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Australien: Warten auf Rückruf

Viele Kunden in Australien können mit dem Aldi-Konzept wenig anfangen. Doch die Deutschen sind hartnäckig.

Bauer's Organic Farm: Den Zuschlag bekommt der Billigste
Bauer's Organic Farm: Den Zuschlag bekommt der Billigste

Über Nacht hat es im Lockyer Valley gewittert. Zum ersten Mal seit Monaten. Vor den Karottenfeldern stehen die Pfützen. Auf dem Weg zu Bauer’s Organic Farm fräst Verkaufsmanager Nick Miall mit dem Geländewagen tiefe Spuren in den Matsch. Doch der Regen wird wieder nicht reichen für eine satte Ernte. Seit zehn Jahren herrscht Dürre in diesem Landstrich an der Nordostküste Australiens. „Für Aldi haben wir diese Saison einfach nichts übrig“, sagt Miall. Es tut ihm leid, der 36-Jährige kommt gern mit Aldi ins Geschäft.

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Seit zwei Jahren zählt Bauer’s Organic Farm, einer der größten Biobauern im Land, zum Lieferantenkreis von Aldi Australien. Von Bauer’s bezieht der Discounter ökologisch angebaute Kartoffeln und Sellerie.

Schräge Blicke erntete der deutsche Billig-Exporteur, als er im Januar 2001 seine ersten beiden Läden in Sydney eröffnete. Eine Aldi-ähnliche Kette namens Franklins hatte sich nie richtig durchgesetzt. Stattdessen boomten gut sortierte, kundenfreundliche Handelsriesen wie Coles oder Woolworths, die noch heute 80 Prozent des Marktes beherrschen. Was Deutschen in Australien wie ein Besuch in der Heimat vorkommt, verstört die meisten Australier. Auch bei Aldi gibt es zwar Vegemite, den schuhcremeartigen Lieblings-Brotaufstrich. Aber Obst und Gemüse sind abgepackt. Einkaufswagen müssen mit Zwei-Dollar-Stücken gefüttert werden. Aus Kostengründen gibt es keine Service-Telefone. Kassierer weigern sich, Waren einzutüten und berechnen für die Tragetaschen dann auch noch Geld. Viele Australier können mit dem Aldi-Konzept daher bis heute nichts anfangen.

Trotzdem ist Aldi in Down Under auf Wachstumskurs. An der dicht besiedelten Ostküste des Kontinents hat der Discounter rund 150 Filialen aufgemacht, beschäftigt nach australischen Medienberichten rund 2000 Mitarbeiter und macht umgerechnet mehr als 600 Millionen Euro Umsatz. Sein Marktanteil liegt Branchenkennern zufolge bei 6,5 Prozent und wird weiter steigen. Bis Ende nächsten Jahres sollen 80 neue Aldi-Märkte und zwei neue Zentrallager in Sydney und Melbourne entstehen.

Das Aldi-Konzept des minimalistischen Angebots, der Konzentration aufs Notwendige funktioniert auch hier: eine Sorte Spülmittel, nicht fünf, eine Sorte Honig, nicht sieben. Bis vor Kurzem bot Aldi 600 Produkte an, jetzt hat Aldi-Australien-Chef Michael Kloeters sie um 300 weitere aufgestockt, darunter viele Öko-Lebensmittel.

„Was die machen, macht sonst keiner“, sagt Nick Miall. Er weiß, wovon er spricht. Bevor er bei Bauer’s anfing, saß er als Verkaufsagent in einem Großmarkt von Sydney und half Landwirten, ihre Waren an Supermärkte loszuwerden. Miall erzählt von Kungelei, eingefleischten Beziehungen und Eine-Hand-wäscht-die-andere-Deals. Dann kam Aldi, „sehr ernst, sehr gründlich, sehr effektiv“. Wer den Geschäften mit Geldscheinen nachhelfen wollte, den setzte Aldi unverzüglich auf eine schwarze Liste, sagt Miall. Bald hieß es im Großmarkt, mit den Deutschen sei nicht zu spaßen.

Im Wochentakt überprüft der Discounter seine Preise. Wer als Zulieferer mitmischen will, muss vor dem Wochenende beim Aldi-Einkäufer sein Angebot abgeben. Am Montagmorgen dann warteten alle Zulieferer gebannt auf einen Rückruf, erzählt Miall. Den Zuschlag bekomme der Billigste. Dann sei Eile geboten: Bis 15 Uhr soll die Ware im Zentrallager sein. Um den Transport müsse sich jeder selbst kümmern. Und wer nicht pünktlich liefert, riskiere, künftig außen vor zu bleiben.

Trotz des Konkurrenzkampfes lohne sich der Handel mit Aldi, sagt der Verkaufsmanager. Jeder wolle Überschüsse lieber zu Tiefpreisen als gar nicht verkaufen. Zudem sieht sich Bauer’s Organic Farm am längeren Hebel. Die Dürre hat alle Lebensmittelpreise erhöht, und für Bioprodukte zahlen Kunden ohnehin gern etwas mehr. Aldis Marktmacht ist in Australien noch nicht groß genug, um die Nischenbranche bis auf die Knochen unter Druck zu setzen. „Für uns ist das Ganze ein Gewinn“, sagt deshalb Nick Miall. „Aldi macht Bio-Lebensmittel einer breiteren Masse zugänglich.“

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