Auszeichnung: Literaturnobelpreis an Le Clézio: "Erforscher der Menschlichkeit"

Auszeichnung: Literaturnobelpreis an Le Clézio: "Erforscher der Menschlichkeit"

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Der französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio erhält in diesem Jahr den Literaturnobelpreis

Als erster Franzose seit knapp einem Vierteljahrhundert erhält der Romancier Jean-Marie Gustave Le Clézio (68) den Literaturnobelpreis. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung heute in Stockholm mit Le Clézios Rolle als „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase“.

Der 1940 in Nizza geborene Autor sei „der Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation“. An einen gebürtigen Franzosen war der berühmteste Literaturpreis der Welt zuletzt 1985 gegangen, als Claude Simon ausgezeichnet wurde; im Jahr 2000 erhielt der in Frankreich lebende Exil-Chinese Gao Xingjian den Preis.

Der Sprecher der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, meinte nach der Bekanntgabe der Entscheidung: „Le Clézio hat ein großes Autorenwerk im klassischen Sinne präsentiert. Mit mehr als 40 Werken steht es ungeheuer stark da.“ Der Autor sagte in einem vor der Entscheidung aufgenommenen Interview des schwedischen Fernsehens: „Für mich hat immer die Suche nach meiner Identität und meinen Wurzeln die entscheidende Rolle gespielt. Ich wollte meinen Vater verstehen.“ Der Anhänger des in Frankreich geprägten Existenzialismus gab 1963 sein literarisches Debüt.

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Der als „gut zugänglich“ geltende Autor hat aber neben Romanen zu grundsätzlichen Fragen der Zivilisation und Freiheit auch Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht. Auf Deutsch erschien zuletzt 2007 „Der Afrikaner“ (Hanser Verlag), in dessen Zentrum der Vater des Schriftstellers steht. Le Clézio wurde seit einigen Jahren als einer von vielen Anwärtern auf den Literaturnobelpreis genannt, gehörte aber nie zum engeren Favoritenkreis. In diesem Jahr galt unter anderem auch die in Berlin lebende Rumäniendeutsche Herta Müller (55) als aussichtsreiche Anwärterin.

Engdahl hatte eine Woche vor der Vergabe Aufsehen mit pauschaler Schelte an der US-Literatur erregt, die gleich mehrere Dauerfavoriten auf den Nobelpreis wie Don DeLillo, Thomas Pynchon oder Philip Roth stellt. Dabei hob Engdahl die europäische Literatur als nach wie vor „führend“ in der Welt heraus. Von den vorangegangenen zehn Nobelpreisträgern für Literatur waren sieben Europäer.

Im vergangenen Jahr hatte die Britin Doris Lessing (88) den Preis aus Stockholm bekommen. Sowohl Lessing wie vorher schon deren Landsmann Harold Pinter und 2004 die Österreicherin Elfriede mussten die Teilnahme an der feierlichen Verleihung jeweils am 10. Dezember wegen gesundheitlicher Probleme absagen. Bei Le Clézio galt am Donnerstag als sicher, dass er zur Entgegennahme des Diploms und der Dotierung von zehn Millionen Kronen (eine Million Euro) aus der Hand von König Carl XVI. Gustaf in Schwedens Hauptstadt kommen wird.

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