschließen können, dass da noch etwas kommt.

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Die neuen Enthüllungen und Ermittlungsergebnisse, die nun im Prozess auf den Tisch kommen, drohen doch die Glaubwürdigkeit der AUB endgültig zu zerstören.

Knoob: Ich traue Herrn Schelsky alles zu - und viele AUB-Vorstände waren wirtschaftlich von ihm abhängig. Dass alle nichts gewusst haben etwa über die Finanzbeziehungen Schelskys und damit der AUB zu Siemens, kann ich mir nicht vorstellen. Aber für unsere Betriebsräte würde ich meine Hand ins Feuer legen.

Trotz des Eindruck, dass genau diese Betriebsräte an den Fäden der Geschäftsführungen hingen oder noch hängen?

Knoob: Ich hoffe, dass der Eindruck im Prozess widerlegt wird. Bis heute ist kein einziger AUB-Betriebsrat der Beeinflussung verdächtig. Vielleicht wurden einzelne Personen von ihren Chefs ausgesucht und angesprochen, ob sie kandidieren wollen. Ob Schelsky seine Hände dabei im Spiel hatte, auch das kann man nicht ausschließen.

Es geht angeblich um Fälle in rund 40 Unternehmen...

Knoob: In den meisten ist aber nichts bewiesen. Es gibt auch keine stichhaltigen Belege dafür, dass beispielsweise ein früherer Handelsexperte der AUB, der angeblich heimlich direkt von Aldi-Nord bezahlt wurde, dies selber wusste. Im Fall Metro-Group und Saturn hätte die AUB sowieso keinen Einfluss gehabt - dort haben wir nur drei einfache Mitglieder. Mich interessiert: Welche Betriebsräte wurden ausgenutzt? Wir wurden doch fast alle gutgläubig missbraucht.

Sie selber sind Betriebsrat bei Airbus in Hamburg. Können Sie ausschließen, dass das ebenfalls der Arbeitgeber initiiert und Herr Schelsky seine Hände im Spiel hatte?

Knoob: Das kann ich hundertprozentig ausschließen. Ich habe mich 1994 aus Verärgerung über mein Unternehmen und die IG Metall zur Wahl gestellt. Damit hatte weder Schelsky was zu tun noch mein Arbeitgeber ein Interesse daran.

Laufen der AUB angesichts der angeknacksten Glaubwürdigkeit noch immer die Mitglieder davon?

Knoob: Leider treten noch Mitglieder aus. Aktuell haben wir mehr noch als 7300 Mitglieder...

....also rund 200 weniger als im Juli. Da waren es 7530.

Knoob: Aber es gibt so gut wie keine aktiven Betriebsräte mehr, die uns den Rücken kehren.

Und wenn beim Prozess in Nürnberg neue Enthüllungen auf den Tisch kommen, kommt dann die Selbstauflösung der AUB?

Knoob: Sicher nicht. Nach gründlicher Aufarbeitung der Ära Schelsky wird es eine neue und sauber aufgestellte AUB geben. In der die Mitglieder wieder sagen: „Ja, ich bin AUB."

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