Aufschwung trotz Schuldenkrise: Wie die deutsche Industrie den Weltmarkt zurückerobert

Aufschwung trotz Schuldenkrise: Wie die deutsche Industrie den Weltmarkt zurückerobert

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Container Terminal Altenwerder

von Bert Losse und Mario Brück

Der schwache Euro ist Doping für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Wie stark das Wachstum ausfällt, liegt jetzt auch an den Unternehmen. Sie müssen noch manche Hürden überwinden, um vom Aufschwung zu profitieren.

Gerd-Christian Titgemeyer suchte nach griffigen Bildern, als er rund 40 Unternehmer aus der Region zum sonntäglichen Plausch einlud. „Die Wirtschaftskrise liegt wie eine Aschewolke über Deutschland“, sagte der Präsident der IHK Osnabrück-Emsland. „Wie lange wird es noch dauern, bis die Unternehmen nicht mehr auf Sicht fliegen müssen?“

Hätte Titgemeyer bei seiner Ansprache vor vier Wochen die jüngsten Zahlen zur Exportentwicklung der deutschen Industrie gekannt, hätte er den Luftraum wohl schon freigegeben und den Unternehmern einen guten Flug gewünscht. Denn während EU-Vertreter, Regierungen und Notenbanken den Euro zu retten versuchen, erreicht eine ermutigende Nachricht die deutsche Wirtschaft. Im März sind die Exporte von hier so stark gestiegen wie seit 18 Jahren nicht mehr.

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Die Ausfuhren, die über 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen, legten um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Februar zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilt – der kräftigste Exportzuwachs seit Juli 1992. Damals waren es gut elf Prozent. Erwartet hatte die Fachwelt lediglich ein bereinigtes Plus von 2,6 Prozent. Im Februar war das Wachstum mit fünf Prozent nicht einmal halb so stark ausgefallen. Damit machten die Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten in der Summe viel von dem wett, was ihnen zuvor im Ausland an Geschäft weggebrochen war. „Das sind beeindruckende Zahlen“, jubelt CitiGroup-Ökonom Jürgen Michels. „Die deutsche Wirtschaft hat wieder Fahrt aufgenommen, insbesondere die Industrie.“

Hinterlassenschaften der Krise

Doch ein Freifahrtschein für den ungebremsten Aufschwung ist damit nicht verbunden. Die bisher schärfste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit hat den Unternehmen Hürden hinterlassen, die viele von ihnen in dieser Form erstmals kennenlernen und die so mancher Firmenchef erst noch überwinden muss. Wie das funktionieren kann und welche Hindernisse aus dem Weg zu räumen sind, beschreibt wiwo.de anhand von Unternehmen aus verschiedenen Branchen

Weil die Finanzkrise der entscheidende Auslöser der tiefen Rezession war, müssen Unternehmen diesmal zum Beispiel mehr als früher bangen, am Aufschwung nicht teilnehmen zu können. Viele Banken sind angeschlagen, in ihrem Eigenkapital eingeschränkt und von der tiefen Sorge geprägt, Geld in den Sand zu setzen. Haben Unternehmen in guten Zeiten kein Finanzpolster angelegt, endet der Gang zur Bank schnell mal vor dem Insolvenzrichter.

Deutsche Wirtschaft generell optimistisch für 2010

Andere Unternehmen müssen feststellen, dass ihnen die Ausgaben davonzulaufen drohen, wenn sie die Kosten nicht endlich den schwankenden Einnahmen anpassen. Oder sie stehen vor der Herausforderung, erodierte Geschäftsmodelle durch andere ersetzen, die Einführung neuer Technologien durchhalten oder den ramponierten Ruf verbessern zu müssen.

Trotzdem lassen eine wieder erstarkte Nachfrage, gut gefüllte Auftragsbücher, ein robuster privater Konsum und das Ausbleiben des befürchteten Massakers am Arbeitsmarkt die deutsche Wirtschaft generell optimistisch auf das Jahr eins nach dem schärfsten konjunkturellen Einbruch der Nachkriegszeit blicken. Sogar eine Zwei vor dem Komma beim Wirtschaftswachstum sei „machbar“, wenn es keine Rückschläge in der Weltwirtschaft gebe, Energie und Rohstoffpreise im kalkulierbaren Rahmen blieben und eine flächendeckende Kreditklemme ausbliebe. So zuversichtlich äußerte sich Hans-Peter Keitel, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zur Eröffnung der Hannover Messe vor Monatsfrist. Damit zeigt sich der BDI zuversichtlicher als die EU-Kommission, die von 1,2 Prozent Wachstum für Deutschland ausgeht, oder der Sachverständigenrat, der mit 1,5 Prozent rechnet. Im ersten Quartal gab es nicht den von Ökonomen erwarteten Rückschlag wegen des harten Winters; stattdessen legte das BIP überraschend um 0,2 Prozent zu. Im zweiten Quartal könnten es zwischen 0,8 und 1,0 Prozent werden.

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