Außenwerber JCDecaux: "Deutschland hat ein Riesenpotenzial"

Außenwerber JCDecaux: "Deutschland hat ein Riesenpotenzial"

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Jean-François Decaux, Chef des weltweit zweitgrößten Außenwerbers JCDecaux

Jean-François Decaux, Chef des weltweit zweitgrößten Außenwerbers JCDecaux, spricht im WirtschaftsWoche-Interview über seine Deutschland-Pläne.

WirtschaftsWoche: Herr Decaux, bekannt ist Ihr Unternehmen durch die Wartehäuschen, die Sie an Bushaltestellen aufstellen – auch in Deutschland. Für die Städte ist das kostenlos, dafür dürfen Sie die Werbeflächen dort vermarkten. Doch die Umsätze der Werbewirtschaft sind stark rückläufig. Wann geht es wieder aufwärts?

Decaux: Unser Umsatz ist im ersten Quartal erstmals in unserer Unternehmensgeschichte zurückgegangen, und zwar um 11,9 Prozent auf 424,6 Millionen Euro. Kurzfristig sehe ich keine Aufhellung, im Gegenteil: Das zweite Quartal wird auch deshalb schwieriger, weil wir im zweiten Quartal des Vorjahres um 11,8 Prozent gewachsen sind. Das Buchungsverhalten der Kunden ist so kurzfristig, dass wir keine Aussagen zum dritten oder vierten Quartal machen können.

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Gilt das auch für Deutschland?

Nein. Das erste Quartal war schlecht, im zweiten sehen wir eine gewisse Verbesserung, wobei wir im Gegensatz zu anderen Firmen der Außenwerbung im letzten Jahr gewachsen sind.

Wie wirkt sich die Krise auf die Außenwerber aus?

Die Konsolidierung der Branche wird sich noch verstärken.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen JCDecaux?

Der Zeitpunkt für Übernahmen ist günstig, weil die meisten unserer Konkurrenten hoch verschuldet sind und Finanzierungsprobleme haben. Wir dagegen haben die geringste Verschuldung der Branche und verfügen über Kreditlinien von über 600 Millionen Euro, die wir vor der Krise zu sehr guten Konditionen abgeschlossen haben und die erst 2013 fällig sind. Wir waren schon vor der Krise Motor der Konsolidierung und werden es danach noch viel stärker sein.

Was planen Sie in Deutschland? Sie sind hier erst die Nummer vier unter den Außenwerbern.

Deutschland ist zu stark fragmentiert, hat aber ein riesiges Potenzial, weil viele Städte schlechte Außenwerbung anbieten. Nur 3,5 Prozent des deutschen Werbebudgets fließen in die Außenwerbung, viel weniger als in Großbritannien und Frankreich.

Wollen Sie Ihren deutschen Konkurrenten Wall übernehmen? Sie sind mit 40 Prozent beteiligt und hatten eine Vertriebspartnerschaft geplant.

Ja, wir haben die Gespräche über eine Vertriebspartnerschaft abgebrochen. Sie war immer nur als ein Zwischenschritt für ein Zusammengehen beider Unternehmen gedacht. Daran wollte sich die Familie Wall aber letztlich nicht halten.

Die Übernahme bleibt das Ziel?

Ja, wir haben den Wunsch, Wall mit JCDecaux Deutschland zu fusionieren. Damit könnten wir unser gemeinsames Angebot noch verbessern.

Sie sind der zweitgrößte Außenwerber der Welt nach Ihrem US-Konkurrenten Clear Channel. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Die Verbindung von Werbung und Dienstleistung. Wir verkaufen keine Wartehäuschen oder automatische Toiletten, sondern ein Gesamtkonzept. Wir stellen den Gemeinden unsere Leistungen kostenlos zur Verfügung, vom Bushäuschen über seine Wartung bis zur Refinanzierung. Um das rentabel machen zu können, brauchen wir im Gegenzug langfristige Verträge zur Vermietung von Werbeflächen. Entscheidend ist dabei nicht die Größe der Werbeflächen, sondern ihr Standort. Die Rechnung geht außerdem nur auf, wenn wir gute Qualität und gutes Design bieten. Deshalb arbeiten wir seit Langem mit Stardesignern und Architekten wie Norman Foster zusammen.

Ihr Fahrradverleihsystem Vélib in Paris ist ein Riesenerfolg. Wann verleihen Sie in Deutschland Fahrräder?

Wir haben allein in Paris 100 Millionen Euro dafür investiert. Der Erfolg übersteigt all unsere Erwartungen. Täglich nutzen 160.000 Menschen in Paris unsere Fahrräder. Das System ist so erfolgreich, weil es einfach ist, alle 500 Meter eine Verleih- beziehungsweise Rückgabestation existiert und die erste halbe Stunde kostenlos ist. Das bedeutet: 90 Prozent der Nutzer zahlen nichts. Geplant sind auch Sevilla, Brüssel und bald Brisbane in Australien. Auch Chicago prüft und New York ist interessiert.

Und Deutschland?

Dort gibt es ein anderes System, mit der Deutschen Bahn, das aber von Anfang an etwas kostet und nach unserer Ansicht quersubventioniert wird. Das Kartellamt hat kürzlich eine Sektorenuntersuchung über den Außenwerbemarkt durchgeführt, deren Ergebnisse bislang allerdings nicht veröffentlicht sind. Wir erhoffen uns davon mehr Klarheit für die Zulässigkeit unseres Modells, das heißt die Zurverfügungstellung von Dienstleistungen wie Bushäuschen oder Fahrrädern gegen langfristige Werbeverträge.

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