Auch Kunde beim Doping-Arzt Fuentes: Radprofi Jörg Jaksche löst Lawine aus

Auch Kunde beim Doping-Arzt Fuentes: Radprofi Jörg Jaksche löst Lawine aus

Radprofi Jörg Jaksche hat jahrelanges Doping gestanden. Kurz vor der Tour de Suisse im Juni 1997 habe er zum ersten Mal Epo gespritzt, sagte der 30-Jährige dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

HB WIESBADEN. Jaksche hat mit seinem Dopinggeständnis eine Lawine losgetreten und schwere Anschuldigungen gegen den Weltverband UCI erhoben. Der 30-jährige Arztsohn aus Ansbach beschuldigte zudem die heutigen Teamchefs Bjarne Riis (CSC) und Gianluigi Stanga (Milram) sowie den ehemaligen Telekom-Teamchef und jetzigen Astana-Berater Walter Godefroot zumindest der Mitwisserschaft. Der Deutschen Presse- Agentur dpa sagte er am Samstag, dass er nach seinem spektakulären Geständnis „jetzt zu Hause erst Mal abwartet, was kommt“. Wie der lange vor ihm geständige spanische Profi Jésus Manzano beschrieb Jaksche das Doping-Problem im Profiradsport als immer noch Flächen deckend. „Es ist pervers, aber das Doping-System ist gerecht, weil alle dopen. Radsport ohne Doping ist nur gerecht, wenn wirklich niemand mehr dopt“, sagte Jaksche, „mir hat ein Fahrer erzählt, dass es wegen der Trainingskontrollen Deals geben soll zwischen ein paar Mannschaften und dem Weltradsportverband. Da muss man annehmen, dass es kein generelles Umdenken gibt. Das hat mir dieser Fahrer stolz erzählt. Da wusste ich: Nichts hat sich geändert.“ Den Namen des Fahrers nannte Jaksche nicht. Kurz vor der Tour de Suisse im Juni 1997 habe er zum ersten Mal Epo gespritzt, sagte Jaksche, der auch mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zusammenarbeitete und die Existenz von ihm gelagerter Blutbeutel bestätigte. Die von der Guardia Civil nach der Razzia bei Fuentes am 23. Juni 2006 sichergestellten drei 0,5 Liter-Behälter mit dem Codenamen „Bella“ gehören ihm, sagte Jaksche: „Bella hieß meine vor drei Jahren gestorbene Labradorhündin.“ Von 2005 an habe er sich verbotenen Eigenbluttherapien unterzogen. Neben Jan Ullrich ist Jaksche der zweite deutsche Profi auf der Fuentes-Kunden-Liste. Mit Riis, der vor Wochen ein umfassendes Doping-Geständnis die 90er Jahre betreffend abgelegt hatte, habe er sich „über Cortekoide“ ausgetauscht, die erste EPO-Spritze hätte er im von Stanga geleiteten italienischen Polti-Team 1997 erhalten. „Wenn du in deiner ersten Tour unter die ersten 20 fährst, musst du für deine Medizin nichts bezahlen“, soll ihm der heutige Teamchef von Erik Zabels und Alessandro Petacchis Milram-Team 1998 mit auf den Weg gegeben haben. Jaksche: „Godefroot ging es nicht darum, auszuschließen, dass jemand dopt, sondern dass er ungeschickt dopt.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum sich Jaksche als Kronzeuge für deutsche Ermittlungsbehörden zur Verfügung stellen will

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