Auto: Ausländische Billigmarken für China

Auto: Ausländische Billigmarken für China

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Volkswagen Autohaus in China: Der Konzern startet nun eine Verkaufsoffensive in Südchina, um die Dominanz der Japaner zu brechen.

Die Opel-Mutter General Motors und Honda planen Autos, die sie nur in China anbieten wollen: Günstige Modelle für Einsteiger, damit sich auch jene Chinesen endlich ein Auto leisten können, die nicht so wohlhabend sind. Nicht Sozialromantik treibt die Konzerne dazu, sondern Kalkül.

Rund 300 Kilometer ist der chinesische Reiseleiter Chen Libin täglich in den Grassteppen der Inneren Mongolei mit dem Auto unterwegs. Nun steht der Kauf eines neuen Fahrzeugs an, aber mit einer chinesischen Marke kann sich Chen schlecht anfreunden. Modelle inländischer Hersteller wie Tianjin FAW Xiali Automobile blieben nach zwei Jahren das erste Mal liegen, erklärt er. Ausländische Autos hingegen hielten mindestens fünf Jahre ohne größere Probleme durch. Bisher schreckten die höheren Preise der ausländischen Modelle Chen ab – sein Budget liegt bei maximal 80.000 Yuan (8755 Euro) –, aber nun haben General Motors (GM) und Honda die China-Modelle Baojun und Li Nan angekündigt. Daher muss Chens alter Xiali A+ noch etwas durchhalten: „Diese Marken kommen auf jeden Fall in Betracht“, sagt er. „Die ausländische Technik ist komfortabler, sparsamer und im Unterhalt günstiger.“ Auf Kunden wie Chen setzen GM, Honda und Nissan, für sie wurden die neuen Marken geschaffen. Mit den günstigen Modellen wollten die ausländischen Anbieter im Preiskampf gegen inländische Hersteller bestehen, ohne das Prestige zu beschädigen, das ihre Kernmarken in den wohlhabenderen Küstenregionen Chinas genießen, erklärt John Zeng, Branchenanalyst des Marktforschungsunternehmens J.D. Power & Associates in Shanghai. Bereits jetzt ist China der größte Automobilmarkt der Welt, und vergangenes Jahr stiegen die Einkommen im Landesinneren um elf Prozent. „Es handelt sich um eine Situation, in der jeder gewinnt“, sagt Zeng. „Die Kunden müssen für die Technik einer ausländischen Marke weniger bezahlen, und die ausländischen Hersteller steigern den Umsatz, ohne dem Markenimage zu schaden.“

Kein ABS, keine Automatik, keine Extras

Um billiger anbieten zu können, basierten die China-Marken auf älteren Modellplattformen und besäßen kaum Zusatzausstattung, sagt Leah Jiang, Analystin bei Macquarie Research in Shanghai. Indem teure Elemente wie Automatikgetriebe, ABS, Klimaanlage und verstellbare Sitze weggelassen würden, ließe sich der Preis auf bis zu 50.000 Yuan (5.472 Euro) drücken, erläutert Koji Endo, Autoanalyst bei Advanced Research Japan.Derzeit beherrschen die inländischen Hersteller BYD, Geely Automobile und Chery Automobile den Markt für günstige Autos. Im Segment bis 50.000 Yuan verkaufen chinesische Unternehmen drei von vier Autos, in der Klasse von 50.000 bis 80.000 Yuan über die Hälfte, sagt Leah Jiang. Entsprechend zeigen sich die Lokalmatadore gelassen: „Ich mache mir wegen der neuen Marken keinerlei Sorgen“, sagt Jin Yibo, Assistent der Geschäftsführung bei Chery. Sein Unternehmen verbuchte vergangenes Jahr ein Umsatzplus von 36 Prozent. „Chinesische Autos bieten ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, und wir kennen unseren Markt und die Kunden sehr gut.“ Andererseits teilte BYD am 25. Februar mit, es habe die Preise bei fünf Modellen gesenkt, um konkurrenzfähig zu bleiben.Vergangenes Jahr wuchs der Autoabsatz in China über 32 Prozent auf fast 18,1 Millionen Stück. J.D. Power erwartet für dieses Jahr ein Plus von rund 15 Prozent, wobei zwei Drittel der Käufer aus Städten kommen dürften, in denen das mittlere Jahreseinkommen bei unter 5.000 Dollar liegt. „Wenn sich diese Marken durchsetzen, werden sie überdurchschnittlich wachsen“, sagt Bill Russo, Automobilspezialist des Beratungsunternehmens Booz & Co. „Diese Preisklasse können sich viel mehr Leute leisten.“

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Von geschätzten Pferden und Morgensternen

Beim Baojun 630, den GM für dieses Frühjahr angekündigt hat, handelt es sich um eine viertürige Limousine. Den Verkauf wickelt der größte ausländische Autohersteller in China über das Jointventure SAIC-GM-Wuling Automotive ab, und der Wagen wird Unternehmensangaben zufolge bei über 100 Händlern erhältlich sein. Einen Preis hat GM für den Baojun noch nicht genannt. Das Unternehmen strebt für kommendes Jahr ein Wachstum von 15 Prozent auf 2,35 Millionen Fahrzeuge an, nach einem Plus von 29 Prozent vergangenes Jahr. Das chinesische Wort Baojun bedeutet „geschätztes Pferd“ und das Markenzeichen stellt einen Pferdekopf dar. Bei Volkswagen und seinen chinesischen Partnern SAIC Motor und FAW Group ist ebenfalls eine eigene chinesische Marke angedacht. Das sagte der Chef des China-Geschäfts, Karl-Thomas Neumann, im Januar. VW ist die Nummer zwei unter den ausländischen Autoproduzenten in China. Honda und sein einheimischer Partner Guangzhou Automobile Group wollen mit dem Verkauf ihres Li Nian S1 – ebenfalls ein Viertürer – in den nächsten Wochen beginnen. Preise stehen bisher nicht fest. Die Marke basiert auf dem Honda City, den das Unternehmen in anderen Schwellenländern verkauft. Sie wird mit kleinen Motoren ausgestattet und soll Erstkäufer ansprechen. „Unser Ziel ist, dass die Fahrer des Li Nian später auf Honda umsteigen“, sagt Takayuki Fujii, Sprecher für Honda in Peking. Vergangenes Jahr legte das Geschäft von Honda in China zwölf Prozent zu, und dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Wachstum von zehn Prozent. Nissan und das chinesische Partnerunternehmen Dongfeng Motor Group wollen die Nachfrage nach günstigeren Modellen mit dem Qi Chen oder „Morgenstern“ bedienen. Koji Endo von Advanced Research Japan sieht den Wagen in der Preisklasse von 50.000 bis 70.000 Yuan. Das Auto orientiere sich bei Technik, Qualität und Produktionssstandards an ausländischen Marken, sagt Toshiyuki Shiga, der bei Nissan für das operative Geschäft zuständig ist. „Ich habe für diesen Markt optimistische Erwartungen.“ Unter Mitarbeit von Tian Ying und Li Yanping.

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